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1/2019 Früher war alles besser?

  • Ja, wer sich so durch die täglichen Nachrichten liest und hört, könnte diesen Eindruck bekommen – doch es gibt auch erfrischend andere Sichtweisen, wie der folgende Lesetipp zeigt:

    Mit seiner beliebten Kolumne „Früher war alles schlechter“ beweist Guido Mingels den SPIEGEL-Lesern jede Woche aufs Neue, dass es der Welt trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht. Anhand einprägsamer Grafiken zeigt er zum Beispiel, dass die Verbreitung von Krankheiten wie Malaria stark zurückgeht; dass Fahrraddiebstähle oder Teenagerschwangerschaften immer seltener werden; oder dass rund um den Globus immer mehr Menschen Zugang zu Toiletten haben. Sein zweiter Kolumnenband versammelt nicht nur eine Fülle neuer überraschender Weltverbesserungsfakten, sondern bekräftigt auch die frohe Botschaft, dass es keinen Grund gibt, überall Zeichen für den Weltuntergang zu sehen:

    Hier ein kleiner Auszug:
    Zufriedenheit – Bitte ankreuzen:
    Sind Sie insgesamt gesehen, mit dem Leben, das Sie führen,

    sehr zufrieden

    ziemlich zufrieden

    nicht sehr zufrieden

    überhaupt nicht zufrieden

    Dies ist eine der Fragen, die das sogenannte Eurobarometer seit 1973 den Bürgern von EU-Ländern stellt. In Deutschland werden dafür zweimal jährlich jeweils 1500 Personen in Face-to-Face-Gesprächen und zu Hause interviewt. Betrachtet man die Ergebnisse im langen Rückblick, so zeigen sich drei nachvollziehbare deutsche Stimmungstiefs: I981 und 2003, als die Wirtschaft schwächelte und die Arbeitslosigkeit stieg, sowie in den ruppigen ]ahren nach der Wiedervereinigung, bis 1997.

    Warum aber sind die Deutschen in den vergangenen drei Jahren offenbar so glücklich wie noch nie seit 1973? 2014, 2015, 2016: Das ist die Blütezeit der Pegida-Märsche, der „Flüchtlingskrise“ und der Suche nach einer „Alternative für Deutschland“, das sind die Boomjahre der neurechten Populisten und der von Angst begleiteten Rückkehr terroristischer Anschläge in Westeuropa – und ausgerechnet in diesen drei Jahren sagen mehr als 90 Prozent der Deutschen, dass sie entweder sehr oder ziemlich zufrieden sind mit ihrem Leben? Das kann nur heißen: Es gibt auch ein Leben abseits der Schlagzeilen, und das ist gar nicht so schlecht. Die derzeit Zufriedensten sind übrigens die Dänen (97 Prozent), die Unzufriedensten die Griechen (38 Prozent).

    Mord und Totschlag – Je weniger Morde, desto mehr Krimis
    In einer berühmt gewordenen Studie hat der Gewalthistoriker Manuel Eisner die Mordraten verschiedener europäischer Länder seit dem I4. ]ahrhundert rekonstruiert. Seine Erkenntnisse zeigen, dass die Mordbelastung in Europa über die Jahrhunderte radikal gesunken ist.

    In den untersuchten Ländern, darunter auch Deutschland, lag die Rate in früheren Jahrhunderten in einem Korridor von rund 10 bis 100 Fällen pro 100 000 Einwohner, damit bis zu 100-mal höher als heute. Deutschland verzeichnete 2016 862 Opfer von Mord und Totschlag, das entspricht einer Tötung pro 100 000 Menschen oder etwa zwei Opfern pro Tag. Anders ausgedrückt: Angenommen, Deutschland würde noch heute eine Mordrate aufweisen, wie Eisner sie für das Mittelalter errechnet hat, so kämen hierzulande pro Jahr bis zu 80 000 Menschen gewaltsam zu Tode, mehr als 200 pro Tag. Mord war gestern.

    Denkt man nun aber daran, wie allgegenwärtig, wie unausweichlich, wie unsagbar überrepräsentiert Morde im Fernsehen, im Kino, in der Presse, in der Literatur und im Gesellschaftsgespräch sind – dann drängt sich der Verdacht auf, dass ein umgekehrt proportionales Verhältnis vorliegt: je weniger echte Morde, desto mehr fiktive. Jamaika etwa, das mit 43 Törungsdelikten pro 100 000 Einwohner (2015) eine der höchsten Mordraten der Welt aufweist, ist nicht für eine florierende Krimiproduktion bekannt.

    Skandinavische Länder hingegen, wo die Mordraten gegen Null tendieren, sind berühmt für ihre besonders blutrünstigen Crime-Autoren.

    Natürlich haben wir auch heute keine „heile Welt“, doch gibt es ebenso wenig das gern zitierte „Früher war alles besser“. Sehr interessant & lesenswert!

    *Quelle: DVA/Random House, 144 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abb., ISBN: 978-3-421-04834-9

    Karsten van Husen


1/2019 Auf dem Weg zur Online-Zulassung von Kfz

  • Es ist Sommer 1979. Ich habe mein erstes Auto gekauft. Ein alter VW Polo, orangefarben, mit nur 40 PS für heutige Verhältnisse schwach motorisiert. Der Rost – damals noch ein echtes Problem bei Autos – nagt schon leicht an der Karosserie. Egal, der Preis war gut. Jetzt nur noch auf meinen Namen ummelden.

    Ich fahre zum Straßenverkehrsamt, ziehe eine Wartenummer und warte. Ich warte ewig. Und das ist nicht nur ein subjektiver Eindruck. Es dauert wirklich ewig.

    Inzwischen sind fast 40 Jahre vergangen. Der Kunde zieht immer noch eine Nummer. Die Wartezeit ist kürzer. Wenn man vorab einen Termin vereinbart hat – das geht bequem online – geht’s besonders schnell. Binnen 15 Minuten ist man wieder draußen.

    Eine deutliche Verbesserung zu früher. Aber in der Regel ist immer noch der Weg zum Straßenverkehrsamt erforderlich. Die Straßenverkehrsbehörden arbeiten daran, die Prozesse noch weiter zu verbessern. Dazu hat man vor einiger Zeit damit begonnen, Zulassungsdokumente und Stempelplaketten für die Kennzeichenschilder mit verdeckten Sicherheitscodes zu versehen.

