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2/2019 Konrad & Konrad im Dialog: Digitalisierung - auch nur ein Substantiv!

  • Am Begriff Digitalisierung kommt der Mensch derzeit ja kaum vorbei – weder im Berufsleben noch in der Freizeit. Und so stand ich dann kürzlich ziemlich mitten in Deutschland (in Bad Hersfeld) und mitten im Thema: Vor dem Konrad-Zuse Denkmal.

    Denn im Stiftsbezirk von Bad Hersfeld, direkt vor dem Katharinenturm, wurde dem Computer-Pionier Konrad Zuse ein Denkmal errichtet.

    Ja, Sie ahnen es bereits: Digitalisierung ist nicht etwa eine Erfindung des 21. Jahrhunderts – ganz im Gegenteil: Ihre Anfänge lassen sich bereits über vier Jahrhunderte früher finden, mit der Geburtsstunde des Binärcodes. Eine der grundlegenden Voraussetzungen der Digitalisierung ist das binäre Zahlensystem. Im Dualsystem werden zur Darstellung von Zahlen nur 1 und 0 verwendet. Die Digitaltechnik basiert auf Binärcodes, also auf zwei gegensätzlichen Zuständen, um einfache Schaltungen zu bauen. Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716) entwickelte Ende des 17. Jahrhunderts ein binäres Zahlensystem. Vorläufer gab es allerdings auch schon in Indien und China …

    Doch zurück zu Konrad Zuse: Mit der Entwicklung, Konstruktion und Errichtung der ersten funktionsfähigen Rechenmaschinen (Z1-Z4), die jeweils auf den neuesten Schaltertechnologien aufbauten, schrieb er Forschungsgeschichte.

    Durch seine spätere Tätigkeit als Computerhersteller war er auch in großem Maße an der Einführung des Computers in Unternehmen der Wirtschaft beteiligt. Durch seine Spezifizierung der Programmiersprache „Plankalkül“ entwarf er die erste universelle Programmiersprache der Welt. Nach dem Krieg gründete Zuse in Neukirchen die Zuse KG, welche 1957 nach Bad Hersfeld verlegt wurde. In den nächsten Jahren baute die Firma insgesamt etwa 250 Computer. Ab 1964 stieg Zuse als Teilhaber aus der Firma aus und war als Berater und Autor tätig.

    Dem Konrad-Zuse-Denkmal zur Seite gestellt steht in Bad Hersfeld ein weiteres, das Konrad-Duden-Denkmal.

    Denn Konrad Duden wurde 1876 Direktor des königlichen Gymnasiums zu Hersfeld. Duden, der sich Zeit seines Lebens der deutschen Sprache widmete und sich für die Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung einsetzte, veröffentlichte in Bad Hersfeld 1880 sein wichtigstes Werk: „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der Deutschen Sprache“. Bis heute ist sein Standardwerk „Duden – Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter“ eines der wichtigsten Wörterbücher zur deutschen Orthografie.

    Als Grundsatz für seine Amtsführung als Direktor nannte Duden einen lateinischen Spruch, der frei übersetzt heißt: „Dort, wo es notwendig ist, Einheit der Meinung; dort, wo es verschiedene Möglichkeiten gibt, Freiheit der Entscheidung; immer jedoch Wohlwollen und Fürsorge.“

    Neben seinen pädagogischen Erfolgen war er ein guter Unterhalter, sein rheinischer Humor war ebenso geschätzt wie seine witzigen Ansprachen zu unterschiedlichen Gelegenheiten.

    Interessant wäre sicherlich, was uns die beiden Herrschaften zum heutigen Stand der Dinge sagen würden, wenn sie es denn könnten! Die folgenden Zitate sprechen auf jeden Fall dafür, dass sie eine sehr klare Sicht der Dinge hatten!

    ■ Karsten van Husen


2/2019 Gelassenheit durch Achtsamkeit - Stress lass nach!

  • Hand aufs Herz. Welche Bilder haben Sie im Kopf, wenn Ihnen jemand etwas von Achtsamkeit erzählt? In vielen Diskussionen hört man die eine Fraktion, die von esoterischem Humbug spricht und die andere Fraktion, die vielleicht durch eigene Erfahrungen geprägt, das Thema Achtsamkeit vehement verteidigt.

