Interessengemeinschaft der Unternehmer kleiner und mittlerer Betriebe e.V.
2015

Gebäudefeuerversicherung: Entschädigung zum Neuwert ist als Einnahme zu versteuern (Inhalte 3/2015)


Flüchtlinge: Ganz Europa muss Verantwortung übernehmen (Inhalte 2/2015)

  • Aufgrund der katastrophalen Ereignisse im Mittelmeer führen wir derzeit eine intensive und kritische Diskussion über Flüchtlinge und deren Situation vor den Toren der EU, in der EU aber auch in Deutschland. Fest steht, dass sich Europa alles andere als mit Ruhm bekleckert hat. Es sind beschämende Bilder für ganz Europa. Die Frage nach unserer Mitverantwortung für die Verhältnisse in den Fluchtländern und Forderungen von einer uneingeschränkten Aufnahme von Flüchtlingen bis hin zu einer kompletten Abschottung Deutschlands werden laut. Welche Verantwortung kommt Deutschland zu?

    Weltweit sind 17 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie verlassen ihre Heimatländer aufgrund von Kriegen, Terror, Verfolgung und Armut. Nicht nur die Situation in vielen Flüchtlingslagern ist besorgniserregend, sondern auch die wiederkehrenden schrecklichen Bilder von Schiffskatastrophen, bei denen hunderte Menschen ihr Leben im Mittelmeer lassen, sind bedrückend. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens wird die Zahl der Flüchtlinge nicht abreißen und zweitens kann kein Land diese internationale Herausforderung allein lösen.

    Europa muss handlungsfähiger werden
    Weder die hermetische Abriegelung Europas noch die bedingungslose Öffnung unserer Grenzen wird die Lösung sein. Auch Lösungen, die erst auf dem Mittelmeer greifen, werden die Situation der Flüchtlinge nicht verbessern. Nicht nur auf dem Mittelmeer, sondern bereits auf dem Weg durch Afrika bis an seine Küste gibt es unzählige Todesopfer – und das fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit.

    Den Schleusern muss das Handwerk gelegt werden. Allerdings ist auch klar, dass es schwierig sein wird, den Schlepperorganisationen den Garaus zu machen. Ihnen spielen politische Situationen, wie zum Beispiel in Libyen, in die Hände. Aber jede einzelne Maßnahme, die Menschenleben rettet, ist richtig. Die europäischen Finanzmittel für die Missionen „Triton“ und „Poseidon“ werden verdreifacht und Deutschland schickt zwei Schiffe zur Verstärkung. Diese ersten Schritte sind ein richtiger Anfang.

    Dauerhaft kann sich die Lage aber nur durch eine Verbesserung der Zustände in der Heimat der Flüchtlinge ändern. Die EU muss stärker als bisher zu Frieden und Gerechtigkeit beitragen. Und die wohlhabenden Länder müssen stärker zusammenarbeiten, um die Ursachen der Flucht zu beseitigen.

    Die EU ist eine Rechts- und Wertegemeinschaft. Eine Lösung kann nur erfolgreich sein, wenn sich alle an die Regeln und Verpflichtungen halten und einen solidarischen Umgang pflegen. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass die Bundesregierung andere Mitgliedstaaten an die Grundsätze unserer Staatengemeinschaft erinnert. Es kann nicht sein, dass lediglich 10 Mitgliedstaaten Asylsuchende aufnehmen. Ich unterstütze deshalb den Vorschlag einer verbindlichen Quote für jeden der 28 EU-Mitgliedstaaten, die sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Einwohnerzahl orientiert.

    Zahl der Asylanträge stark gestiegen
    Sie stieg von Januar bis März 2015 um knapp 130 Prozent auf über 75.000 an. Die Hauptherkunftsländer waren Kosovo, Syrien und Albanien. In diesem Zeitraum hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über 58.000 Entscheidungen getroffen. Insgesamt 20.523 Personen wurden nach der Genfer Konvention als Flüchtling anerkannt, knapp 21.000 Anträge wurden abgelehnt und über 15.000 weitere gelten als anderweitig erledigt. Trotzdem sind noch immer 200.000 Anträge in der Bearbeitung. Deshalb wurden dem BAMF kurzfristig 1.400 zusätzliche Stellen bewilligt; bis zu 1.000 weitere werden folgen.

    Bundesländer in die Pflicht nehmen
    Über 50 Prozent der Asylanträge in Deutschland stehen in keinerlei Zusammenhang mit politischer Verfolgung, sondern haben ihren Ursprung in wirtschaftlicher Not. Weil Deutschland nicht allen Menschen helfen kann, müssen strukturelle Änderungen erzielt werden, um den wirklich Hilfsbedürftigen besser und zügiger helfen zu können.

    Deshalb wurden letztes Jahr Bosnien und Herzegowina sowie Serbien und Mazedonien asylrechtlich zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt. Sie machen 25 Prozent der Asylanträge aus und haben kaum Erfolgsaussichten. Viele Anträge stammen außerdem von Menschen aus dem Kosovo. Der Bund und sechs Bundesländer haben Maßnahmen getroffen, um sie schneller zu bearbeiten. Mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Anträge pro Tag in kurzer Zeit von 1.400 auf unter 100 gesunken ist.

    Die Bundesländer sind für eine ausreichende Finanzausstattung der Kommunen verantwortlich. Sie erstreckt sich bis auf die Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern. Einige Bundesländer sind hier sehr vorbildlich und tragen diese Kosten zu 100 Prozent. Die überwiegende Mehrheit kommt jedoch ihrer Verantwortung nicht nach: Asylbewerber werden so schnell wie möglich aus der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung, die vom Land finanziert wird, an die Kommunen weitergeleitet. Damit werden – abgesehen von Bayern, Saarland und Mecklenburg- Vorpommern – die Kosten auf die Kommunen übertragen. Die finanzielle Belastung der Kommunen wird noch dadurch verschärft, dass die Bundesländer bei der Rückführung abgelehnter Asylbewerber sehr zurückhaltend sind oder sogar Winterabschiebestopps erlassen, wie 2014/15 in Schleswig-Holstein und Thüringen.

    Große Bereitschaft in den Kommunen
    Die Kommunen sind bereit, sich den Herausforderungen zu stellen, die die Aufnahme, Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen bringen. Ohne diese aktive Mithilfe vor Ort kann die Flüchtlingsaufnahme nicht gelingen. Es ist aber auch richtig, dass die Kommunen mit der Aufgabe finanziell überfordert sind.

    Mit dem Nachtragshaushalt 2015 und dem „Gesetz zur Förderung von Investitionen finanzschwacher Kommunen und zur Entlastung von Ländern und Kommunen bei der Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern“ erhalten die Kommunen 5 Milliarden Euro. Und durch die Umsetzung der Vereinbarung vom Dezember 2014, erhalten sie vom Bund eine weitere Milliarde Euro. Aber hier ist mehr nötig, als der Ruf nach dem schnellen Geld. Auch wenn eine Erhöhung der finanziellen Mittel nicht zwingend schlecht ist, hilft es nur bedingt weiter, solange nicht strukturelle Probleme angegangen werden und sich auch die Länder ihrer Verantwortung stellen und ihre Aufgaben erledigen. Die Ergebnisse bei den Flüchtlingsgipfeln haben bereits gezeigt, dass Bund und Länder zielorientiert Lösungen zur Verbesserung der Situation herbeigeführt haben. Bis Herbst sollen Vorschläge für eine feste Kostenbeteiligung des Bundes ab 2016 vorgelegt werden.

    Oberste Priorität hat der Schutz von Flüchtlingen
    Auch in Zukunft wird Deutschland Flüchtlingen helfen und seiner Verantwortung gerecht werden. Im Interesse der Betroffenen müssen die Verfahren bei Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichten zügiger vonstattengehen – ohne dass daran die Qualität der Entscheidung zu leiden hat.

    Es bedarf außerdem einer gezielteren Steuerung bei der Verteilung von Flüchtlingen auf die Kommunen und einem stärkeren Engagement der Länder bei der Umsetzung der Asylentscheidungen.

    Neben den flüchtlingsrelevanten politischen Weichenstellungen, die Deutschland bereits eingeleitet hat, muss jetzt aber vor allem die EU eine Lösung finden. Es muss dringend eine gemeinsame Lösung erreicht werden, die die Aufnahme politisch Verfolgter solidarisch regelt und Missbrauch verhindert. Und es müssen Programme entwickelt werden, die die Lage in den Herkunftsländern auch wirklich verbessern können.

    von Franz-Josef Holzenkamp (MdB)


Big Data für kleine und mittelständische Unternehmen - ein Widerspruch? (Inhalte 2/2015)

  • Das Thema „Big Data“ ist in aller Munde und zu einem Modebegriff in der Geschäftswelt geworden. Eigentlich ist „Big Data“ bereits seit längerem in unserer Informationsgesellschaft verankert. Aber in der jüngsten Vergangenheit betrifft dieses Thema mehr und mehr Lebens- bzw. Geschäftsgebiete.

    Waren es in den 80er und 90er Jahren vorwiegend Banken, Versicherungen, Handelsketten und Versandhäuser, die bereits mit gigantisch großen Datenbeständen arbeiteten, so findet man heute auch in mittelständischen Unternehmen beachtliche Datenmengen. Diese stammen aus einer Vielzahl von Quellen, werden häufig an unterschiedlichen Stellen gespeichert und kommen zumeist ungeordnet daher. Das Zeitalter des Smartphones und der Informationsgesellschaft hat die Möglichkeiten zur Datensammlung nochmal um ein Vielfaches erweitert und macht Handlungsmuster von Kunden bzw. potenziellen Kunden mehr als transparent. Die Informationen liegen sozusagen auf der Straße und müssen lediglich gesammelt werden.

    Das Ziel von „Big Data“ ist es, unabhängig von der Größe des Unternehmens, aus der Vielzahl der Informationen Wissen zu extrahieren und dieses Wissen dann zum Wettbewerbsvorteil für die eigene Unternehmung zu verwenden. Dies kann sich auf Kunden-, Prozess- sowie Transaktionsdaten beziehen, aber auch auf jede beliebige weitere Art von Informationen, die das Unternehmen vorhält. Doch wie generiert man aus Informationen Wissen?