    Seit 2015 können so Fahrzeuge außer Betrieb gesetzt werden. Dazu rubbelt man die Sicherheitscodes frei. Ab diesem Zeitpunkt darf das Fahrzeug nicht mehr gefahren werden. Die frei gerubbelten Codes übermittelt man dann online über das Portal des zuständigen Straßenverkehrsamtes. Dafür ist ein neuer Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion erforderlich. Zusätzlich wird ein Kartenlesegerät benötigt, alternativ geht auch der Weg über ein Android Smartphone mit kostenloser „AusweisApp2“ (www.ausweisapp.bund.de).

    Ähnlich funktioniert die Wiederzulassung. Man übermittelt der Straßenverkehrsbehörde die freigerubbelten Codes, die elektronische Versicherungsbestätigung des Versicherers (eVB) und einige Daten zum Fahrzeug. Die Zulassungsunterlagen sowie die Stempelplaketten zum Aufkleben auf das Kennzeichen erhält man dann per Post von der Zulassungsstelle.

    Für 2019 plant der Gesetzgeber den nächsten Schritt. Die Online-Zulassung soll auf weitere Geschäftsvorgänge (jetzt auch Neuzulassung, Umschreibung und weitere Varianten der Wiederzulassung) ausgeweitet werden. Antragsbearbeitung und -entscheidung sollen für einige Zulassungsprozesse (Außerbetriebsetzung, Halterwechsel unter Kennzeichenbeibehaltung, Adressänderung) vollständig automatisiert werden. Bei der Umschreibung besteht dann für den neuen Halter die Möglichkeit, das Fahrzeug direkt nach Abschluss des internetbasierten Verfahrens in Betrieb zu nehmen.

    Der Bundesrat hat den dazu erforderlichen Änderungen der Fahrzeug- Zulassungsverordnung Mitte Februar zugestimmt. Die Änderungen treten somit voraussichtlich noch im Sommer 2019 in Kraft. Die Sache hat aber noch einen Haken: Zunächst werden nur die Zulassungsvorgänge für Privatpersonen geregelt. Erst in einem späteren Schritt ist die Ausweitung auf juristische Personen vorgesehen.

    Rainer Rathmer


1/2019 Über die aktuellen Herausforderungen IT-Fachkräfte zu finden

  • Wer gerade IT-Personal sucht, wird es merken – der Fachkräftemangel erschwert die Suche wie nie zuvor. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom gab es im Jahr 2018 herausfordernde 82.000 offene IT-Stellen, ganze 49 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch vor allem in Zeiten der Digitalisierung ist die Besetzung der Stellen wichtig.

    Man stelle sich vor: Der digitale Wandel schreitet voran, die Konkurrenz ist schon längst modern im Internet für Kunden zu finden und auf der eigenen To-do-Liste stapeln sich zahlreiche technische Neuerungswünsche. Aber wer soll sie verwirklichen? Die benötigte IT-Stelle ist schon längst ausgeschrieben, doch bei den Bewerbungen sieht es oft nicht rosig aus: Laut Bitkom-Studie dauert die Besetzung einer offenen IT-Stelle im Durchschnitt fünf Monate. 

    Kleine und mittelständische Unternehmen stehen bei der Bewerbersuche in Konkurrenz mit größeren Arbeitgebern. Internationale Karrieren und wechselnde Herausforderungen sind hier kaum möglich. Dafür finden Bewerber bei kleineren Unternehmen meist einen familiären Zusammenhalt. Letztendlich liegt es am Interessenten selbst, welcher Arbeitgeber attraktiver erscheint.

    Die Plattformen zur Suche nach Experten werden immer digitaler. Wo vor einiger Zeit noch die gute alte Zeitungsanzeige erfolgreich war, ist längst das Inserieren auf Online-Stellenportalen nicht mehr wegzudenken. Sogar das Platzieren in diversen Social-Media-Kanälen kann sehr hilfreich sein. Ähnlich des analogen Weitersagens funktioniert es hier: Durch Teilen-Funktionen verbreiten sich die Suchen von ganz allein.

    Viele Alternativen zur Personalsuche bleiben leider nicht. Selber auszubilden ist den meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht möglich. Externe Unterstützung, wie Beratungen oder Arbeitnehmerüberlassungen, können für IT Projekte eine gute Hilfe sein. Wer trotzdem nicht auf eigenes IT-Personal verzichten möchte, der sollte sich durch weitere Angebote als Arbeitgeber attraktiver machen: Ob mit sozialen Leistungen oder Vergünstigungen, oder mit dem Einsatz moderner Techniken für den Arbeitsalltag. Das Umfeld macht viel aus. Fragen Sie sich: Was macht Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber aus?

    Ein Ende des IT-Fachkräftemangel scheint nicht in Sicht. Experten vermuten eher eine Verschlechterung in den nächsten Jahren. Bis sich die Lage wieder entspannt, heißt es weitersuchen oder doch Alternativen nutzen.

    Anna Juliana Bohr

    Die IT-Branche in Zahlen:


1/2019 „Das war schon immer so..."

  • Kennen Sie das? Sie kommen morgens in Ihre Firma und die Anforderungen des Tages prasseln auf sie ein. Mitarbeitende möchten Entscheidungen von Ihnen, Kunden warten auf Rückruf und die neueste Gesetzesänderung, die ihre Branche betrifft, möchte auch bearbeitet werden. Die Auftragsbücher sind (hoffentlich) voll und das Leben nimmt seinen gewohnten Gang. Das ist ja nichts Neues, werden sie sicherlich denken. Das war ja schon immer so.

    Doch bleibt es auch so? Wir bewegen uns in einem Zeitalter, wo dieses „das war schon immer so“ gehörig auf den Prüfstand gestellt wird. Tagungsprogramme und Fachzeitschriften sind voll von Themen, die sich mit den Veränderungen durch die Digitalisierung ergeben. Welche davon tatsächlich eintreten werden, werden wir erst in Zukunft wissen. Eines kann man aber mit ziemlicher Sicherheit schon jetzt sagen: Mit dem Zeitalter der Digitalisierung ergeben sich für Firmeninhaber oder Führungskräfte immer neue Anforderungen in der Führung der Mitarbeitenden, die mit Methoden von klassischen Führungsmodellen nicht mehr oder nur eingeschränkt bewältigt werden können.
    Da es sich oft um ambivalente Spannungsfelder handelt, die mit großen Unsicherheiten und wenig Planbarkeit einhergehen, kann der Umgang mit diesen Spannungsfeldern eine echte Herausforderung sein.