    Doch was bedeutet Achtsamkeit überhaupt?
    Achtsamkeit ist eine Form von Aufmerksamkeit oder um es mit den Worten des Achtsamkeitsexperten Jon Kabat Zinn zu sagen: „Achtsamkeit bedeutet: auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein, bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen.“

    Bei dieser Gelegenheit noch ein, zwei kurze Fragen: Wissen Sie eigentlich noch, wie genau Sie heute zur Arbeit gekommen sind? Hiermit meine ich jetzt nicht das Verkehrsmittel, sondern eher alles, was so drum herum war, wie z. B. die Menschen an der Bushaltestelle, die Umgebung auf Ihrer Wegstrecke etc. Und wie hat eigentlich Ihr Frühstück geschmeckt? Ich meine so richtig geschmeckt, in einzelnen Nuancen? Könnten Sie es beschreiben oder gar nachfühlen? Wenn Sie diese Fragen beantworten können, sind Sie wahrscheinlich schon ein sehr achtsamer Mensch. In der Regel haben aber die meisten Menschen gerade bei sich wiederholenden Tätigkeiten eher den „Autopiloten“ an.

    In unseren Breitengraden wurden die ersten wissenschaftlichen Studien zum Thema Achtsamkeit in den 70er Jahren durchgeführt. Einige Aspekte aus der Achtsamkeit, die ursprünglich im Buddhismus beheimatet war, hatten zu jener Zeit bereits Erfolge in verschiedenen Psychotherapieformen gebracht. Einen entscheidenden Einfluss hatte hier der o. g. Molekularbiologe Jon Kabat Zinn, der die Elemente in Achtsamkeitstrainings zunächst bei Patienten mit chronischen Schmerzen anwandte. Im Laufe der Jahrzehnte erweiterte sich aufgrund der wissenschaftlich nachweisbaren Erfolge das Einsatzspektrum für Achtsamkeitstechniken.

    Die Elemente des Achtsamkeitstrainings sind Meditationen, Körperwahrnehmungsübungen und Alltagsrituale, was tatsächlich auf den ersten Blick erst einmal esoterisch scheint, aber bei näherer Betrachtung der Wirkmechanismen unseres Gehirns Sinn macht.

    Diese Techniken hier im Einzelnen aufzuführen, würde den Umfang des Artikels leider deutlich sprengen. Im Internet finden sich vielfältige Übungsanleitungen, die es Einsteigern leicht machen, sich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen. Die sicherste Methode ist allerdings, bei einem erfahrenen Achtsamkeitstrainer ein Seminar zu buchen. Diese Seminare werden im Rahmen von Präventionsprogrammen sogar von einigen Krankenkassen bezuschusst.

    Doch wie hilft uns das jetzt im Alltag weiter?
    Nehmen wir einmal den Aspekt der Fokussierung. Es fällt uns aufgrund der vielfältigen Anforderungen, die täglich und vor allem oft gleichzeitig auf uns einprasseln immer schwerer, uns auf eine Sache zu fokussieren.

    Multitasking ist in aller Munde, doch unser Gehirn ist nicht dazu fähig, zwei Dinge auf einmal, also wirklich gleichzeitig zu tun. Wir haben zwar das Gefühl, dass wir zwei Dinge gleichzeitig tun (z. B. den Kaffee trinken und dabei Mails lesen), aber das Gehirn hat die Fähigkeit, blitzschnell zwischen diesen Dingen hin- und her zu schalten. Dies geschieht zwar so schnell, dass wir es nicht wahrnehmen, geht aber auf Kosten unserer Leistungsfähigkeit. Die Fehleranfälligkeit ist erhöht, die Effizienz sinkt und Stress ist die Folge.

    Achtsamkeitstechniken lenken unsere Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und trainieren uns dazu, das was wir wahrnehmen, bewusster wahrzunehmen. Zu fokussieren, zu spüren, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen.