    Zuerst ist es wichtig, das Ziel zu definieren:
    Welche konkreten Bereiche möchte man betrachten und welche Entscheidungen sollen unterstützt werden? Zielt man beispielsweise auf Transaktionsdaten ab, könnte die Frage lauten, wie sich das Bestellverhalten der Kunden in der jüngeren Vergangenheit entwickelt hat, welche Produktmerkmale dafür verantwortlich sein könnten und wie man das Bestellvolumen künftig positiv beeinflussen könnte. In der Umsetzung ist zunächst einmal eine Transparenz der zur Verfügung stehenden Daten wichtig. Nicht immer sind alle relevanten Datenquellen verfügbar und auf der anderen Seite ist auch nicht jede Information für das im Mittelpunkt der Fragestellung stehende Ziel nützlich. Eine Datenqualitätsüberprüfung ist in jedem Fall unabdingbar. Vor allem mittelständische Unternehmen stehen an dieser Stelle häufig vor der Herausforderung, dass zwar viele Daten verfügbar sind, diese aber dezentral und ohne Zusammenhang an unterschiedlichen Stellen im Unternehmen abgelegt sind. Für jegliche Auswertungen – egal, ob „Big Data“-Analyse oder einfache Auswertung – ist eine Gesamtsicht notwendig. Das heißt, die Datenquellen müssen zusammengeführt und an einer zentralen Stelle bereitgestellt werden. Dies kann, abhängig von den bisherigen Anstrengungen in diesem Bereich, zunächst einige Ressourcen in Anspruch nehmen, ist aber zwingende Voraussetzung für eine funktionierende Analytik und ein aussagekräftiges Reporting.

    Wichtig ist dabei zu wissen: „Big Data“-Analysen lassen sich nicht einfach aus dem Stehgreif durchführen, indem man lediglich ein entsprechendes Tool einkauft.

    Ohne eine adäquate Datenbasis und Zielsetzung wird sich kein Projekterfolg einstellen. Daher sollte der Weg zu „Big Data“ idealerweise Schritt für Schritt erfolgen. Denn auch einfache Auswertungen, beispielsweise auf den Kundendaten, können einem Unternehmen schnell Vorteile im täglichen Geschäft verschaffen.

    Hat man schließlich eine transparente und saubere Datenbasis aufgebaut kann die eigentliche Analyse beginnen. Hier gibt es eine Vielzahl von Analysetools, die unterschiedliche Analyseschwerpunkte haben. Diese Tools stellen zumeist gängige mathematische Verfahren – welche z.T. schon älter als 100 Jahre sind – zur Verfügung. Auch an dieser Stelle zeigt sich, dass das Thema „Big Data“ theoretisch schon länger in der Wissenschaft verankert ist.

    Durch Einsatz von „Big Data“ können bisherige Arbeitsprozesse effizienter und effektiver gestaltet werden. Beispielweise kann sich der Vertrieb auf eine kleine Gruppe von potenziellen Kunden fokussieren. Streuverluste werden dadurch verringert und letztendlich Kosten gesenkt.

    In manchen Branchen bietet das Themenfeld „Big Data“ noch einen Wettbewerbsvorteil, in anderen Branchen ist es ein „must-have“, da die ganze Branche mit diesem Instrument schon längere Zeit unterwegs ist. Insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen verbirgt sich hier in der Regel nach wie vor noch großes Potenzial. Allein wichtig ist es, die Chancen zu erkennen und gleichzeitig die notwendigen Ressourcen richtig einzuschätzen. Denn im „Big Data“-Umfeld ist das Ziel in jedem Fall lohnenswert, der Weg dorthin kann unter Umständen aber lang sein. Jedoch sollten der Weg selbst und die vielfältigen Chancen, die sich am Wegesrand bieten, in keinem Fall verpasst werden.

    ■ Dr. Thomas Zabel
    ■ Dennis Cosfeld-Wegener

     

     


Berufsfelderkundung - Eine "Win-Win" - Maßnahme für Schüler und Unternehmen (Inhalte 2/2015)

  • KAoA ist kein japanisches Gericht, sondern die Abkürzung für „Kein Abschluss ohne Anschluss“ – ein NRW-weites Projekt, mit dem Schülerinnen und Schüler frühzeitig die Möglichkeit erhalten, in die Berufswelt zu schnuppen. Dadurch wird der Übergang von der Schule in den Beruf verbessert und die Wahrscheinlichkeit, die falsche Ausbildung zu wählen, sinkt. Ziel ist, dass sich für junge Menschen nach der Schule möglichst schnell eine Anschlussperspektive für eine Berufsausbildung oder ein Studium eröffnet.

    Mit dem Projekt hat die Landesregierung eine Forderung aus der Wirtschaft aufgegriffen: Schulen und Unternehmen müssen Schülerinnen und Schüler schon während der Schulzeit dabei unterstützen, eine fundierte Berufsorientierung auszubilden und den Kontakt zur Arbeitswelt herstellen zu können. Denn eins ist so gut wie sicher: Das Potenzial an Fachkräften wird auch im Münsterland immer kleiner.

    Herausstechend an dem Projekt „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ist, dass verschiedene Maßnahmen passgenau ineinander greifen und in bestehende Maßnahmen integriert werden. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz zur Berufsorientierung. Derzeit startet die Berufsorientierung mit dem Betriebspraktikum in der 9. Jahrgangsstufe. In dem in der Regel 14-tägigen Praktikum lernen die Schülerinnen und Schüler Berufswelt und Unternehmen kennen. Aber was ist, wenn die Wahl für den Praktikumswunsch leichtfertig erfolgte?

    An diesem Punkt setzt das Projekt an: In der 8. Klasse werden mit den Jugendlichen in Potenzialanalysen persönliche Stärken und Interessen herausgearbeitet. Mit diesen Erkenntnissen wählt der Schüler drei Berufsfelder aus, die er erkunden möchte. Eine wichtige Voraussetzung für eine wirklich vielschichtige Erkundung unterschiedlichster Berufs- und Tätigkeitsfelder ist natürlich die Teilnahme zahlreicher Betriebe und Unternehmen. Nur wenn die Schülerinnen und Schüler wirklich die Wahl zwischen vielen Berufsfeldern haben, haben sie auch die Chance, den besten Berufswunsch zu identifizieren. Die Auswahl der Berufsfelder erfolgt unkompliziert über eine Online-Plattform, in der Betriebe und Unternehmen ihre Berufsfelderkundungs-Plätze anbieten. So können besonders klein- und mittelständische Unternehmen schnell auf sich und die Berufs- und Tätigkeitsfelder aufmerksam machen.

    Zwar ist dieser erste Blick in den jeweiligen Beruf ein kurzer. Aber mit diesem gewonnenen Eindruck kann das Praktikum in der 9. Klasse zielgerichteter ausgewählt werden. Und es passt zu den Kompetenzen und Interessen der Schüler. Dabei werden sie von den Lehrern unterstützt, die vor der Berufserkundung den Wunsch der Schüler freigeben. Diese achten nicht nur auf die Passung von Berufsfeld des Betriebs oder Unternehmens und dem Stärkenprofil des Schülers, sondern haben auch rein praktische Aspekte im Blick wie beispielsweise den Anfahrtsweg des Schülers zum Betrieb.

    Die Vorteile für Unternehmen liegen auf der Hand. Während das Betriebspraktikum schon die Wahrscheinlichkeit der falschen Ausbildungswahl reduziert, reduzieren die drei Berufserkundungs-Tage die Wahrscheinlichkeit, das Praktikum im falschen Berufsfeld zu absolvieren. Und so starten wirklich interessierte Schüler ins Betriebspraktikum, die sich im optimalen Fall sogar für eine Ausbildung bewerben. Sollte ein Schüler die falsche Wahl getroffen haben, investieren er und das Unternehmen nicht direkt zwei Wochen wie beim Betriebspraktikum oder es kommt gar zum Abbruch der Ausbildung, sondern lediglich einen Tag. Außerdem bekommen die Betriebe und Unternehmen unkomplizierten Kontakt zu vielen Jugendlichen und können für den eigenen Betrieb oder das eigene Unternehmen werben, Ausbildungswege vorstellen und sie vor allem für die eigenen Berufe und Tätigkeitsfelder begeistern.

    Wichtig bei dem ersten Blick in die Berufs- und Arbeitswelt ist die praktische Erfahrung. Die interessierten aber in vielen Fällen noch komplett unerfahrenen Jugendlichen sollten bestmöglich in den Betriebsalltag integriert werden und die Möglichkeit zum praktischen Ausprobieren und Erleben haben. So gewinnen sie einen vertieften Eindruck und lernen das Arbeitsleben nicht nur theoretisch oder im Überblick kennen. Laut IHK hat es sich bewährt, in die Begleitung der Schüler die eigenen Auszubildenden einzubinden. Diese sind näher an den Schülern, sprechen die gleiche Sprache und können ihre Fragen authentisch beantworten.

    Derzeit sammeln die einzelnen Kreise in NRW erste Erfahrungen mit dem neuen System. Ab 2018 wird die Potenzialeinschätzung mit anschließenden Berufserkundungstagen dann verbindlich umgesetzt.

    Weitere Informationen gibt es bei der IHK Nordwestfalen unter dem Stichwort „Berufsfelderkundung“.

    ■ Dr. Thorsten van Beeck-Stumpp


Höhenangst? (Inhalte 2/2015)

  • Ist es für den Einstieg in Aktien wirklich schon zu spät?

    Monatelang kannte der DAX* nur eine Richtung: aufwärts. Die drei Treiber – niedriger Ölpreis, günstiger Euro, Geldschwemme durch Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank – ließen den deutschen Aktienindex die psychologisch wichtigen 1.000er Marken in immer kürzeren Abständen erklimmen. Das erste Quartal dieses Jahres zeigte sogar den stärksten Punktezuwachs aller Zeiten.

    Wer da bislang nur als Zaungast dabei war, kann schon mal ins Grübeln kommen, ob der Aktienmarkt doch auch etwas für ihn wäre. Aber jetzt noch einsteigen? Ist dieser Zug nicht längst abgefahren? Es gibt gute Gründe, warum ein Einstieg auch in Sichtweite eines „All-time-high“ sinnvoll sein kann.

    Der DAX ist eine optische Täuschung

    Die Rekordstände des DAX zeigen nur die halbe Wahrheit. Anders als die meisten anderen populären Aktienindices beinhaltet er neben den Kurszuwächsen der enthaltenen Aktien auch deren Dividendenzahlungen und behandelt sie, als seien sie komplett wieder investiert worden. Während der klassische DAX in den ersten Monaten des Jahres schon rund 50 Prozent höher als zu Zeiten der Interneteuphorie 2000 – als die 8.000er Marke erstmals geknackt wurde – notiert, zeigt sich der Kursindex nach mehr als fünf Jahren nahezu auf gleichem Niveau wie damals.

    Ob Aktien hoch oder niedrig bzw. günstig oder teuer bewertet sind, lässt sich da schon besser aus Kennzahlen wie dem KGV (Kurs Gewinn-Verhältnis) ablesen. Die erfreulich gestiegenen Gewinne bzw. Gewinnerwartungen der Unternehmen führten dazu, dass diese Kennzahl im Mai dieses Jahres (KGV 15) nur ca. die Hälfte des Wertes aus März 2000 betrug, und zudem auch unter dem Durchschnitt aus den vergangenen drei Jahrzehnten lag (KGV 19). Aus dieser Perspektive betrachtet war der Index selbst bei seinem zwischenzeitlichen Rekordhoch also dennoch relativ günstig. So wichtig eine neue 1.000er-Marke oder ein neuer Rekordstand psychologisch auch ist, so wenig sprechen sie für eine Überbewertung des Marktes.