    Spannungsfelder wie zum Beispiel:
    ◗◗ Wettbewerbsfähigkeit vs. Kostendruck
    ◗◗ Kurzfristiger Profit vs. langfristigem Erfolg
    ◗◗ Dynamik/Innovation vs. Sicherheit

    machen deutlich, dass es für Unternehmenslenker schwierig ist, ein Patenrezept zur Lösung in einem Marktumfeld zu finden, in dem Fünf-Jahres-Pläne schon morgen durch disruptive Innovationen überholt sein könnten.
    Nicht jeder der Mitarbeitenden und Führungskräfte kommt mit der Schnelligkeit der Veränderungen mit. Es gibt häufig eine große Bandbreite hinsichtlich der digitalen Kompetenzen oder auch hinsichtlich der Veränderungsbereitschaft der
    Einzelnen.
    Insbesondere den sog. Generationen Y und Z (geboren ab den späten 80er Jahren), die mit offener Kommunikation, mit Share-Economy und der Möglichkeit der jederzeitigen Beschaffung von Informationen aufgewachsen sind, wird nachgesagt, dass sie sich nicht damit abspeisen lassen, dass ihnen getroffene Entscheidungen nur mitgeteilt werden und sie diese auszuführen haben.

    Diese Generationen möchten das „Warum“ wissen, möchten wissen, wie es zu diesen Entscheidungen gekommen ist und möglichst vorab in die Entscheidungen eingebunden sein. Diese Form der Mitbestimmung kann man gut bei vielen Start-up-Unternehmen beobachten.
    Die Führungskraft von heute muss den Weg in die digitale Welt als Vorbild vorleben und ist damit oft selbst überfordert. Althergebrachte Führungsrollen als „Macher“ und „Bestimmer“ gelten in vielen Bereichen als überholt. Führungsrollen werden definiert mit Attributen wie Begleitende, Innovationstreiber und Ermöglicher.
    Doch was bedeutet dies konkret? Im Idealfall nehmen Sie die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden wahr und versuchen sie bestmöglich einzusetzen und zu entwickeln. Sie verstehen sich als Netzwerker und Visionär.
    Gleichzeitig müssen Sie sich immer wieder auf neue Gegebenheiten und Änderungen im Marktumfeld einstellen und müssen natürlich auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte gut im Blick behalten. Dies alles in einem Umfeld von hervorragend informierten Kunden, Wettbewerbern und auch Kritikern.
    Die Anspruchsgruppen erstarken und wer jemals einem Shitstorm ausgesetzt war, wird dem uneingeschränkt zustimmen. Die Digitalisierung bringt auch neue Formen der Teamarbeit mit sich. Die Arbeit in virtuellen Teams oder der häufige Wechsel von Präsenz und mobilem Arbeiten, wie z. B. im Homeoffice, erfordern neue Wege der Kommunikation.
    Auch das erfordert ein anderes Führungsverhalten, als wir es bei den klassischen Arbeitsmodellen mit einer physischen Anwesenheit von ca. 8 Stunden gewohnt sind.
    Angesichts dieser vielen Neuerungen ist es nicht verwunderlich, dass viele Unternehmenslenker und Führungskräfte das Gefühl haben, dass sie vor einem unüberwindbaren Berg von Herausforderungen stehen. Wird doch das Gewohnte und oft jahrzehntelang Praktizierte auf einmal über den Haufen geworfen. In einigen Branchen geschieht dies mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, während andere Branchen scheinbar kaum betroffen sind. Dies allerdings nur solange, bis die bereits erwähnte disruptive Innovation kommt.
    Doch aus diesen auf den ersten Blick verwirrenden und scheinbar manchmal unlösbaren Umständen ergeben sich auch große Chancen.
    Vertrauen Sie auf die Expertise Ihrer Mitarbeitenden und nutzen Sie deren Erfahrung. Das erfordert Vertrauen, schafft Ihnen aber auch Freiräume, Chancen und Möglichkeiten. Überlegen Sie, welche Aufgabe dafür geeignet ist, agile Methoden zu testen. Und dann trauen Sie sich auszuprobieren und zu lernen. Ihre Mitarbeitenden werden in die Entscheidungsfindung mit einbezogen und Sie erleben den „Kontrollverlust“ im Idealfall als Gewinn und profitieren von motivierten Mitarbeitenden. Legen Sie Regeln für die Zusammenarbeit in virtuellen Teams fest, z. B. wie Entscheidungen getroffen werden, wenn ein Teammitglied gerade offline ist; wie der zeitnahe Informationsaustausch erfolgen soll oder welches Verhältnis von Präsenz und virtueller Anwesenheit das Ideale für Sie und Ihre Mitarbeitenden ist. Gelingt dies, schafft es Freiräume und Flexibilität, die wieder auf die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden einzahlen.
    Es gibt sicherlich kein Patentrezept, wie die ideale Führung für Ihr Unternehmen aussehen soll, dennoch gibt es einige Kernkompetenzen, die Sie als Führungskraft im digitalen Zeitalter mitbringen sollten, und das sind: Die Fähigkeit zum Netzwerken, eine gute Kommunikationsfähigkeit, eine hohe Eigenverantwortlichkeit und ein agiles Mindset.
    Mit diesen Fähigkeiten ausgerüstet, kann der Weg in eine völlig neue Art der Führung und Zusammenarbeit hervorragend gelingen und für alle gewinnbringend sein.