    Neben der bewussten Wahrnehmung lehren die Achtsamkeitstechniken, das Wahrgenommene nicht zu bewerten. Und genau hier liegt ein Kern-, aber auch ein Knackpunkt der Achtsamkeit. Wir alle sind geprägt durch unsere früheren Erfahrungen, Erziehung und Glaubenssätze, die uns vermittelt wurden. Eine wertfreie Betrachtung einer Situation ist daher sehr schwierig, da auch dort unser Autopilot ständig Interpretationen liefert.

    Ist einmal eine Interpretation für eine Situation und/oder für Handlungen gefunden, entwickelt sich diese schnell zu einem verfestigten Denkmuster, denn unser Gehirn „kennt“ ja diese Situation, diese Handlung. Leider sind diese Denkmuster auch des öfteren negativ, so nach dem Motto „immer“ drückt sich Kollege Meier vor Sonderaufgaben, „immer“ springt die Ampel auf rot und „immer“ ist meine Warteschlange die langsamste. Hier hilft uns das Achtsamkeitstraining, diese Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen und wertfrei wahrzunehmen. Hierdurch kommen wir auch unseren Gefühlen auf die Spur, die uns in bestimmten Situationen mal mehr oder weniger überfallen. Im Laufe der Zeit werden Sie sich dadurch immer besser kennenlernen und bewusst und wertfrei wahrnehmen, auf welche Art Sie in bestimmten Situationen reagieren.

    Das kann durchaus manchmal unangenehm sein, denn auch negative Gefühle werden ja erst einmal zugelassen, betrachtet und nicht sofort wieder zugeschüttet. Mit der Zeit lernt man den Umgang mit diesen Gefühlen, was wiederum zu mehr Gelassenheit, größerer Widerstandsfähigkeit und weniger Stress führt.

    Die größte Herausforderung bei allem ist, die Techniken dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Hierbei ist kein sportlicher Ehrgeiz gefragt. Auch die Minutenmeditation oder die kleine Körperübung ist ein Schritt in die richtige Richtung.

    Wie kann uns Achtsamkeit auch im Berufsalltag nun helfen?
    In Summe, mehr Fokus, weniger Stress, mehr Kenntnis über uns selbst und konfliktfreiere Kommunikation. Wenn das kein guter Grund ist, sich mit dem Thema Achtsamkeit etwas tiefer zu beschäftigen. Setzen Sie sich nicht unter Druck, aber bleiben Sie am Ball.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und werde jetzt, bevor ich weiterarbeite noch einmal intensiv und achtsam an meinem hervorragend duftenden Früchtetee riechen, bevor ich mich fokussiert weiter an die Arbeit begebe.

    ■ Silvia Wiefel


2/2019 Alle reden über Bitcoin - Wie attraktiv ist die virtuelle Währung und was steckt eigentlich an Technologie dahinter?

  • Der Bitcoin ist wohl das bekannteste, komplett digitale Zahlungsmittel und ist immer wieder in den Medien. Im Hintergrund steckt eine sehr interessante und spannende Technologie namens Blockchain. Doch wie zukunftsträchtig sind diese Systeme? Und kann man darauf vertrauen?

    Was ist eigentlich dieses „Blockchain“?
    Um den Bitcoin zu verstehen, muss man kurz in die Idee der Blockchain Technologie eintauchen. Die reine Übersetzung „Blockkette“ zeigt schon den wesentlichen Kern der Technologie. Hierbei werden Informationen oder Transaktionen in digitalen Datenblöcken abgespeichert, die wie in einem Chatverlauf aneinander gekettet sind. Die Besonderheit: Die Ketten liegen auf vielen unterschiedlichen Systemen in einem Netzwerk und zwar vollständig und in Gänze. Das bedeutet: Wer eine einzige dieser Ketten manipuliert, hat keinerlei Chance. Die Vielzahl an dezentralen Kopien bietet eine große Sicherheit. Die jeweilige Überprüfung der Datenblöcke wird natürlich durch entsprechende Technik gewährleistet. Ein Mensch muss hierfür nicht mehr tätig werden.

    Durch die dezentralen Überwachungen der Daten soll eine Blockchain Transaktionen ohne die Einbindung zentraler Organisationen ermöglichen und absichern. Es gibt verschiedene Anwendungsbeispiele für die Abwicklung revisionssicherer Geschäftsprozesse, für die automatisierte Steuerung von Lieferketten oder auch für smartes Parken in Innenstädten. Eines der bekanntesten Beispiele für eine Blockchain-Technologie ist die Umsetzung der Internetwährung Bitcoin.