    Kommt nach dem Höchststand zwangläufig der Absturz?

    Nachdem in der zweiten Jahreshälfte 2007 die Marke von 8.000 Punkten mehrfach von unten durchbrochen wurde, folgte ein lang anhaltender Rückgang und es sollte mehr als 5 Jahre dauern, bis die alte Bestmarke wieder geknackt wurde. Aber anschließend war genau das Gegenteil zu sehen. Wer Ende 2012/Anfang 2013 aus Furcht vor einem „Rückschlag nach Höchststand“ ausgestiegen wäre, hätte eine weitere, fulminante Aufwärtsbewegung verpasst. Laut Analyse** der vergangenen vier Jahrzehnte wurde – sicherlich für viele überraschend – ausgerechnet bei einer Investition in der Nähe (98 bis 100 Prozent) eines Höchststandes die besten Wertentwicklungen erzielt. Ähnlich gut funktionierten nur die Investitionen nach kräftigen Rückschlägen, die erfahrungsgemäß besondere Nervenstärke vom Anleger einfordern.

    Zeit wichtiger als Zeitpunkt

    Bei allen Unwägbarkeiten am Aktienmarkt ist die Anlagedauer wichtiger als der – erst im Nachhinein bewertbare – günstige Einstiegszeitpunkt. Zudem lässt sich das Risiko durch breite Streuung und Diversifikation sowie eine schrittweise Investition, zum Beispiel über einen monatlichen Sparplan, wirksam reduzieren.

    Auch eine intelligente Strategie wie LVMTrendInvest kann die Entscheidung für ein (erstmaliges) Aktieninvestment deutlich erleichtern. Auf jeden Fall dürfte ein Aktienkauf trotz luftiger Höhen langfristig Erfolg versprechender sein als ein Anleihekauf bei einem Zinstiefstand.

    LVM-TrendInvest ...

    ... ist eine neue Anlagestrategie, die sich für Einmalanlage und zum regelmäßigen Sparen eignet. Die angelegten Gelder werden in einem Aktienfonds oder in einem offensiven Mischfonds gemanagt. Um Renditenchancen zu nutzen und dennoch längere Verlustphasen zu vermeiden, wird das Geld in einigen Marktphasen automatisch umgeschichtet und in einem geldmarktnahen Fonds geparkt.

    Aber wie lässt sich eine solche Phase frühzeitig erkennen und wann ist die richtige Zeit um wieder einzusteigen? Ein fehlerfreies System für das perfekte Timing hat bis heute niemand gefunden. Als einfacher und verlässlicher Indikator hat sich jedoch die 200 Tage-Linie erwiesen. Dabei wird aus den letzten 200 Tageskursen eines Werts der Durchschnittskurs berechnet. Dieser wird dann grafisch neben den Tageskurs desselben Werts gestellt. Schneiden sich beide Linien, leitet man daraus Kauf- oder Verkaufssignale ab.

    ■ Hermann Mangels

    * DAX (Deutscher Aktienindex) ist ein Produkt und eingetragene Marke der Deutschen Börse AG.
    ** MARS Asset Management


Private Haftpflichtversicherung (Inhalte 2/2015)

  • Sie als Unternehmer wissen genau: Die Haftpflichtversicherung zählt zu den wichtigsten Versicherungen und gehört daher in jeden Versicherungsordner. Denn schnell ist es passiert – eine kleine Unachtsamkeit kann Sie teuer zu stehen kommen. Und das nicht nur im betrieblichen, sondern auch im privaten Bereich. Zum Glück ist die Privat-Haftpflicht in den meisten Fällen kostenlos in der Betriebshaftpflichtversicherung enthalten.

    Was sind die Aufgaben der Privat-Haftpflicht?

    Die Privat-Haftpflicht schützt Sie vor den finanziellen Folgen von Schadenersatzansprüchen. Die Gefahr mit Schadenersatzansprüchen belastet zu werden ist allgegenwärtig: Sie nehmen zum Beispiel als Fußgänger oder als Radfahrer am Straßenverkehr teil und verursachen durch Unachtsamkeit einen Unfall – oder als Hauseigentümer kommen Sie im Winter Ihrer Streupflicht nicht nach und ein Passant stürzt. In solchen Fällen sind Sie dem Geschädigten gegenüber zum Schadenersatz verpflichtet. Sind Sie haftpflichtversichert, dann trägt der Versicherer dieses finanzielle Risiko. Er gleicht die Schadenersatzansprüche für Sie aus. Die Privat-Haftpflicht hat jedoch noch einen weiteren Zweck: Wenn Sie zum Beispiel nicht schuldhaft gehandelt haben, wehrt der Versicherer die unberechtigten Ansprüche für Sie ab.

    WER ist über die private Haftpflichtversicherung mitversichert?

    Bei der LVM beispielsweise sind folgende Personen mitversichert:

    ◗◗ Sie als Versicherungsnehmer
    ◗◗ Ihr Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner
    ◗◗ Der mit Ihnen in häuslicher, eheähnlicher Gemeinschaft lebende Partner und seine Kinder
    ◗◗ Sie und die versicherten Personen als aufsichtspflichtige Eltern minderjähriger Kinder
    ◗◗ Ihre unverheirateten Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Darüber hinaus für die Dauer der Schul-, Berufs- oder Studienausbildung. Mitversichert ist die Wartezeit von bis zu einem Jahr zwischen den Ausbildungsabschnitten. Die Mitversicherung gilt unabhängig vom Wohnort des Kindes. Also auch, wenn Ihr Kind eine eigene Wohnung in einer anderen Stadt bewohnt.
    ◗◗ Die mit Ihnen im Haushalt lebenden geistig behinderten Kinder ohne Altersbeschränkung
    ◗◗ Au-Pair-Mädchen und -Jungen sowie minderjährige Gastkinder in Ihrem Haushalt
    ◗◗ Mit Ihnen im Haushalt lebende pflegebedürftige Angehörige ab Pflegestufe „0“ (Pflegestufe „0“ ist ein allgemeiner Sprachgebrauch für Personen ohne Pflegestufe, die aber in ihrer Alltagskompetenz „erheblich“ eingeschränkt sind.)

    Der letzte Punkt bedarf einer Erläuterung: Bei der LVM Versicherung gilt die Privat-Haftpflicht volljähriger, pflegebedürftiger Angehöriger schon ab Pflegestufe „0“ mitversichert (üblich ist ab Pflegestufe 1). Die Mitversicherung bleibt bei direkt anschließendem Aufenthalt in einem Pflegeheim bestehen, sofern nicht durch einen anderen Vertrag Versicherungsschutz besteht. Folgender Hintergrund: Wie wir alle wissen, nimmt in Deutschland die Anzahl von Pflegebedürftigen zu. Viele Angehörige kümmern sich im häuslichen Umfeld um ihre pflegebedürftigen Verwandten. Um Betroffene und pflegende Angehörige weiter zu entlasten, ist die Pflegestufe „0“ eingeführt worden. Menschen mit einer erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz, wie dies zum Beispiel bei vielen Demenzerkrankten der Fall ist, können ab diesem Zeitpunkt Leistungen der Pflegestufe „0“ erhalten. Die LVM als Versicherer unterstützt, indem sie die volljährigen, pflegebedürftigen Angehörigen schon ab Pflegestufe „0“ mitversichert. Darüber hinaus sind die Schäden durch Erwachsene, die infolge Demenz „deliktsunfähig“ sind, mitversichert. Dies bedeutet, wenn der Schädiger infolge von Demenz deliktsunfähig ist, haftet er zwar nicht für den verursachten Schaden – dies hilft Ihnen als Versicherungsnehmer jedoch wenig, wenn der Geschädigte z.B. ein netter Nachbar ist. Hier verzichtet die LVM auf den Haftungseinwand der Deliktsunfähigkeit bei demenzkranken Erwachsenen. Einen solchen Schutz empfehlen auch die Verbraucherverbände.

    In der landwirtschaftlichen Betriebshaftpflicht ist die Privat-Haftpflicht automatisch mitversichert. Meist leben mehrere Generationen auf dem landwirtschaftlichen Anwesen, daher besteht ein besonderer Versicherungsbedarf bezüglich der „mitversicherten Personen“. Bei der LVM sind neben den eben erwähnten Personen zusätzlich mitversichert:

    ◗◗ Der Altenteiler (sowohl wenn er auf dem Betriebsgrundstück lebt, als auch wenn dieser nicht mehr auf dem Betriebsgrundstück lebt)
    ◗◗ Die Hoferben
    ◗◗ Sämtliche Angehörige, die auf dem Betriebsgrundstück leben

    Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf die Ansprüche sämtlicher mitversicherter Personen untereinander, sofern keine häusliche Gemeinschaft besteht.

    ■ Jutta Hülsmeyer

     

     

     


Rauchmelder retten Leben - Brandschutz und Brandprävention (Inhalte 2/2015)

  • Die meisten Brandopfer (70 Prozent) verunglücken nachts in den eigenen vier Wänden. Gefährlich ist dabei nicht so sehr das Feuer, sondern der Rauch. 95 Prozent der Brandtoten sterben an den Folgen einer Rauchvergiftung! Rauchmelder haben sich als vorbeugender Brandschutz bewährt.

    Tagsüber kann ein Brandherd meist schnell entdeckt und gelöscht werden, nachts dagegen schläft auch der Geruchssinn, so dass die Opfer im Schlaf überrascht werden, ohne die gefährlichen Brandgase zu bemerken.

    Rund 400 Menschen sterben jährlich in Deutschland an Bränden, die Mehrheit davon in Privathaushalten. Ursache für die etwa 200.000 Brände im Jahr ist aber im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht nur Fahrlässigkeit. Sehr oft lösen technische Defekte Brände aus.

    Rauchmelder retten Leben – der laute Alarm des Rauchmelders (auch Rauchwarnmelder, Brandmelder oder Feuermelder genannt) warnt Sie auch im Schlaf rechtzeitig vor der Brandgefahr und verschafft Ihnen den nötigen Vorsprung, um sich und Ihre Familie in Sicherheit bringen zu können.

    Bitte beachten Sie, dass in Bremen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen Ende 2015 die Nachrüstpflicht für bestehende Wohnungen ausläuft!

    Weitere Informationen und den Überblick über die Nachrüstpflicht in den restlichen Bundesländern finden Sie auf www.rauchmelder-lebensretter.de.