    Silvia Wiefel


1/2019 Zusätzliche Vorsorge ist ein Muss - Wie Gesellschafter-Geschäftsführer über ihren Betrieb vorsorgen können

  • Im Unterschied zu Unternehmen einer Personengesellschaft sind Gesellschafter Geschäftsführer (GGF) im steuerrechtlichen Sinne Arbeitnehmer der GmbH. Somit können sie die steuerlichen Förderungen der betrieblichen Altersversorgung nutzen, die nur Arbeitnehmern offen stehen, und so ihre Versorgungslücken schließen. Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH haben in der Regel vergleichsweise hohe Bezüge und fast keine Versorgungsansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Deshalb ist eine zusätzliche Vorsorge ein Muss. Grundsätzlich stehen für die GGF-Versorgung alle Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung offen. Zu empfehlen sind die folgenden Komponenten:

    Erster Schritt: Aufbau der Grundversorgung über eine Direktversicherung
    Die Direktversicherung ist eine Rentenversicherung, die von der GmbH für den Gesellschafter-Geschäftsführer abgeschlossen wird. Sowohl das Risiko der Berufsunfähigkeit als auch eine Hinterbliebenenversorgung können eingeschlossen werden. Ein Vorteil der Direktversicherung ist die flexible Einzahlungsmöglichkeit der Beiträge z. B. bei gewinnabhängigen Bezügen. Die Kapitalanlage kann sicherheitsorientiert oder mit Aktienfonds gewählt werden.
    Jährlich dürfen Beiträge von bis zu 6.432 Euro steuerfrei eingezahlt werden. Diese Grenze sollten Gesellschafter-Geschäftsführer immer erst einmal voll ausschöpfen.

    Zweiter Schritt: Unterstützungskasse oder Pensionszusage mit Rückdeckungsversicherung
    Es reicht in der Regel nicht aus, sich allein auf die Direktversicherung zu konzentrieren. Um eine ausreichende Versorgung zur erreichen, bietet sich als zweiter Schritt ein unbegrenzt steuerfreier Durchführungsweg an. Dies ist bei der Unterstützungskasse und der Pensionszusage (Direktzusage) mit Rückdeckungsversicherung der Fall.

    Die Unterstützungskasse
    Die Unterstützungskasse ist ein zeitgemäßes Versorgungssystem, bei dem die Sicherheit im Vordergrund steht.

    Die GmbH gibt dem Gesellschafter Geschäftsführer eine Versorgungszusage auf der Grundlage von regelmäßigen Beiträgen für eine Rentenversicherung. Zur Absicherung der Zusage schließt die Unterstützungskasse zugunsten des Gesellschafter-Geschäftsführers eine Rückdeckungsversicherung ab und zahlt hierfür gleichbleibende oder steigende Beiträge. Dadurch ist die Zusage vollständig abgesichert und das Risiko einer möglichen Unterdeckung wird für das Unternehmen nahezu ausgeschlossen. Zur Versorgung des Partners bzw. der Familie kann zusätzlich eine Hinterbliebenenrente vereinbart werden. Auch eine Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist möglich.

    Die Bilanz des Unternehmens bleibt durch Versorgungszusagen über die Unterstützungskasse unberührt. Dies ist einer der bedeutendsten Vorteile gegenüber der Pensionszusage.

    Die Pensionszusage
    Pensionszusagen sind ein beliebtes Modell für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, um sich eine steuerlich geförderte Altersversorgung aufzubauen. Der Gesellschafter-Geschäftsführer erhält vom Unternehmen die schriftliche Zusage auf betriebliche Versorgungsleistungen in Form von Alters-, Invaliditäts- und/oder Hinterbliebenenleistungen. Zur Absicherung der Leistungen empfiehlt sich der Abschluss einer Rückdeckungsversicherung, die bei Eintritt des Versorgungsfalls ausreichend Kapital zur Verfügung stellt. Die Beiträge sind ebenso wie die Direktversicherungsbeiträge und Beiträge zur Unterstützungskassenversorgung Betriebsausgaben. Der Wert der Rückdeckungsversicherung wird als Betriebsvermögen in der Bilanz aktiviert. Für die erteilte Zusage werden in der Bilanz Pensionsrückstellungen gebildet, die sich gewinnmindernd und damit auch steuermindernd auswirken. Wichtig ist, Pensionszusagen richtig auszugestalten und regelmäßig zu überprüfen. Allerdings gibt es in der Praxis häufig Zusagen, die viele Jahre nicht mehr beleuchtet oder gar angepasst worden sind. Sie können zu einem Problem werden. Bei Fragen zu Pensionszusagen stehen Ihnen die Experten im Bereich der betrieblichen Altersversorgung bei der LVM-Lebensversicherung gerne zur Verfügung.

    Wesentliche Gestaltungskriterien für Gesellschafter-Geschäftsführer Versorgungen

    Finanzbehörden haben einen kritischen Blick auf die Gestaltung von GGF-Versorgungen, insbesondere wenn es sich um beherrschende GGF handelt. Damit die Pensionszusage oder Unterstützungskasse steuerlich anerkannt wird, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

    Angemessenheit: Die Höhe der künftigen Leistungen aus der Zusage darf zusammen mit Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und aus bereits bestehenden anderen betrieblichen Altersversorgungsbausteinen 75 Prozent des letzten Bruttogehaltes nicht übersteigen.

    Ernsthaftigkeit: Eine Zusage darf nicht zum Schein erteilt werden. Sie muss klar, eindeutig und schriftlich vereinbart sein. Maßgebliches Pensionsalter sollte das 67. Lebensjahr sein.

    Erdienbarkeit: Die Zusage beim beherrschenden GGF wird anerkannt, wenn zwischen dem Zeitpunkt der Zusage-Erteilung und dem Eintritt in den Ruhestand mindestens zehn Jahre liegen. Außerdem muss die Pensionszusage vor dem 60. Lebensjahr erteilt worden sein.

    Finanzierbarkeit: Die Erfüllung der Zusage darf das Unternehmen nicht wirtschaftlich überfordern. Wenn eine ausreichende Rückdeckungsversicherung zur Finanzierung der Verpflichtung besteht, ist aber in der Regel die Erfüllbarkeit gegeben.

    Probezeit: Die Zusage darf erst erteilt werden, wenn die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens zuverlässig abzuschätzen ist. Bei neu gegründeten Unternehmen bedarf die unternehmensbezogene Probezeit in der Regel eines Zeitraums von fünf Jahren. Darüber hinaus gilt für den GGF in der Regel eine personenbezogene Probezeit von zwei bis drei Jahren.