    Zahlungen im Internet ohne zentrale Instanzen – ist das überhaupt möglich?
    Zahlungen analog gehen ganz einfach. Für die Bezahlung nehme ich einen passenden Geldschein aus meinem Portemonnaie und reiche ihn über die Ladentheke. Bei Onlineüberweisungen wird es schon etwas komplizierter. Hierfür benötige ich ein Online-Banking meiner Bank oder einen anderen Zahlungsanbieter, der mir eine entsprechende Anwendung zur Verfügung stellt. Bis die Zahlung beim Gegenüber angekommen ist, sind mehrere Instanzen eingebunden, die die Transaktion sicher durchführen. Doch wenn sich mein Zahlungspartner im entfernten Ausland befindet, oder die Zahlungssumme außergewöhnlich hoch ist, dann wird meine Transaktion gegebenenfalls sehr aufwändig und teuer. Hier hat der Bitcoin unter anderem seine Vorteile.

    Die Idee ist einfach. Person A schickt Person B einen gewissen Betrag an Geld, ohne Finanzinstitute dazwischen, von überall auf der Welt und das sogar anonym. Klingt erst einmal verlockend. Umgesetzt wird dies durch eine Blockchain Technologie, mit vielen Überwachungsinstanzen, so genannten „Minern“ auf dem gesamten Globus verteilt. Diese Miner müssen bestätigen, dass die Transaktionen richtig sind. Hierfür müssen die gut verschlüsselten Blöcke erst einmal geknackt werden. Hierfür müssen sehr komplexe Rechenaufgaben gelöst werden, die nur von sehr performanten Serversystemen bewältigt werden können.

    Ist es einem Miner gelungen den Datenblock zu entschlüsseln, werden die jeweiligen Transaktionen gelesen, überprüft und dann an alle weiteren Überwachungsorgane geteilt, damit die Datenketten wieder vollständig als Kopien überall gespeichert sind. Erst dann ist die Transaktion erfolgreich durchlaufen. Dieses Mining ist sehr aufwändig. Damit die Nutzer dennoch in gefühlter Echtzeit ihre Transaktionen ausführen können, werden sehr viele Kapazitäten in riesigen Rechenzentren benötigt. Einer der großen Kritikpunkte ist der hierfür benötigte Stromverbrauch.

    Warum sind Bitcoins so teuer?
    Früher war diese Geldeinheit für kleinere Internettransaktionen bekannt, mittlerweile hat der Bitcoin viele Spekulanten angelockt. Mittlerweile ist ein Bitcoin über 5.000 Euro wert. Doch der Kurs ist sehr volatil. Durch die Preisschwankungen kann ein Investment in Bitcoins nicht als sichere Anlage verstanden werden. Es sind sehr hohe Gewinne, aber auch sehr hohe Verluste möglich.

    Der Wert der Bitcoins wird allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt, es gibt keine Regierungen oder Zentralbanken im Hintergrund, die für diese Währung bürgen. Eine der Ursachen für den aktuell hohen Wert ist sicherlich die begrenzte Menge an Bitcoins. Während in anderen Währungsräumen Zentralbanken die Menge der „gedruckten“ Zahlungsmittel steuern, ist die Menge an Bitcoins mit einer Obergrenze von rund 21 Millionen Bitcoins gedeckelt. Durch die künstliche Verknappung wird der Bitcoin als begrenztes Zahlungsmittel wahrgenommen und wirkt dadurch wertvoll.

    Ist die Anwendung von Bitcoins überhaupt sicher?
    Grundsätzlich überwacht das dezentrale System die Transaktionen. Man könnte also davon ausgehen, dass die Geldtransfers dementsprechend sicher sind. Es gibt aber negative Aspekte, deren man sich bei der Nutzung von Bitcoins bewusst sein muss.