    ■ Michael Kürten


Ergänzung zur Vollkasko - jetzt auch für landwirtschaftliche Zugmaschinen und Anhänger (Inhalte 2/2015)

  • Zusatzversicherung für Brems-, Betriebs- und reine Bruchschäden

    Gewerbliche Fahrzeuge sind wertvoll. Deshalb zahlen sich effizientes Flottenmanagement und das Absichern von Kostenrisiken aus. Besonders für Lkw, landwirtschaftliche Zugmaschinen und andere Nutzfahrzeuge empfiehlt sich als Ergänzung zur Vollkaskoversicherung unbedingt der Zusatzschutz gegen Brems-, Betriebs- und reine Bruchschäden. Der Grund: Die Vollkasko reguliert Unfallschäden. Das sind Schäden am Fahrzeug, die durch äußere mechanische Gewalteinwirkung wie zum Beispiel Kollision, Steinschlag und vieles mehr entstehen. Nicht abgedeckt sind somit Brems-, Betriebs- oder reine Bruchschäden, da hier keine Gewalt von außen einwirkt.

    Bei gewerblichen Nutzfahrzeugen sind solche Schäden jedoch keine Seltenheit. Dazu gehören zum Beispiel Schäden am Fahrzeug durch rutschende Ladung oder durch Abnutzung, Verwindungsschäden und Schäden aufgrund Bedienungsfehler oder Überbeanspruchung des Fahrzeugs.

    Versicherungsschutz wird im Rahmen der Zusatzversicherung für Brems-, Betriebs- und reine Bruchschäden also geboten für:

    ◗◗ Einknickschäden
    ◗◗ Implosionsschäden
    ◗◗ Schäden am Fahrzeug durch rutschende Ladung oder durch Abnutzung 
        (nicht versichert sind Schäden an der Ladung selbst)
    ◗◗ Verwindungsschäden
    ◗◗ reine Bruchschäden
    ◗◗ Bremsschäden
    ◗◗ Betriebsschäden

    Ein weiterer Vorteil:
    Obwohl diese Zusatzversicherung als Teil der Vollkaskoversicherung abgeschlossen wird, führen Brems-, Betriebs- und reine Bruchschäden nicht zur Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse der Vollkasko.

    ■ Jürgen Grevenbroich


Betriebliche Altersvorsorge: Auch für ältere Mitarbeiter noch lukrativ! (Inhalte 2/2015)

  • Um die zusätzliche Altersvorsorge zu stärken, fördert der Staat die betriebliche Altersversorgung durch Steuer- und Sozialabgabenfreiheit. Es muss jedoch jeder Arbeitnehmer für sich entscheiden, ob er diese Vorteile in Anspruch nehmen will. Ältere Arbeitnehmer gehen teilweise davon aus, dass sich eine betriebliche Altersvorsorge für sie persönlich gar nicht mehr lohnt. Tatsächlich ist jedoch häufig genau das Gegenteil der Fall: Gerade für sie kann die betriebliche Altersvorsorge ausgesprochen rentabel sein. Dies verdeutlicht das folgende Beispiel:

    In der Muster GmbH erhalten alle Mitarbeiter die Möglichkeit der Entgeltumwandlung zugunsten einer LVM-Direktversicherung. Berthold B., Vertrauensmann der örtlichen LVM-Versicherungsagentur, bietet hierzu jedem Mitarbeiter ein individuelles Beratungsgespräch an. Mitarbeiter Klaus S. (58) geht skeptisch in dieses Gespräch. Er denkt sich, dass sich die Entgeltumwandlung für die kurze Zeit, die ihm bis zur Rente verbleibt, bestimmt nicht mehr lohnt. Außerdem sind seine finanziellen Möglichkeiten bei einem Nettogehalt von 1.860 Euro (3.000 Euro Brutto, Steuerklasse I, 9 Prozent Kirchensteuer) beschränkt. Im Gespräch mit Herrn B. erklärt er, dass er auf maximal 80 Euro seines Nettogehalts verzichten könne. Da die Einzahlung in die Direktversicherung steuer- und sozialabgabenfrei erfolgt, wird aus diesen 80 Euro netto ein monatlicher Sparbetrag von 162,03 Euro:

    Bruttoaufwand monatlich 162,03 €
    ./. Steuerersparnis 48,85 €
    ./. Sozialabgabenersparnis 33,18
    Nettoaufwand monatlich 80,00 €

    Durch die steuerliche Förderung verdoppelt sich also der Sparbeitrag.

    Doch wie sieht es bei der Auszahlung aus?

    Herr S. geht 2023 im Alter von 66 Jahren in Rente. Aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält er eine monatliche Rente von 1.000 Euro. Bei der Direktversicherung wählt er anstelle der Rentenzahlung eine einmalige Kapitalzahlung. Da er diese Leistung versteuern muss und seine Einkünfte im Erwerbsleben höher als im Rentenbezug sind, verschiebt er die Auszahlung auf das Jahr nach dem Rentenbeginn. Die Leistung aus der LVM-Direktversicherung beträgt dann 16.609 Euro*. Direktversicherungsleistungen sind grundsätzlich steuerpflichtig und beitragspflichtig in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner. Die Beitragspflicht besteht jedoch erst ab einer gewissen Leistungshöhe. Die Bagatellgrenze, unterhalb derer keine Beiträge zu zahlen sind, liegt derzeit in den alten Bundesländern bei 17.010 Euro. Da Herr S. keine weiteren Versorgungsbezüge erhält, muss er keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf seine Direktversicherungsleistung zahlen. Nach Abzug von Steuern verbleibt ihm folgende Netto-Kapitalauszahlung:

    Kapitalauszahlung (brutto)* 16.609 €
    Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag 0 €
    Steuern** 4.440 €
    Kapitalauszahlung (netto) 12.169 €

    Stellt man dem Nettoaufwand in Höhe von 80 Euro monatlich die Netto-Kapitalauszahlung in Höhe von einmalig 12.169 Euro gegenüber, ergibt sich für diese Altersversorgung eine Rendite von 9,11 Prozent. Damit lohnt sich der Abschluss einer Direktversicherung für Herrn S. auf jeden Fall.

    Tipp: Durch einen Zuschuss zur Direktversicherung (zum Beispiel aus eingesparten Sozialversicherungsbeiträgen) können Sie als Arbeitgeber die Rendite für Ihre Mitarbeiter noch einmal deutlich erhöhen!

    ■ Monika Traphagen

    *Unverbindliche Gesamtleistung (inklusive Gewinnbeteiligung) bei Annahme einer jährlichen Verzinsung von 3,25 Prozent.
    **Berechnung anhand der Steuer-Grundtabelle 2015 unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rente von 1.000 Euro und der steuerlichen Pauschbeträge.


Bundesfinanzhof entscheidet zum Arbeitszimmer im Keller eines Pensionärs (Inhalte 2/2015)

  • Der Bundesfinanzhof (BFH) hat sich in einem aktuellen Urteil mit der Anerkennung eines im Keller gelegenen häuslichen Arbeitszimmers eines Pensionärs beschäftigt sowie mit der Berechnung der auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten.

    Ein Pensionär war als selbstständiger Gutachter tätig. Neben seinen Versorgungsbezügen sowie den Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit erzielte er noch Einkünfte aus der Vermietung einer Eigentumswohnung sowie aus Kapitalvermögen. Für seine Gutachtertätigkeit nutzte er ein Arbeitszimmer im Keller seines privaten Einfamilienhauses. Das Arbeitszimmer verfügte über zwei Fenster, war mit Büromöbeln ausgestattet und an das Heizungssystem des Hauses angeschlossen. Der Pensionär machte anteilig zur Wohnfläche die auf das Arbeitszimmer entfallenden Betriebsausgaben geltend. Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen nur in Höhe von 1.250 Euro an, da das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit gebildet habe.

    Gesamtbetrachtung führte zur Anerkennung

    Der BFH stellte im Urteil vom 11.11.2014 (Az. VIII R 3/12) klar, dass auch einen Kellerraum, soweit er – wie im Urteilsfall – in die häusliche Sphäre eingebunden ist, als häusliches Arbeitszimmer anerkannt wird. Auch bildete das „Keller-Arbeitszimmer“ hier den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit. Dabei bezog der BFH die Versorgungsbezüge nicht in die vorzunehmende Gesamtbetrachtung ein.

    Denn es sind nur solche Einkünfte zu berücksichtigen, die grundsätzlich ein Tätigwerden des Steuerpflichtigen im Veranlagungszeitraum erfordern; das ist bei Versorgungsbezügen nicht der Fall. Den weiteren Einkünften des Pensionärs kam verglichen mit der Gutachtertätigkeit kein nennenswertes qualitatives Gewicht zu, sodass auch diese im Urteilsfall außer Acht gelassen werden konnten.

    Flächenschlüssel für die auf das Arbeitszimmer entfallenden Gebäudekosten

    Der BFH äußerte sich in dem Urteil auch zur Ermittlung der Höhe der abziehbaren Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer. Die darauf anteilig entfallenden Betriebsausgaben sind nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zu der Wohnfläche der Wohnung zu ermitteln. Was zur Wohnfläche der Wohnung gehört, war im Urteilsfall nach der Wohnflächenverordnung zu ermitteln. Nicht zur Wohnfläche gehören danach die Grundflächen von Zubehörräumen, insbesondere u.a. Kellerräumen. Dient ein Raum allerdings unmittelbar seiner Funktion nach dem Wohnen und ist er nach seiner baulichen Beschaffenheit (zum Beispiel Vorhandensein von Fenstern), Lage (unmittelbare Verbindung zu den übrigen Wohnräumen) und Ausstattung (Wand- und Bodenbelag, Beheizbarkeit, Einrichtung) dem Standard eines Wohnraums vergleichbar, so ist die Lage im Keller nicht von Bedeutung. Die Gesamtwohnfläche, bestehend aus Erdgeschoss und „Keller-Arbeitszimmer“ war damit ins Verhältnis zur Fläche des Arbeitszimmers selbst zu setzen; die übrigen Zubehörräume im Kellergeschoss durften nicht in die Berechnung einbezogen werden.

    25. Februar 2015 | Bundesfinanzhof (BFH / STB Web)


Bundesgerichtshof zum Hinweis auf die bevorstehende Mitteilung von Schuldnerdaten an die Schufa in Mahnschreiben (Inhalte 2/2015)

  • Gläubiger dürfen nicht jeden Verzug gleich an die Schufa weitergeben. Grundlage für die Weitergabe ist das Bundesdatenschutzgesetz (§ 28a BDSG). Der Betroffene muss danach mindestens zweimal schriftlich gemahnt worden sein. Zwischen der ersten Mahnung und der Übermittlung an die Schufa müssen mindestens vier Wochen liegen. Zusätzlich muss der Gläubiger rechtzeitig vor Weitergabe der Daten den Schuldner unterrichten.