    Gesellschafterbeschluss: Durch einen Gesellschafterbeschluss wird die zivil- und steuerrechtliche Wirksamkeit der Zusage erreicht.

    Tipp:
    ◗◗ Insolvenzschutz optimieren
    Für beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer besteht kein gesetzlicher Schutz der betrieblichen Altersversorgung bei Insolvenz des Unternehmens. Die Ansprüche können jedoch geschützt werden, indem bei der Direktversicherung ein unwiderrufliches Bezugsrecht vereinbart wird und bei der Unterstützungskasse oder Pensionszusage die Rückdeckungsversicherung an den Gesellschafter- Geschäftsführer verpfändet wird.

    ◗◗ Besteuerung erst nach Eintritt des Versorgungsfalls
    Die Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung unterliegen der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt, der für Rentner gültige, in der Regel niedrigere Steuersatz wird für die Versteuerung der Altersrente oder des Kapitals herangezogen.

    Veronika Behrendt


1/2019 Zehn Jahre Partnerschaft von LVM Versicherung und hkk Krankenkasse - "Das passt einfach!"

  • Dr. Achim Kramer, Abteilungsdirektor der LVM Krankenversicherungs-AG und Lutz Trey, Stellvertreter des Vorstands sowie Bereichsleiter Kunde, Markt und Kommunikation der hkk Krankenkasse resümieren gemeinsam im Gespräch mit Sabine Bialek, hkk Koordinatorin der Kooperation, über ihre10-jährige Partnerschaft und ob das Konzept aufgegangen ist.

    10 Jahre Partnerschaft von LVM Versicherung und hkk Krankenkasse: Seit 1. Juli 2009 besteht die Kooperation von LVM Versicherung und hkk Krankenkasse, die zu einer vertrauensvollen und erfolgreichen Partnerschaft herangewachsen ist. Die gemeinsamen Kunden profitieren neben einem bundesweiten Netzwerk von LVM-Agenturen darüber hinaus von einem exklusiv abgestimmten Produktportfolio. Eine Win-win-Situation, denn durch den günstigen Zusatzbeitrag der hkk Krankenkasse können die hkk-Kunden den Beitragsvorteil direkt wieder in einen weiterführenden Gesundheitsschutz durch private Zusatzangebote der LVM Versicherung investieren.

    Hand aufs Herz: Hätten Sie gedacht, dass die Kooperation so erfolgreich und langlebig sein würde?

    Lutz Trey: Ja, absolut. Wir haben seinerzeit bei der Suche nach einem Partner für private Zusatzversicherungen großen Wert darauf gelegt, ein Unternehmen zu finden, dessen Produkte und strategische Ausrichtung zu uns passen. Zehn Jahre später kann ich nur bestätigen: Das Konzept ist aufgegangen.

    Dr. Achim Kramer: Ich war sehr zuversichtlich, denn nach der Erfahrung zuvor haben wir unseren Kooperationspartner danach ausgesucht, ob mit ihm eine langfristige Partnerschaft möglich ist, die nachhaltigen Erfolg verspricht. Insofern sind wir glücklich, dass wir mit der hkk unseren Wunschpartner gewinnen konnten und es sich in den zehn Jahren so positiv entwickelt hat.

    Was sind die entscheidenden Vorteile der Partnerschaft von hkk und LVM?

    Dr. Achim Kramer: Aus meiner Sicht war und ist es entscheidend, dass alle Anspruchsgruppen der LVM Versicherung von der Kooperation profitieren. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Aus Unternehmenssicht ist es die strategische Perspektive mit einem erfolgreichen Partner, aus Sicht der Agenturen die Ergänzung des Portfolios mit einer exzellenten gesetzlichen Krankenversicherung und aus Kundensicht das Top-Preis-Leistungs-Verhältnis und das exklusive Angebot privater LVM-Zusatzversicherungen mit Sonderkonditionen.

    Lutz Trey: Die Kooperation sichert beide Unternehmen gegenüber möglichen Änderungen der politischen Rahmenbedingungen ab und macht diese dadurch unangreifbarer. Darüber hinaus profitieren die Kunden der hkk vom hervorragenden Agenturnetzwerk und den exzellenten Versicherungsprodukten der LVM. Beide Unternehmen nutzen ihre jeweiligen Stärken, weitere Wachstumspotenziale im Rahmen der Partnerschaft systematisch zu erschließen – eine echte Win-Win-Situation auf allen Ebenen.

    Was schätzen Sie besonders an der gemeinsamen Partnerschaft zwischen LVM und hkk?

    Lutz Trey: Die offene und vertrauensvolle Partnerschaft, zu der unsere Kooperation herangewachsen ist. Das ist ein stetiger Prozess, der gegenseitiges Verständnis und einen persönlichen Austausch auf allen Hierarchieebenen braucht. Besonders bereichernd sind für mich der intensive Austausch mit den Vertrauensleuten und LVM-Kolleginnen/-Kollegen bei unseren regelmäßigen Tagungsbesuchen. Dass LVM und hkk gut zusammenpassen, merken wir dabei immer wieder aufs Neue.

    Dr. Achim Kramer: Persönlich schätze ich neben dem Erfolg und der Nachhaltigkeit unserer Kooperation besonders die Finanzstärke, die Unternehmenskultur und die Bodenständigkeit der hkk. Und nicht zuletzt sind es die Menschen bei der hkk. Das passt einfach!

    Gibt es aus Ihrer Sicht Optimierungspotenzial in der gemeinsamen Zusammenarbeit?

    Lutz Trey: Ich bin sehr zufrieden – nicht ohne Grund beneidet uns so mancher Wettbewerber um unsere Kooperation. Und selbstverständlich haben wir noch Potenzial nach oben, daran arbeiten wir stetig und sind auf dem richtigen Weg.