    Die Anwender selbst bleiben anonym. Das digitale Portemonnaie namens „Wallet“ wird mit einer Adresse aus Nummern und Zahlen dem Anwender zugewiesen. Dadurch bleibt die Privatsphäre geschützt. Während aber in einem richtigen Bankinstitut das Konto durch die Bankeninfrastruktur abgesichert und durch entsprechende Versicherungen geschützt ist, sind bei Bitcoins die Nutzer selbst für den Schutz ihres Wallets verantwortlich. Die Aufbewahrung ist technisch anspruchsvoll, der Erwerb von Bitcoins nicht unbedingt selbsterklärend. Und wie so oft tummeln sich in Bereichen mit hilfesuchenden Menschen bereits Kriminelle, die Unwissenheiten ausnutzen. Es ist also Vorsicht geboten: Bereits getätigte Transkationen sind nicht so einfach rückgängig zu machen.

    Ein kleines Fazit zum Thema Bitcoin und Blockchain:
    Der Blockchain-Ansatz ist sehr interessant. Es gibt viele denkbare Anwendungsfälle bei denen ein Blockchain-System gut unterstützen kann, wohl wissend, dass eine Umsetzung sehr aufwändig ist, viele Ressourcen benötigt werden und auch gut abgesichert sein muss.

    Auch der Bitcoin ist spannend. Die Technologie und das Netzwerk lädt zum ausprobieren ein, wenn nicht der Preis so groß wäre und die Nachhaltigkeit durch den Stromverbrauch darunter leidet. Und wo bleibt eigentlich die Vertrauensbeziehung in der anonymen Welt der Bitcoins? Meine Bank ist doch viel mehr als nur der reine Zahlungsverkehr. Wo bei meinen Ansprechpartnern in der Bank gute Beratung zu finden ist, lauern im Internet als „Bitcoin-Berater“ getarnte Kriminelle auf mich. In einer so verteilten Welt ist eine gute Vertrauensbeziehung mit professionellen Organisationen wohl nicht mit eingeplant.

    ■ Anna Juliana Bohr


2/2019 Steuerliches Aus für bedingungslose Firmenwagennutzung bei "Minijob" im Ehegattenbetrieb

  • Die Überlassung eines Firmen-PKW zur uneingeschränkten Privatnutzung ohne Selbstbeteiligung ist bei einem „Minijob“-Beschäftigungsverhältnis unter Ehegatten fremdunüblich. Der Arbeitsvertrag ist daher steuerlich nicht anzuerkennen, wie der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden hat.

    Im Streitfall beschäftigte der gewerblich tätige Kläger seine Ehefrau als Büro- und Kurierkraft mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von neun Stunden mit einem Monatslohn von 400 €. Im Rahmen des Arbeitsvertrages überließ er ihr einen PKW zur uneingeschränkten Privatnutzung. Den darin liegenden geldwerten Vorteil, der nach der sog. 1 %-Methode ermittelt wurde, rechnete der Kläger auf den monatlichen Lohnanspruch von 400 € an und zog seinerseits den vereinbarten Arbeitslohn als Betriebsausgabe bei seinen Einkünften aus Gewerbebetrieb ab. Das Finanzamt erkannte das Arbeitsverhältnis steuerlich jedoch nicht an, da die Entlohnung in Gestalt einer PKW-Überlassung im Rahmen eines „Minijobs“ einem Fremdvergleich nicht standhalte. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage dagegen statt.

    Auf die Revision des Finanzamtes hob der Bundesfinanzhof die Entscheidung des Finanzgerichts auf und ging von einer fremdunüblichen Ausgestaltung des Arbeitsverhältnisses aus. Arbeitsverträge zwischen nahen Angehörigen müssen für die steuerrechtliche Beurteilung sowohl hinsichtlich der wesentlichen Vereinbarungen als auch der Durchführung denjenigen Maßstäben entsprechen, die fremde Dritte vereinbaren würden. Nach diesen Grundsätzen hielt der BFH jedenfalls eine uneingeschränkte und zudem selbstbeteiligungsfreie Nutzungsüberlassung eines Firmenwagens für Privatfahrten an einen familienfremden „Minijobber“ für ausgeschlossen. Denn ein Arbeitgeber werde im Regelfall nur dann bereit sein, einem Arbeitnehmer die private Nutzung eines Dienstfahrzeugs zu gestatten, wenn die hierfür kalkulierten Kosten (u. a. Kraftstoff für Privatfahrten) zuzüglich des Barlohns in einem angemessenen Verhältnis zum Wert der erwarteten Arbeitsleistung stünden. Bei einer lediglich geringfügig entlohnten Arbeitsleistung steige das Risiko des Arbeitgebers, dass sich die Überlassung eines Firmenfahrzeugs für ihn wegen einer nicht abschätzbaren Intensivnutzung durch den Arbeitnehmer nicht mehr wirtschaftlich lohne. Unerheblich war insoweit für den Bundesfinanzhof, dass die Ehefrau für ihre dienstlichen Aufgaben im Betrieb auf die Nutzung eines PKW angewiesen war.