    Besteht Streit über die Forderung, darf der Gläubiger keine Daten weitergeben, egal, ob er der Ansicht ist, die Forderung bestehe zu Recht oder nicht. Die Regelung gilt für Unternehmen und Privatpersonen. Unternehmen dürfen säumigen Schuldnern auch nicht einfach damit drohen, sie bei der Schufa zu melden. Damit werden Verbraucher auf unfaire Weise unter Druck gesetzt. Laut Bundesgerichtshof sind solche Hinweise in der Mahnung nicht zulässig (BGH, Urteil vom 19. März 2015, Az. I ZR 157/13).

    Urteil vom 19. März 2015 - I ZR 157/13 - Schufa-Hinweis 7. April 2015 Finanztipp/Dr. Schön


Zuwanderung - das Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel? (Inhalte 1/2015)

  • Der Großteil der Babyboomer-Generation der 1950er und 1960er Jahre geht bald in Rente. Jeder dritte Arbeitnehmer, der bereits jetzt in einem sogenannten Engpassberuf tätig ist, muss in den kommenden 15 Jahren ersetzt werden. Das sind zwei Millionen Arbeitsplätze. Gegenwärtig ist eine Diskussion über die Frage nach einem Einwanderungsgesetz entbrannt. Ist das die Lösung? Eine Steuerung der Zuwanderung nach Bedarf?


    Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat berechnet, dass derzeit 6,7 Millionen Beschäftigte von 23,9 Millionen Fachkräften in Engpassberufen arbeiten. Rein rechnerisch reicht die Zahl der Arbeitslosen nicht aus, um alle offenen Stellen zu besetzen. Das betrifft ganz konkret 139 Berufe. Sehr angespannt ist die Situation in der Gesundheits- und Krankenpflege: Rund 30 Prozent, 175.000 der Beschäftigten, sind 50 Jahre oder älter. Der steigende Bedarf aufgrund der Zunahme des Alters in der Bevölkerung ist allerdings noch nicht berücksichtigt.


    Erschwerend für die Besetzung von Arbeitsplätzen in naher Zukunft kommt hinzu, dass uns aufgrund des zunehmenden Alters und der niedrigen Geburtenrate immer weniger Arbeitnehmer im Erwerbsalter zur Verfügung stehen. Nach Abschluss des Mikrozensus 2011 musste die Bevölkerungszahl um 1,5 Millionen auf 80,3 Millionen Einwohner korrigiert werden. Die Statistiker prognostizieren bis 2060 einen Bevölkerungsrückgang auf ca. 70 Millionen Menschen.


    Um unseren Wohlstand und die Funktionstüchtigkeit unseres Sozialstaats zukunftsfest zu machen, wird die wachsende Fachkräftelücke neben der Anpassung der sozialen Sicherungssysteme eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre sein. Denn jedes Jahr kommen zwar über eine Million Einwanderer hinzu, aber verrechnet man die Abwanderung bleiben netto lediglich 400.000 von ihnen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund müssen wir grundsätzlich die Frage stellen, wie wir diese Aufgabe meistern wollen. Die Politik sollte sich hierbei auf drei wesentliche Bereiche konzentrieren:


    1. Bestehende Potenziale heben und Arbeitnehmer unterstützen
    Von Langzeitarbeitslosen, Müttern, älteren Arbeitnehmern sowie Berufsanfängern müssen die vorhandenen Potenziale genutzt werden und neben der Qualifizierung auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf konsequent weiterentwickelt werden. In den letzten Jahren hat sich hier bereits viel getan: Vom Ausbau der Kinderbetreuung, der Einführung des Elterngeldes oder des Bildungs- und Teilhabepakets sowie Initiativen zur Reduzierung der Schul- und Ausbildungsabbrecherquote, zum „Lebenslangen Lernen“ oder der „Initiative 50plus“, die gezielt die Beschäftigungschancen Älterer unterstützt. Aber auch das Gesetz für die Verbesserung der Anerkennung im Ausland erworbener Berufsausbildungsabschlüsse erleichtert vielen Arbeitnehmern den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt und trägt dazu bei, die Möglichkeiten von europäischen Hochschulabsolventen im Zuge des Bologna Prozesses zu verbessern.


    2. Zuwanderung aus EU-Mitgliedstaaten
    Über 60 Prozent der gegenwärtigen Zuwanderung kommt aus EU-Mitgliedstaaten. Nach der letzten großen EUOsterweiterung 2004 erhielten zum 1. Mai 2011 acht EU-Mitgliedstaaten (Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen) die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit. Seit dem 1. Januar 2014 gilt diese auch für die Menschen aus Rumänien und Bulgarien. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die für die GIPS-Staaten (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien) steigende Arbeitslosenzahlen nach sich zogen, machten sich durch einen verstärkten Zuzug von Menschen nach Deutschland bemerkbar, die bereits in anderen Ländern gelebt haben. Ihr Anteil an den Zuwanderern von 2000 bis 2007 betrug rund 20 Prozent und verdoppelte sich von 2008 bis 2013 auf etwa 40 Prozent. Aufgrund der EU-weiten Arbeitnehmerfreizügigkeit ist hier eine Steuerung der Zuwanderung über nationalstaatliche Regelungen nicht möglich.


    3. Zuwanderung aus Drittstaaten
    Das geltende Recht ist besser als sein Ruf: In den vergangenen Jahren wurden moderne und schlanke Regelungen eingeführt, die die Zuwanderung bedarfsgerecht steuern und international bereits von der OECD positiv zur Kenntnis genommen wurden. So gewinnt Deutschland mit der „EU Blue Card“ ein Vielfaches an Hochqualifizierten im Vergleich zu den Vorjahren. Außerdem wurde der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Mangelberufen weitgehend geöffnet. Bei der gegenwärtigen Diskussion über ein mögliches Einwanderungsgesetz sollte man darüber hinaus nicht außer Acht lassen, dass der Anteil der Zuwanderung aus Drittstaaten bei lediglich fünf Prozent liegt. Selbstverständlich muss Politik handeln, wenn es der Arbeitsmarkt aufgrund von wandelnden Rahmenbedingungen verlangt. Die bestehenden Regelungen müssen daher nicht nur weiterentwickelt, sondern auch besser und effektiver genutzt werden – beispielsweise über eine Herabsenkung der Gehaltsgrenzen für Hochqualifizierte mit EU Blue Card oder eine bessere Unterstützung der Arbeitsagenturen und der Wirtschaft insbesondere in den neuen Bundesländern, damit sich diese gezielter und stärker um ausländische Bewerber bemühen.


    Kanada als Vorbild?
    Als Vorbild für ein Einwanderungsgesetz wird immer wieder das kanadische Modell genannt, das Aufenthaltsbewerbern Punkte u.a. für Berufsqualifikation, Sprachkenntnisse und Alter zuteilt. Die Kriterien werden immer wieder angepasst. Als ideales Alter gelten 20 bis 29 Jahre. Keine Chance hat zum Beispiel jemand, der ernste finanzielle oder gesundheitliche Probleme hat. In Kanada gilt aber schon länger kein reines Punktesystem mehr. So ist ein Jobangebot vor Ort das wichtigste Kriterium. Denn niemand kann sicherstellen, dass gut qualifizierte Menschen ohne Arbeitsplatz im Einwanderungsland auch wirklich einen Job finden. Zudem besteht die Gefahr, dass Arbeitgeber versucht sein könnten, vor allem weniger oder vergleichbar qualifizierte ausländische Arbeitnehmer schlechter zu bezahlen als deutsche, wenn beispielsweise Regelungen zur gleichen Bezahlung (Equal Pay) für Zuwanderer keinen Bestand haben.


    Fachkräfte werden bei uns vor allem auch im ländlichen Raum benötigt. Einwanderer zieht es aber eher in die großen Städte. Sollte man über ein reines Punktesystem die Zuwanderung steuern, könnte es auch schwieriger werden, ausländische Arbeitskräfte dorthin zu lenken, wo sie wirklich gebraucht werden.

    von Franz-Josef Holzenkamp (MdB)


Videotelefonie im Beratungsgespräch (Inhalte 1/2015)

  • Von den Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation von morgen, die schon heute jeder nutzen kann

    Telefonieren über große Entfernungen und dennoch seinem Gegenüber von Angesicht zu Angesicht in die Augen schauen, Gestik und Mimik nutzen können sowie dem Gespräch durch non-verbale Kommunikation eine ganz persönliche Note geben: Das waren von Beginn an die Visionen, die man mit dem Telefon verband, seit Alexander Graham Bell im späten 19. Jahrhundert den Fernsprecher zur Marktreife gebracht hatte. Verschiedene Autoren, nicht selten aus dem Science-Fiction-Bereich, nahmen die Ideen auf und entwickelten immer ausgefeiltere Varianten der Videotelefonie. Doch schließlich brachte nicht das Telefon selbst den Durchbruch, sondern das Internet.


    Viele Errungenschaften des so genannten Web 2.0 sind für uns heute Alltag und auch die Videotelefonie ist letztlich nur die logische Konsequenz des Zusammenspiels unterschiedlicher Standardwerkzeuge. Aber anders als das Telefon zu seinen Pionierzeiten gibt es die Videotelefonie heute sogar kostenlos, wenn man mal von den Gebühren einer normalen Internetverbindung absieht. Der bekannteste Anbieter heißt Skype und gehört mittlerweile zum Microsoft Konzern. Die Software ist frei im Internet verfügbar und kann größtenteils kostenlos genutzt werden. Nutzer müssen hierfür ein Konto erstellen, bei dem der Benutzername eindeutig ist und ähnlich einer Telefonnummer verwendet wird. Kontoinhaber können Listen mit ihren Bekannten erstellen und haben dann die Möglichkeit zu sehen, ob diese ebenfalls online sind. Daraufhin kann eine Videotelefonie-Verbindung von einem zum anderen Konto hergestellt werden. Das Programm kann über Desktop-PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones genutzt werden. Neben Skype gibt es diverse weitere Anbieter mit ähnlichen Angeboten im Markt, darunter auch Open-Source-Lösungen.