    Dr. Achim Kramer: Das sehe ich ebenso, und ich bin zuversichtlich, dass wir auch viele weitere Jahre so erfolgreich kooperieren.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Info: Die hkk Krankenkasse (Handelskrankenkasse) zählt mit mehr als 630.000 Versicherten (davon mehr als 480.000 beitragszahlende Mitglieder), 23 Geschäftsstellen und 2.100 LVM-Servicepunkten zu den großen gesetzlichen Krankenkassen. 2018 betrug ihr Wachstum rund 39.000 Kunden. Mit ihrem Zusatzbeitrag von 0,39 Prozent (Gesamtbeitrag 14,99 Prozent) ist sie 2019 zum fünften Mal in Folge die günstigste deutschlandweit wählbare Krankenkasse. Weil Arbeitgeber oder Rentenversicherung ab 2019 die Hälfte des Zusatzbeitrags übernehmen, zahlen die meisten hkk-Mitglieder sogar nur noch 0,195 Prozent. Damit beläuft sich ihr Beitragsvorteil gegenüber Mitgliedern anderer Krankenkassen auf bis zu 302 Euro pro Jahr. Ihre Arbeitgeber sparen noch einmal dasselbe. Auch die Extraleistungen übertreffen den Branchendurchschnitt: Unter anderem erstattet die hkk zusätzliche Leistungen im Wert von über 1.000 Euro je Versicherten und Jahr in den Bereichen Naturmedizin, Vorsorge und bei Schwangerschaft. Ergänzend fördert das hkk-Bonusprogramm Gesundheitsaktivitäten mit bis zu 250 Euro jährlich. Die Verwaltungskosten der hkk liegen etwa 20 Prozent unter dem Branchendurchschnitt. Rund 1.000 Mitarbeiter(innen) betreuen ein Ausgabenvolumen von mehr als 2 Mrd. Euro, davon entfallen 1,6 Mrd. Euro auf die Krankenversicherung und 0,4 Mrd. Euro auf die Pflegeversicherung.

    Sabine Bialek


1/2019 Datenschutz heißt Daten schützen

  • Mit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung ist im vergangenen Jahr eine europaweit einheitliche Regelung zum Umgang mit personenbezogenen Daten geschaffen worden. Sie verpflichtet die Nutzer unter anderem zum Schutz der Daten vor Angriffen oder Missbrauch.

    Für die Öffentlichkeit ist dieses kaum wahrnehmbar, da nur die spektakulären Fälle Einzug in die Presse nehmen. Für jeden Betroffenen ist es aber eine Katastrophe!
    Haben Hacker Ihre Daten manipuliert, blockiert oder gelöscht, ist Ihr Betriebsablauf empfindlich gestört. Finden sich die persönlichen Daten Ihrer Kunden plötzlich öffentlich zugänglich im Internet wieder, müssen Sie die betroffenen Personen in der Regel umgehend informieren. Der finanzielle Schaden ist unter Umständen überschaubar. Ihr guter Ruf ist aber erst einmal dahin.

    Opfer einer Cyberattacke zu werden, ist schon längst keine Frage der Größe mehr.
    Vielmehr sind gerade die kleineren Unternehmen für die meisten Hacker viel interessanter. Die Digitalisierung und die damit verbundenen Risiken halten überall Einzug. Das Risikobewusstsein und somit der Cyberschutz ist aber bei kleineren Betrieben häufig viel geringer.

    Dieses bestätigt auch eine Forsa-Befragung im Auftrag des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). (siehe Grafiken)

    Schützen Sie Ihre IT so gut wie möglich. Sie verschließen ja auch Ihre Geschäftsräume nach Betriebsschluss.
    Bereits mit einfachen Maßnahmen können Sie sich gegen Angriffe wehren.

    Checken Sie regelmäßig die folgenden Punkte:
    ◗◗ Halten Sie Ihre Hardware und Software auf dem aktuellsten Stand und installieren Sie angebotene Updates schnellstmöglich.

    ◗◗ Schützen Sie Ihre IT-Systeme gegen Schadsoftware (z. B. durch Virenscanner).

    ◗◗ Führen Sie regelmäßige (täglich oder wöchentlich) Datensicherungen durch und bewahren Sie diese an einem geschützten Ort auf. Nicht unbedingt in den Betriebsräumen.

    ◗◗ Verwenden Sie sichere Passwörter

    Wie gut die IT-Sicherheit Ihres Unternehmens jetzt schon ist, können Sie neuerdings innerhalb weniger Minuten selbst heraus finden.

    Hierfür hat der GDV den Cyber-Sicherheitscheck geschaffen. Dieser stellt Ihnen die wichtigsten Fragen rund um die IT-Sicherheit Ihres Unternehmens. Sie bekommen dann gesagt, wie sicher Ihre Systeme sind, wo Sie Schwachstellen haben und wie Sie diese schließen können.

    Den Cyber-Sicherheitscheck finden Sie im Internet unter:
    www.gdv.de/de/themen/news/cyber-sicherheitscheck-42974 oder über die zwei Suchbegriffe „GDV und Sicherheitscheck“

    Tipp: WIE SIEHT EIN SICHERES PASSWORD AUS?
    ◗◗ maximale Länge nutzen

    ◗◗ Buchstaben, Zahlen und zulässige Sonderzeichen nutzen

    ◗◗ Groß- und Kleinschreibung verwenden

    ◗◗ gutes Beispiel: Jkd#7r6z32%W

    ◗◗ schlechte Beispiele: 12345, abcde, wert, Geburtsdaten, Namen etc.

    Karsten Martini


1/2019 Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung - Sinvoller Schutz?

  • Der „Versicherungsdschungel“ ist nicht immer einfach und oft undurchsichtig. Welche Versicherung ist für Sie als Unternehmer und Selbstständiger wichtig, welche weniger wichtig: Viele Fragen tun sich auf, wenn es um das Thema Versicherungen geht. In diesem Artikel betrachten wir das Thema Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung näher und erläutern, für wen und warum dieser Schutz sinnvoll ist.

    Was ist überhaupt ein Vermögensschaden?
    Bei einem Vermögensschaden erleidet weder eine Person noch eine Sache einen unmittelbaren Schaden – sondern ein Dritter einen finanziellen Schaden. Über die Betriebshaftpflicht sind in der Regel solche Schäden nicht versichert. Hier ist eine spezielle Absicherung in Form einer separaten Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung erforderlich!