    Der geschäftliche Nutzen

    Zwangsläufig drängt sich die Frage auf, ob und wie sich diese neue Form der Kommunikation auch im geschäftlichen Alltag nutzen lässt. Verschiedene Branchen haben eine Vorreiterrolle übernommen, insbesondere diejenigen, in denen längere Beratungsgespräche im Vordergrund stehen. So beispielsweise Versicherungen und Krankenkassen, Call Center-Dienstleister, Marktforscher und sogar Scheidungsanwälte. Die Vorteile liegen hier auf der Hand: Weder Kunde noch Gesprächspartner müssen eine Anreise und die damit verbundenen Aufwände (zeitlich und monetär) in Kauf nehmen. Trotzdem kann eine sehr persönliche Gesprächsatmosphäre entstehen, da man die Körpersprache des Gegenübers unmittelbar zu Gesicht bekommt. Darüber hinaus können Dokumente, wie Anträge oder Prospekte, online ausgetauscht werden, so dass beide Seiten über den gleichen Informationsstand verfügen. Allerdings ist festzustellen, dass die Resonanz der Kunden auf derartige Angebote bisher eher bescheiden ausfällt. Der Grund ist aber weniger in der Technik als vielmehr in ihrer bisher nicht allzu großen Verbreitung zu suchen. Videotelefonie ist nicht kompliziert, aber mit Kamera, dem passenden Programm etc. doch aufwendiger als ein normales Telefonat. Daher nutzen heute vor allem jüngere oder technikaffine Kunden den Service der Videotelefonie. Im Umkehrschluss lässt sich genau diese Zielgruppe sehr gut über das Medium adressieren, vom Imagegewinn als Anbieter eines hochmodernen Kommunikationsmediums ganz abgesehen.


    Steigendes Interesse

    Aktuell werden mehr und mehr Unternehmen auf die Vorteile der Videotelefonie aufmerksam. Und auch wissenschaftlich wird das Thema ergründet. In einer Bachelorstudie wurden Ende 2014 erstmals die Vor- und Nachteile von „Videoberatung in der Versicherungsbranche“ aus Kunden- und Vermittlersicht empirisch erhoben und analysiert. Das Fazit der Akademiker: Versicherungsvermittler sollten sich besser heute als morgen mit der Videoberatung auseinander setzen, um den Anschluss in Sachen digitale Transparenz und Effizienz nicht zu verpassen. Es ist davon auszugehen, dass andere Branchen nachziehen werden.

    ■ Dennis Cosfeld-Wegener


Nachfolgemanagement (Inhalte 1/2015)

  • Ein notwendiger Prozess in mittelständischen Unternehmen

    In Zeiten des demografischen Wandels und damit einhergehend einem „War for Talents“ ist die systematische Sicherung von qualifiziertem (Führungs-) Nachwuchs eine notwendige Voraussetzung für Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade bei mittelständischen Unternehmen kann eine nicht rechtzeitige Nachbesetzung oder eine Nachbesetzung mit ungeeigneten Kandidatinnen und Kandidaten die Existenz gefährden. Um trotz des Fachkräftemangels sowohl planbare als auch plötzliche Vakanzen optimal besetzen zu können, benötigen Unternehmen ein systematisches Nachfolgemanagement. Dieses ermöglicht, frühzeitig geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Schlüsselpositionen zu identifizieren, sie auf diese Positionen hin zu entwickeln und anhand eines standardisierten Auswahlverfahrens die geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für die Positionen auszuwählen.


    Das Nachfolgemanagement beginnt mit einer Bedarfsplanung, mit der Schlüsselpositionen identifiziert werden. Gemeinhin handelt es sich dabei um jene Positionen, deren Inhaber/innen einen starken Einfluss auf die Umsetzung der Unternehmensstrategie haben. Insgesamt sind die Kriterien für Schüsselpositionen sehr umfassend. Beispielhaft seien hier die Tragweite von Entscheidungen der Stelleninhaberin/des Stelleninhabers und damit verbundene Risiken falscher Entscheidungen sowie die kurzfristige Behinderung des Geschäfts bei Nicht- oder Fehlbesetzung genannt. Wenn diese Positionen herausgefiltert sind, muss ermittelt werden, wann die aktuellen Stelleninhaber/innen altersbedingt oder aufgrund von Fluktuation, soweit schon einschätzbar, das Unternehmen verlassen.


    Anschließend wird ein unternehmensspezifisches Kompetenzmodell entwickelt, welches die Grundlage für die Auswahl der Kandidaten (m/w) bildet. Dazu kann anhand von Interviews oder Workshops mit den Führungskräften und Mitarbeitenden des Unternehmens den folgenden Fragen nachgegangen werden:


    Was bedeutet Leistung für uns?
    Woran machen wir Leistungsträger/innen fest?
    Wie definieren wir Potenzial?
    Und welche Eigenschaften und Verhaltensweisen
    weisen Potenzialträger/innen auf?


    Aus den Antworten auf diese Fragen können dann die für das Unternehmen spezifischen Kompetenzen und Potenzialindikatoren abgeleitet werden. Potenzial ist deshalb relevant, weil es bei der Besetzung von Schlüsselpositionen nicht nur um die Kompetenzen geht, die die Kandidatin/der Kandidat in der aktuellen Position gezeigt hat, sondern vor allem darum, ob Potenzial für die neue Position vorhanden ist.


    Im nächsten Schritt erfolgt die Bildung eines sog. Talent-Pools, aus dem die Kandidaten für die im ersten Schritt identifizierten Schlüsselpositionen rekrutiert werden. Potentielle Kandidaten werden von ihren Führungskräften für die Aufnahme in den Pool vorgeschlagen. Die Führungskräfte führen dazu auf Basis des Kompetenzmodells eine Leistungsbeurteilung und Potenzialeinschätzung aller Mitarbeitenden durch und melden ihre Kandidaten an die Personalabteilung. Ob diese Kandidaten in den Pool aufgenommen werden, kann in von der Personalabteilung moderierten Talent-Konferenzen mit allen Führungskräften diskutiert werden. So werden mehrere Beurteilende in den Auswahlprozess integriert, wodurch die „Objektivität“ erhöht werden kann. Sollten intern keine geeigneten Kandidaten für die Schlüsselpositionen zur Verfügung stehen, wird extern rekrutiert.


    Stehen die Kandidaten fest, werden sie über die Aufnahme in den Talent-Pool informiert und anhand von Personalentwicklungsmaßnahmen für die Zielposition weiterentwickelt. Welche Maßnahmen die richtigen sind, hängt von der Position und den Kompetenzen der Mitarbeiterin/des Mitarbeiters ab. Es kommen also prinzipiell die bekannten Personalentwicklungsmaßnahmen, wie Trainings, Coaching, Mentoring u.a. infrage.


    Nach der Entwicklungsphase ist die richtige Platzierung der Kandidaten ein entscheidendes Moment. Bei einer ausbleibenden oder falschen Platzierung droht bei diesen „High Potentials“ die Gefahr, dass sie das Unternehmen verlassen und sich in einem anderen Unternehmen eine Perspektive suchen.


    Zentral ist eine regelmäßig durchzuführende Erfolgskontrolle. Dazu können Kennzahlen wie Nachfolgekandidaten pro Position, Beförderung von Talenten im Vergleich zu „Nicht-Talenten“ und Leistungsbeurteilungen der Talente auf der neuen Position herangezogen werden.


    Wie bei großen Projekten üblich, bietet sich auch beim Nachfolgemanagement eine Pilotphase an, um die Machbarkeit der einzelnen Schritte zu überprüfen und ggf. nachzubessern, bevor es im gesamten Unternehmen implementiert wird. Inwiefern ein Nachfolgemanagement in der beschriebenen Form umsetzbar ist und ob es Akzeptanz bei Führungskräften und Mitarbeitenden findet, hängt stark von der Unternehmenskultur ab. Daher sollten die einzelnen Schritte und Kommunikationswege an die jeweilige Kultur angepasst werden. Je nach Kultur und Unternehmensgröße werden bspw. in Ergänzung zu den oder als Ersatz der Talent Konferenzen Assessment-Center mit den Kandidaten durchgeführt, bevor sie in den Pool aufgenommen werden.


    Ein systematisches Nachfolgemanagement folgt also den Schritten Identifikation, Entwicklung und Platzierung von Talenten mit dem Ziel, Schlüsselpositionen optimal zu besetzen. Die Vorteile des Nachfolgemanagements stellen sich nicht nur aufseiten des Unternehmens ein, sondern bieten sich auch für jede/n Mitarbeitende/n. Die Führungskräfte sind durch ein solches Vorgehen dazu angehalten, im Rahmen der Leistungsbeurteilung und Potenzialeinschätzung jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter in den Blick zu nehmen und ihnen Feedback zu ihrer Arbeit zu geben. Die Beurteilung anhand der im Kompetenzmodell definierten Kriterien mindert Aspekte wie Sympathie und den Einfluss von Stereotypen auf die Leistungsbeurteilung. Da die Beurteilung von Leistung sowie die Einschätzung und das Erkennen von Potenzial eine große Herausforderung darstellen, da sie eben durch Sympathie oder stereotype Vorstellungen, oft auch unbewusst, beeinflusst werden, sollten alle Führungskräfte darin geschult werden.

    ■ Dr. Patricia Heufers


Vom hohen Wert der Arbeitskraft (Inhalte 1/2015)

  • Jeder vierte Deutsche wird laut Statistiken einmal in seinem Leben berufsunfähig. Nicht nur Angestellte und Arbeiter, sondern auch und gerade Selbstständige sehen sich in einer solchen Situation mit finanziellen Problemen konfrontiert, die sie in ihrer Existenz bedrohen. Die meisten Selbstständigen sind schließlich nicht gesetzlich versichert.


    Allein: Selbst eine Rente, wie sie der Staat im Fall einer Erwerbsminderung zahlt, würde den Verlust der Arbeitskraft finanziell nicht wettmachen. Die volle Erwerbsminderungsrente nämlich beträgt nur rund 38 Prozent des letzten Bruttoeinkommens – und wird obendrein erst dann fällig, wenn der Betroffene keine drei Stunden mehr pro Tag arbeiten kann; egal, in welchem Beruf. Ist er noch fit genug, um drei bis sechs Stunden täglich tätig zu sein, erhält er sogar nur circa 18 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Von mehr als einer Grundabsicherung also kann keine Rede sein – zumal der Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente noch dazu an strenge Regeln gekoppelt ist.


    Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich insbesondere für Selbstständige, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem Umfang der gewünschten Berufsunfähigkeitsrente, dem ausgeübten Beruf, dem Alter und dem Gesundheitszustand. Am besten sind die beraten, die sich frühzeitig absichern. Denn je jünger der Antragsteller, desto besser ist in der Regel sein Gesundheitszustand – und desto niedriger das Risiko von Ausschlüssen bestimmter Krankheitsbilder oder von Risikozuschlägen. Deswegen bieten beispielsweise viele Versicherer – darunter auch die LVM Versicherung – inzwischen Schülern, Auszubildenden und Studenten gezielt eine Berufsunfähigkeitsvorsorge an.


    Auch die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung sind eher überschaubar. Wenn überhaupt ein Anspruch auf Leistungen von staatlicher Seite besteht. Denn das ist nur bei Wege- oder Arbeitsunfällen gegeben. Gemäß einer Statistik des Robert Koch Instituts sind acht Prozent aller Deutschen jährlich in einen Unfall verwickelt – der jedoch in zwei von drei Fällen in der Freizeit passiert.


    Zur umfassenden Absicherung der Arbeitskraft dient also neben der privaten Berufsunfähigkeits- eine private Unfallversicherung. Im Fall der Fälle helfen gute Versicherer dem Betroffenen mit einem Reha-Management. Bei der LVM Versicherung beispielsweise kümmert sich ein Unfall-Manager um die bestmögliche Behandlung und Anschlusstherapie. Durch eine solche Rehabilitation kann das Unfallopfer eine Berufsunfähigkeit häufig vermeiden. Bei schweren Unfallfolgen ist gegebenenfalls dennoch eine Umschulung notwendig. Der Unfall-Manager hilft dann bei der beruflichen Neuorientierung, um dem Versicherten eine Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen.


    Sind nach einem Unfall behindertengerechte Umbauten notwendig, können die Kosten schnell sechsstellige Summen erreichen. Damit die Betroffenen hier schnell Unterstützung erhalten, bietet die LVM Versicherung zum Beispiel eine Umbau-Sofort-Hilfe in Höhe von bis zu 50.000 Euro an. Mit der kann der Versicherte Maßnahmen an Haus, Wohnung oder Auto finanzieren.


    Und so greifen Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung letztlich ineinander: Die eine hilft, wenn möglich, bei der Wiederherstellung der Arbeitskraft, einer Umschulung und gibt situativ eine Finanzspritze auch in Millionen-Höhe – die andere dient der kontinuierlichen finanziellen Absicherung, indem sie dem Berufsunfähigen Monat für Monat eine Rente zahlt und damit sein Auskommen garantiert. Ein Muss insbesondere für Selbstständige, die das Risiko des Arbeitskraftverlusts alleine schultern.


    TIPP: Gerade Gesellschafter-Geschäftsführer und leitende Angestellte mit höheren Einkommen haben bei Invalidität eine hohe Versorgungslücke. Besonders vorteilhaft lässt sich diese Lücke – neben der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung – im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung unter Ausnutzung von steuerlicher Förderung schließen.

    ■ Katharina Fiegl


Krankenkasse hkk hervorragend aufgestellt (Inhalte 1/2015)

  • Bereits in der letzten Ausgabe (IV/2014) haben wir über das zum 1. Januar 2015 in Kraft getretene „Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der gesetzlichen Krankenversicherung“ berichtet. Wie hoch ihr kassenabhängiger Zusatzbeitrag jeweils ausfällt, haben die meisten Krankenkassen leider erst sehr spät zum Jahresende hin bekannt gegeben. Die Zurückhaltung ist verständlich – nur sehr wenige Krankenkassen haben ihren Zusatzbeitrag so niedrig angesetzt, dass ihre Mitglieder im Vergleich zu 2014 nennenswert Beitrag sparen.


    Beitrag runter – Leistung rauf

    Mit einem Beitragssatz von 15,0 Prozent (davon 0,4 Prozent Zusatzbeitrag) ist der LVM-Kooperationspartner, die Krankenkasse hkk, nach aktuellem Stand die günstigste deutschlandweit wählbare Krankenkasse. Im Vergleich zum Krankenkassen-Durchschnitt sparen dort Versicherte – je nach persönlichem Einkommen – zwischen 60 und 247 Euro pro Jahr. Gleichzeitig bietet die hkk seit Jahresanfang Extra-Leistungen im Wert von mehr als 1.000 Euro und ein Bonus-Programm von bis zu 250 Euro. Mehr dazu finden Sie unter www.hkk.de.


    Gute Gründe sprechen also für einen Wechsel zur hkk!

    Zu den Extraleistungen informieren auch die deutschlandweit etwa 2.200 LVM-Versicherungsagenturen, denn sie sind gleichzeitig hkk-Servicepunkte. Wer möchte, kann sich dort persönlich über die Möglichkeiten des Kassenwechsels beraten lassen oder gleich eine hkk-Mitgliedschaft beantragen.


    Beitragsersparnis sinnvoll re-investieren!

    Wer zur hkk wechselt, kann mit der Beitragsersparnis besonders günstig ergänzenden privaten Zusatzschutz finanzieren, so zum Beispiel umfassende Leistungen für die Zähne oder aber für den Pflegefall vorsorgen – und damit sein Vermögen sichern, um es später seinen Kindern zu vererben. Das Beste zum Schluss: hkk-Versicherte erhalten den privaten LVM-Krankenzusatzschutz zu Sonderkonditionen.


    Das hkk-Plus bei Leistungen und Service:

    hkk Extra-Leistungen
    Umfassende Extras bei Naturmedizin (z. B. Osteopathie), Vorsorge (z. B. Reiseschutzimpfungen, zusätzliche Untersuchungen) sowie rund um Geburt und Schwangerschaft (z. B. Hebammen-Rufbereitschaft)


    hkk Arzttermin-Service
    Schneller und komfortabler zum Facharzttermin durch den hkk Arzttermin-Service per Telefon oder Internet.


    hkk med – medizinische Beratungshotline
    Kostenlose Beratung an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr.


    hkk bonusaktiv – gesund leben und sparen
    Schon für wenige Gesundheitsaktivitäten zahlt die hkk bis zu 150 Euro in bar oder bis zu 250 Euro für weitere Gesundheitsleistungen.


    Elektronische Patientenquittung
    So erfahren Patienten, wie viel ihr Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt gekostet hat.


    Die hkk-Internet-Filiale
    Mit Ansprechpartnern rund um die Uhr und Online-Angeboten wie z. B. Ernährungsberatung.

    ■ Norbert Schulenkorf


Blindgängerschäden (Inhalte 1/2015)

  • In Deutschland stellen Blindgänger auch 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs ein großes Problem dar. Besonders in den Ballungsräumen und über Industrieflächen wurden große Mengen Fliegerbomben abgeworfen. Aus unterschiedlichsten Gründen haben davon viele nicht gezündet. Schätzungen liegen meist zwischen 10 und 20 Prozent beziehungsweise bei 100.000 Stück.


    Jedes Jahr gibt es 1-2 Selbstentzündungen. Daher wird zum Beispiel anhand historischer Luftbilder nach Minen und Bomben gesucht. Die meisten Blindgänger werden allerdings bei Baumaßnahmen entdeckt. Jedes Jahr werden über 5.000 Blindgänger entschärft.


    Was passiert, wenn es zu einer Selbstentzündung kommt oder die Munition während der Entschärfung explodiert?

    Die Versicherungsbedingungen fast aller Sachversicherungen kennen den sogenannten „Kriegsausschluss“. Trotzdem greift auch bei der Detonation von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg der Versicherungsschutz. Dass ein Blindgänger aus dem Krieg stammt kann ein Versicherer nicht als Ausschlussgrund geltend machen. Auch wenn die Bombe im Krieg abgeworfen wurde, liegt Jahrzehnte später kein Krieg mehr vor. Die Explosion eines Blindgängers ist auch kein kriegsähnliches Ereignis.


    Immer mehr Versicherer gehen deshalb dazu über, Blindgängerschäden als versicherten Tatbestand zu nennen, um Klarheit zu schaffen.

    ■ Michael Kürten


Bürgschaftsversicherung - wofür? (Inhalte 1/2015)

  • Viele Unternehmer haben in ihrem Geschäftsleben mit dem Thema zu tun. Insbesondere Firmen des Bauhaupt- und Baunebengewerbes kennen die Problematik. Bürgschaften sind oft Voraussetzung, um einen entsprechenden Auftrag zu erhalten. Dies bedeutet häufig: „Ohne Bürgschaft kein Auftrag!“ Neben dem Baugewerbe benötigen auch Unternehmen aus anderen Branchen Bürgschaften – insbesondere dann, wenn es um Aufträge von öffentlichen Auftraggebern geht.


    So sieht der Alltag aus

    Als Unternehmer unterliegen Sie für Ihre ausgeführten Arbeiten und Tätigkeiten einer Gewährleistungshaftung. Ihr Auftraggeber möchte sicher sein, dass der Auftrag so ausgeführt wird wie vereinbart. Mögliche Gewährleistungsansprüche sollen auch später noch befriedigt werden können. Oft behält daher der Auftraggeber 5 oder 10 Prozent der Auftragssumme bzw. der Schlussrechnung als Sicherheit ein. Dieses wird auch als Sicherheitseinbehalt bezeichnet. Das Geld steht Ihnen in der Regel 5 Jahre nicht zur Verfügung. Alternativ können Sie Ihrem Auftraggeber eine Gewährleistungsbürgschaft zur Sicherstellung der vertraglichen Verpflichtungen bieten. Somit entfällt der Sicherheitseinbehalt und Sie erhalten die volle Auftragssumme.


    Wichtig zu wissen!

    Oft wird die Bürgschaft von einer Bank ausgestellt. Die Bank rechnet den Betrag aber zu 100 Prozent der Kreditlinie an. Somit reduzieren die Bürgschaften den finanziellen Spielraum des Unternehmers (Auftragnehmers). Dieses Vorgehen ist gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ein Grund, die Bürgschaft nicht bei einer Bank, sondern bei einem Versicherer ausstellen zu lassen. Bei den Auftraggebern sind beide Bürgschaften (Bankbürgschaft und Versicherungsbürgschaft) anerkannt.


    Übrigens: Die Standardbürgschaft ist die Gewährleistungsbürgschaft, auch Mängelansprüchebürgschaft genannt. Es gibt noch einige andere Bürgschaftsarten wie zum Beispiel Ausführungsbürgschaft, Vertragserfüllungsbürgschaft oder Vorauszahlungsbürgschaft.


    Tipp:

    Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versicherer nach einer Bürgschaft. Auch die LVM kann Ihnen verschiedene Bürgschaften zu günstigen Konditionen vermitteln.

    AUF EINEN BLICK

    Die Vorteile einer Versicherungsbürgschaft:

    ◗ Verschafft dem Unternehmer Liquidität
    ◗ Günstige Konditionen
    ◗ Einfache Beantragung
    ◗ Verwaltungsarmes Produkt

    Was wird für eine Angebotsabgabe benötigt:

    ◗ Unternehmensart
    ◗ Welche Art der Bürgschaft wird gewünscht?
    ◗ Höchstbetrag je Bürgschaft?
    ◗ Dauerhafter Bedarf oder einmaliger Bedarf?

    ■ Jutta Hülsmeyer


Gesetzlicher Mindestlohn und Entgeltumwandlung (Inhalte 1/2015)

  • Gesetzlicher Mindestlohn

    Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland durch das Mindestlohngesetz (MiLoG) einen verbindlichen flächendeckenden Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Vereinbarungen, die den Mindestlohn unterschreiten, sind unwirksam.