    Für welche Berufsgruppen ist eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung wichtig?
    Insbesondere für Personen und Firmen, die rechtsberatend tätig sind (z. B. Rechtsanwälte) oder Verbände und Vereine ist eine Vermögensschaden- Haftpflichtversicherung wichtig und teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben. Ein Versehen kann schnell große finanzielle Folgen nach sich ziehen. Sie als Unternehmer und Selbstständiger haften dafür mit Ihrem gesamten Vermögen. Aber auch für bestimmte Dienstleister wie z. B. Sachverständige/Gutachter, Betreuer, freiberufliche Buchhalter und Buchführungshelfer, Büro Serviceunternehmen, Immobilienmakler oder -verwalter ist die Vermögensschaden-Haftpflicht ein absolut sinnvoller Versicherungsschutz, denn ein Beratungs- oder Bewertungsfehler passiert oftmals schneller als man denkt.

    Kurz gesagt ist die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung eine Berufshaftpflichtversicherung für bestimmte Dienstleister oder Berufsgruppen, bei denen ein Berufsversehen in der Regel echte Vermögensschäden – nicht Personen- oder Sachschäden – zur Folge hat.

    Was sollte eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abdecken?
    Eine allgemeine Antwort gibt es darauf nicht, denn jeder Beruf birgt seine eigenen Risiken – daher ist auch individueller Versicherungsschutz gefragt. Ein Buchhalter benötigt einen anderen Versicherungsschutz als ein Gutachter oder Verein. Bei der LVM beispielsweise gibt es für die einzelnen Berufsgruppen unterschiedliche Versicherungskonzepte, damit Sie passgenauen Versicherungsschutz erhalten. Es ist also sehr wichtig, sich von einem Versicherungsfachmann beraten zu lassen.

    Reicht eine normale Betriebshaftpflichtversicherung nicht aus?
    Nein, denn die Betriebshaftpflichtversicherung sichert Sie in der Regel nur gegen Personen- und Sachschäden ab. Mitversichert sind zwar auch Vermögensschäden, aber diese ersetzen in der Regel nicht den Versicherungsschutz einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung ( z. B. Beratungsfehler). Überwiegend handelt es sich bei der Mitversicherung um Vermögensfolgeschäden – also Vermögensschäden, die aus einem Personen- oder Sachschaden entstehen.

    Ein Beispiel
    Im Rahmen Ihrer betrieblichen Tätigkeit verursachen Sie einen Verkehrsunfall. Ein Familienvater wird schwer verletzt und ist danach arbeitsunfähig. Die Betriebshaftpflicht übernimmt den Personen- und Sachschaden. Die Kosten für die Reha-Maßnahmen sowie die lebenslange Rentenzahlung aufgrund der Arbeitsunfähigkeit werden auch übernommen. Hierbei handelt es sich um einen Vermögensschaden, der in Folge des Personenschadens entstanden ist – im Versicherungsjargon auch als „unechter Vermögensschaden“ bekannt. Dieser ist über die normale Betriebshaftpflicht mitversichert.

    Über die Betriebshaftpflicht nicht mitversichert sind jedoch die „reinen Vermögensschäden“. Dies sind Schäden, die sich z. B. aus den Tätigkeiten wie Beraten, Verwalten oder Vermitteln ergeben. Daher ist in diesen Fällen für bestimmte Berufsgruppen eine zusätzliche Vermögensschaden Haftpflichtversicherung wichtig und teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben.

    Sie sind Mitglied im Verein oder im Vereinsvorstand tätig. Benötigen auch Vereine eine Vermögensschaden-Haftpflicht oder reicht eine Vereinshaftpflicht aus?
    Jeder Verein sollte eine Vereinshaftpflicht abgeschlossen haben. Wie auch bei der Betriebshaftpflichtversicherung schützt diese in der Regel jedoch nur gegen Personen- und Sachschäden. Reine Vermögensschäden sind meist nicht mitversichert. Daher ist auch für Vereine eine Vermögensschaden- Haftpflichtversicherung sinnvoll, denn sie schützt das Vereinsvermögen. Hierbei sind in der Regel neben Vorstand und Geschäftsführer alle Vereinsmitglieder, die haupt- oder ehrenamtlich im Verein in satzungsgemäßem Auftrag tätig sind – auch Abteilungsleiter, Jugendwarte und Trainer, mitversichert. Die Versicherung tritt auch ein, wenn durch Versäumnisse oder Fehlentscheidungen des z. B. Vereinsvorstandes dem Verein ein unmittelbarer Vermögensschaden entsteht.

    Wie kann ein möglicher Schaden aussehen?

    Schäden bei Dritten
    ◗◗ Der Verein stellt eine falsche Steuerbescheinigung aus. Der Spender erhielt daraufhin keine steuerliche Begünstigung.

    Schäden am Vereinsvermögen (Eigenschäden)
    ◗◗ Der Vereinskassierer ließ den Einzug von Beiträgen verjähren und wurde vom Verein für den Ausfall in Anspruch genommen.

    ◗◗  Der Schatzmeister reichte Anträge auf öffentliche Förderung zu spät ein. Dadurch verfiel der Anspruch des Vereins auf Zuschüsse und der Schatzmeister sollte den Verlust begleichen.

    ◗◗ Gegen einen Handwerker bestanden berechtigte Gewährleistungsansprüche, die der Vorstand aber zu spät geltend machte. Der Vorstand wurde hierfür in Regress genommen.

    Öffentlich-rechtliche Ansprüche
    ◗◗ Spendengelder wurden fehlerhaft behandelt. Es kam zum rückwirkenden Verlust der Gemeinnützigkeit. Das Finanzamt nahm die Vorstandsmitglieder direkt in Anspruch.

    Tipp: Lassen Sie Ihren Versicherungsschutz regelmäßig überprüfen, damit Sie im Falle eines Schadens optimal geschützt sind. Gerade wenn es um das Thema Vermögensschäden geht, ist eine Beratung von einem Versicherungsfachmann unerlässlich.

    ■ Jutta Hülsmeyer


1/2019 Urlaubsabgeltung bei Tod des Arbeitnehmers im laufenden Arbeitsverhältnis

  • Endet das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Arbeitnehmers, haben dessen Erben nach § 1922 Abs. 1 BGB iVm. § 7 Abs. 4 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) Anspruch auf Abgeltung des von dem Erblasser nicht genommenen Urlaubs.