    In der Gesetzesbegründung wird aber klargestellt, dass eine Vereinbarung zur Entgeltumwandlung nach dem Betriebsrentengesetz nicht zu einer Unterschreitung oder Beschränkung des Mindestlohnanspruchs führt. Das Mindestentgelt kann also ohne Gesetzesverstoß durch eine Entgeltumwandlung unter 8,50 Euro brutto fallen. Anders sieht die Lage bei tarifvertraglich geregelten Mindestlöhnen aus, die für allgemeinverbindlich erklärt worden sind. Der Mindestlohn kann hier nur unterschritten werden, wenn eine entsprechende Öffnungsklausel zur Entgeltumwandlung im Tarifvertrag vorhanden ist.


    Entgeltumwandlung

    Durch eine Entgeltumwandlung kommt die Vergütungserhöhung auf Mindestlohnniveau ohne Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen in voller Höhe beim Mitarbeiter an und trägt dort zur Altersversorgung bei.


    Auch für den Arbeitgeber entsteht so der geringste Aufwand, da der Mehrbetrag auch für ihn nicht mit Sozialabgaben belastet wird.


    Ein Vollzeitgehalt in Höhe von 1.200 Euro (brutto) lässt vermutlich keinen großen Spielraum für den Aufbau einer Altersversorgung. Berücksichtigt man aber, dass es auch Branchen gibt, in denen Angestellte über den Mindestlohn nur ein Grundgehalt bekommen, das zum Beispiel durch Trinkgeld oder Provisionszahlungen aufstockt wird, bietet sich hier die Chance auch für Geringverdiener, eine zusätzliche Altersversorgung aufzubauen.


    Im Jahr 2015 können bis zu 242 Euro steuer- und sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung eingezahlt werden. Mitarbeiter, die keinen pauschal besteuerten Direktversicherungsvertrag besparen (Abschluss vor 2005), haben zudem die Möglichkeit weitere 150 Euro steuerfrei einzuzahlen.


    Minijobber

    Auch für Minijobber ist es interessant, eine Entgeltumwandlung zu vereinbaren, da andernfalls der Verlust des Minijob-Status droht. Der zeitliche Umfang des Minijobs kann durch eine Entgeltumwandlungsvereinbarung auf gleicher Stundenzahl bleiben oder sogar noch ausgeweitet werden, der Status des Minijobs aber erhalten werden.


    Beispiel:
    Ein familienversicherter Hausmann und Vater arbeitet seit 2014 als Servicekraft in einem Bistro. Bisher hat er an 60 Stunden im Monat für einen Stundenlohn von 7,50 Euro gearbeitet und hat damit bisher 450 Euro verdient. Durch das Mindestlohngesetz müssen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber jetzt Gedanken machen. Wird die gleiche Arbeit in derselben Zeit geleistet, muss das Gehalt jetzt 510 Euro betragen. Da der Minijob-Status bei dieser Gehaltshöhe wegfällt, bekommt die Servicekraft durch die anfallenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge weniger ausgezahlt als vorher und wird in diesem Job keinen lukrativen Nebenverdienst mehr sehen.


    Hier bietet sich eine Entgeltumwandlung in einen Direktversicherungsvertrag über einen monatlichen Beitrag in Höhe von 60 Euro an. Für die Servicekraft bleibt so der Status des Minijobbers erhalten. Zusätzlich baut er eine eigene Altersversorgung auf.


    Ohne eine Entgeltumwandlung kann der Minijob- Status nur durch eine Reduzierung der Arbeitszeit erhalten bleiben. Für die gleiche Arbeitsleistung wäre der Arbeitgeber dann aber gezwungen, einen weiteren Minijobber einzustellen. Die sich ergebenden Gesamtkosten beider Varianten sind in der folgenden Übersicht dargestellt:

    Einstellung eines weiteren MinijobbersFortführung des bestehenden Arbeitsverhältnisses
    und Entgeltumwandlung
    Geleistete Arbeitszeit60 Stunden60 Stunden
    GEHALTSZAHLUNGEN
    Minijobber 1450 Euro510 Euro - 60 Euro (Entgeltumwandlung)
    Minijobber 260 Euro-
    Summe510 Euro
    450 Euro
    Pauschalabgaben (ca. 31%)158 Euro139 Euro
    Beitrag Entgeltumwandlung-60 Euro
    Gesamtaufwand668 Euro
    649 Euro
    Durchschnittskosten je Arbeitsstunde11,13 Euro
    10,82 Euro


    Fazit: Durch die vereinbarte Entgeltumwandlung wird der durch die Lohnerhöhung verursachte Mehraufwand für den Arbeitgeber pro Arbeitsstunde reduziert. Bei Einstellung einer weiteren Arbeitskraft kostet den Arbeitgeber eine Arbeitsstunde 11,13 Euro brutto. Wird die gleiche Arbeit durch eine Arbeitskraft erledigt, kostet die Arbeitsstunde den Arbeitgeber nur 10,82 Euro brutto. Zudem werden Kosten für die Lohnbuchhaltung für einen weiteren Mitarbeiter eingespart. Durch eine Entgeltumwandlung profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Für Minijobber mit einem Gehalt in Höhe von 450 Euro besteht im Jahr 2015 die Möglichkeit, bis zu 242 Euro mehr zu verdienen und diesen Betrag durch Entgeltumwandlung in die Altersversorgung zu investieren.

    ■ Karin Windau-Eilers


Flexibilität für pflegende Angehörige (Inhalte 1/2015)

  • Seit dem 1. Januar ist das Gesetz in Kraft: Menschen, die Beruf und Pflege von Angehörigen in Einklang bringen müssen, sollen mehr zeitliche Flexibilität erhalten. Entsprechende Regelungen enthält das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf.


    Die Menschen in Deutschland werden immer älter und das führt dazu, dass auch die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Schon heute werden mehr als ein Drittel der 2,6 Millionen Pflegebedürftigen von Angehörigen in häuslicher Umgebung gepflegt. Das vom Bundesfamilien- und Bundesarbeitsministerium gemeinsam vorgelegte Gesetz soll betroffene Familien und auch die Wirtschaft entlasten.


    Die neuen gesetzlichen Regelungen ruhen auf drei Säulen:
    ◗ Für die zehntägige Auszeit, die Angehörige in akuten Fällen beanspruchen können, gibt es ab 1. Januar 2015 eine Lohnersatzleistung. Als Pflegeunterstützungsgeld werden im Grundsatz 90 Prozent des wegfallenden Nettoentgelts gezahlt. Für die Finanzierung stellt die Pflegeversicherung bis zu 100 Millionen Euro bereit.
    ◗ Wer von der Möglichkeit Gebrauch macht, sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Beruf auszusteigen, um nahe Angehörige zu pflegen, hat künftig einen Rechtsanspruch auf ein zinsloses Darlehen. Damit soll es für die Betroffenen leichter werden, ihren Lebensunterhalt in der Pflegephase zu bestreiten. Der Rechtsanspruch auf Freistellung besteht nicht gegenüber Arbeitgebern mit 15 oder weniger Beschäftigten.
    ◗ Einen Rechtsanspruch wird es künftig auch auf die 24-monatige Familienpflegezeit geben. Hier können pflegende Beschäftigte ihre Arbeitszeit bis auf eine Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden reduzieren. Den Einkommensausfall können sie durch ein zinsloses Darlehen abfedern, das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten zu beantragen ist. Der Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit gilt nicht gegenüber Arbeitgebern mit 25 oder weniger Beschäftigten.


    Die Freistellungsmöglichkeiten für die Pflege naher Angehöriger können miteinander kombiniert werden. Die Gesamtdauer beträgt maximal 24 Monate. Der Begriff der „nahen Angehörigen“ wird für das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz erweitert: Auch Stiefeltern, lebenspartnerschaftliche Gemeinschaften und Schwägerinnen und Schwager werden nun berücksichtigt.


    Die neuen Regelungen gelten auch für Eltern und Angehörige pflegebedürftiger Kinder, die nicht zu Hause, sondern in einer außerhäuslichen Einrichtung betreut werden. Auch für die Begleitung schwerstkranker Angehöriger in der letzten Lebensphase besteht für maximal drei Monate die Möglichkeit, die Arbeitszeit ganz oder teilweise zu reduzieren.


    Das neue Gesetz soll Familien in schwierigen Situationen entlasten. Gleichermaßen entlaste es aber auch die Wirtschaft, erklärte Familienministerin Manuela Schwesig bei der Vorstellung des Gesetzes. Ein finanzielles Risiko bestehe für Arbeitgeber nicht mehr. Darüber hinaus müssten sie nicht mehr auf wertvolle Fachkräfte verzichten: Beschäftigte seien künftig nicht mehr gezwungen, im Pflegefall ihren Job komplett aufzugeben.


    ■ Quelle: Bundesregierung


Staat fördert Basisrente ab 2015 stärker (Inhalte 1/2015)

  • Die Basisrente wird ab Januar 2015 attraktiver. Der bisherige Förderrahmen wird aufgestockt und zukünftig dynamisiert. Einer entsprechenden Gesetzesänderung hat der Bundesrat zugestimmt.


    Die Fördergrenzen waren seit der Einführung der Basisrente im Jahr 2005 unverändert geblieben. Das jetzt verabschiedete „Zollkodexanpassungsgesetz“ sieht vor, das der förderfähige Höchstbetrag für Beiträge zu einer Basisversorgung künftig dynamisch an den Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (West) gekoppelt wird. Bislang durften Bürger höchstens 20.000 Euro als Altersvorsorgeaufwand von der Steuer absetzen. Künftig gilt der – jährlich angepasste – Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (West) als Obergrenze.


    Was ändert sich 2015 genau?

    Für 2015 können maximal 22.172 Euro als Beitrag für eine Basisrente von der Steuer abgesetzt werden. Dieser Wert errechnet sich aus dem geltenden Beitragssatz von 24,8 Prozent (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) sowie der Beitragsbemessungsgrenze von 89.400 Euro in der knappschaftlichen Rentenversicherung in Westdeutschland. Unter diesen Höchstbetrag fallen auch die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung.


    Zudem können ab 2015 wie bereits bei der Riester-Rente auch bei der Basisrente zwölf Monatsleistungen in einer Auszahlung zusammengefasst werden. Ferner wird die bei der Basisrente bisher schon mögliche Einmalabfindung von Kleinbetragsrenten gesetzlich klar geregelt.


    Wie fördert der Staat die Basis-Rente?

    Der Staat fördert die Basisrente ausschließlich über die steuerliche Abzugsmöglichkeit der Beiträge. Die eingezahlten Beiträge können dabei als sogenannte Sonderausgaben über die Einkommensteuererklärung abgezogen werden. Eine staatliche Zulage wie bei der Riester-Rente gibt es nicht. Generell ist jeder förderungsberechtigt, der einkommensteuerpflichtig ist und seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland hat.


    Für 2015 werden vom Fiskus 80 Prozent der Beiträge für Basisrenten als Sonderausgaben anerkannt.

    ■ Quelle: GDV


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