    Die Klägerin ist Alleinerbin ihres am 20. Dezember 2010 verstorbenen Ehemanns (Erblasser), dessen Arbeitsverhältnis mit der Beklagten durch seinen Tod endete. Nach § 26 des auf das Arbeitsverhältnis anwendbaren Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) standen dem Erblasser in jedem Kalenderjahr 30 Arbeitstage Urlaub zu. Der Erblasser wurde mit Wirkung vom 18. August 2010 als schwerbehinderter Mensch anerkannt. Er hatte danach gemäß § 125 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 SGB IX alte Fassung (a.F.) für das Jahr 2010 Anspruch auf anteiligen Zusatzurlaub von zwei Arbeitstagen. Die Klägerin verlangt die Abgeltung des Resturlaubs von insgesamt 25 Arbeitstagen, der ihrem verstorbenen Ehemann zum Zeitpunkt seines Todes für das Jahr 2010 noch zustand.

    Die Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben. Die Revision der Beklagten hatte vor dem Neunten Senat des Bundesarbeitsgerichts keinen Erfolg. Die Beklagte hat den nicht gewährten Urlaub des Erblassers mit einem Betrag in Höhe von 5.857,75 Euro brutto abzugelten.

    Urlaub, der wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht genommen werden kann, ist nach § 7 Abs. 4 BUrlG abzugelten. Die nach dem europäischen Unionsrecht gebotene Auslegung von §§ 1, 7 Abs. 4 BUrlG ergibt, dass der Resturlaub auch dann abzugelten ist, wenn das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Arbeitnehmers endet. Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat entschieden, dass der durch Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 2003/88/EG (Arbeitszeitrichtlinie) gewährleistete Anspruch auf bezahlten Mindestjahresurlaub nicht mit dem Tod des Arbeitnehmers im laufenden Arbeitsverhältnis untergehen darf, ohne dass ein Anspruch auf finanzielle Vergütung für diesen Urlaub besteht, der im Wege der Erbfolge auf den Rechtsnachfolger des Arbeitnehmers überzugehen hat (EuGH 6. November 2018 - C-569/16 und C-570/16 - [Bauer und Willmeroth]). Daraus folgt für die richtlinienkonforme Auslegung von §§ 1, 7 Abs. 4 BUrlG, dass die Vergütungskomponente des Anspruchs auf den vor dem Tod nicht mehr genommenen Jahresurlaub als Bestandteil des Vermögens Teil der Erbmasse wird. Der Abgeltungsanspruch der Erben umfasst dabei nicht nur den Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub nach §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG von 24 Werktagen, sondern auch den Anspruch auf Zusatzurlaub für schwerbehinderte Menschen nach § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX a.F. sowie den Anspruch auf Urlaub nach § 26 TVöD, der den gesetzlichen Mindesturlaub übersteigt. Dem TVöD lässt sich nicht entnehmen, dass dem Erben das Verfallrisiko für den tariflichen Mehrurlaub bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Tod des Arbeitnehmers zugewiesen ist. 

    Quelle: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22. Januar 2019 - 9 AZR 45/16 - Vorinstanz: Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 15. Dezember 2015 - 3 Sa 21/15 -

    ■ Margarete Lindenblatt


1/2019 Steuerbefreite private Nutzung eines betrieblichen Fahrrads oder Elektrofahrrads

  • Zur Förderung der Elektromobilität und der umweltverträglichen Mobilität sieht das Einkommensteuergesetz bereits die Steuerfreiheit für bestimmte Arbeitgeberleistungen vor, so etwa für den vom Arbeitgeber gestellten Ladestrom und die betriebliche Ladevorrichtung für entsprechende Fahrzeuge.

    Künftig gilt dies auch für den geldwerten Vorteil aus der unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung eines betrieblichen Fahrrads oder Elektrofahrrades vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer. Ist ein Elektrofahrrad verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeug einzuordnen (Elektrofahrräder, deren Motor auch Geschwindigkeiten über 25 Kilometer pro Stunde unterstützt, gelten als Kraftfahrzeuge), sind für die Bewertung dieses geldwerten Vorteils die Regelungen der Dienstwagenbesteuerung anzuwenden. Nutzen Betriebsinhaber ein betriebliches Fahrrad, ist die private Nutzung nicht als Entnahme zu erfassen.

    Quelle: Bundesministerium für Finanzen (BMF) Änderung zum Jahresbeginn 2019

    ■ Margarete Lindenblatt


1/2019 Das dritte Geschlecht bei Stellenausschreibungen

  • Unternehmen müssen bei der Formulierung ihrer Stellenausschreibungen seit dem 1. Januar 2019 ein neues, drittes Geschlecht berücksichtigen.

    Dies ist die Folge eines Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017. Das Gericht entschied, dass Personen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, ein drittes Geschlecht („divers“) im Personenstandsregister ermöglicht werden muss. Unternehmen, die dies in ihren Stellenausschreibungen nicht berücksichtigen, verstoßen gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und riskieren damit eine Strafe wegen Diskriminierung.

    Der Rat für deutsche Rechtschreibung stellte im November 2018 fest, dass die gesellschaftliche Diskussion über die Frage, wie neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht oder weitere Geschlechter angemessen bezeichnet werden können, sehr kontrovers verläuft. Dennoch hätten die Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, das Recht auf eine angemessene sprachliche Bezeichnung in der geschriebenen Sprache.

    Die Beobachtung der geschriebenen Sprache zeigt dazu derzeit neben verschiedenen grammatischen (generisches Maskulinum, Passivkonstruktionen usw.) verschiedene orthografische Ausdrucksmittel wie

    ◗◗ Unterstrich (Gender-Gap), z. B. Mitarbeiter_innen,

    ◗◗ Genderstern (Asterisk), z. B. Mitarbeiter*innen oder

    ◗◗ den Zusatz männlich, weiblich, divers nach dem generischen Maskulinum, z. B. Mitarbeiter (m/w/d).

    Diese entsprechen in unterschiedlichem Umfang den Kriterien für geschlechtergerechte Schreibung.
    Der Rat weist auf die verschiedenen Schreibweisen hin, hat sich aber (bislang) gegen die Empfehlung einer einzelnen Schreibweise ausgesprochen.

    Quelle: Bundesministerium für Finanzen (BMF) Änderung zum Jahresbeginn 2019

    ■ Margarete Lindenblatt

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