    Quelle: Bundesfinanzhof, Urteil vom 10.10.2018 –XR 44 45/17–Entscheidungen
    online Nr. 8 vom 26. Februar 2019

    ■ Margarete Lindenblatt


2/2019 Chancen nutzen!

  • Viele Unternehmer kleiner und mittelständischer Betriebe sind auf die Mitarbeit des Ehe- oder Lebenspartners angewiesen. Nicht selten erfolgt diese Mitarbeit unentgeltlich und ohne Arbeitsvertrag.
    Dabei kann es aus betrieblicher Sicht für den Unternehmer durchaus von Vorteil sein, den Ehe- oder Lebenspartner offiziell mit einem Arbeitsvertrag anzustellen. So kann z.B. das zu zahlende Gehalt als Betriebsausgabe abgesetzt werden und der Verdienst ist steuerfrei, sofern die Anstellung im Rahmen eines steuerfreien Minijobs erfolgt.

    Arbeitsvertrag clever gestalten
    Da Arbeitsverträge von Ehepartnern von der Finanzverwaltung besonders kritisch geprüft werden, muss es sich nachweislich um ein „ernsthaftes“ Arbeitsverhältnis handeln. Das kann dem Finanzamt anhand eines schriftlichen Standard Anstellungsvertrages nachgewiesen werden.
    Selbstverständlich müssen die im Arbeitsvertrag getroffenen Vereinbarungen auch umgesetzt werden. So muss der angestellte Ehe- oder Lebenspartner die vereinbarte Arbeitsleistung tatsächlich erbringen und der Arbeitgeber hierfür das entsprechende Gehalt zahlen. Die Gehaltszahlung sollte idealerweise auf ein eigenes Konto des Arbeitnehmers erfolgen, um Rückfragen vom Finanzamt zu vermeiden.

    Der Ehegattenarbeitsvertrag muss außerdem einem Fremdvergleich standhalten. Dies bedeutet, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich bei den vereinbarten Konditionen, wie Gehaltshöhe oder Anzahl der Urlaubstage, an das halten müssen, was üblich ist, um vom Finanzamt anerkannt zu werden.

    Zur Wahrung der Fremdüblichkeit (Gleichbehandlungsgrundsatz) müssen andere Arbeitnehmer des Betriebes in gleicher Weise von Vergünstigungen profitieren können, z.B. in Bezug auf steuerfreie Gehaltsextras wie die private Nutzung eines Diensthandys oder auch der betrieblichen Altersversorgung.

    Zusätzliche Altersversorgung sichern
    Gerade die Altersversorgung des mitarbeitenden Unternehmer-Ehepartners kommt oft zu kurz. Die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung sind oftmals nur gering und es besteht noch keine ausreichende zusätzliche Altersversorgung. Die betriebliche Altersversorgung bietet hier eine attraktive Lösung, staatlich gefördert und Insolvenz geschützt eine eigene Altersvorsorge aufzubauen.

    Die Aufwendungen des Arbeitgebers sind in voller Höhe als Betriebsausgaben abzugsfähig. Bei einem Vergleich des tatsächlichen Aufwands für den Arbeitgeber in Höhe von 594,65 € mit dem Zufluss beim Arbeitnehmer in Höhe von 698,30 € ergibt sich ein Vorteil in Höhe von 100 €.

    Die Entscheidung, ob die Anstellung als Minijob oder als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erfolgen soll, muss gut überlegt sein. Auch ist der Steuerberater der richtige Ansprechpartner, damit der Arbeitsvertrag der Prüfung des Finanzamtes stand hält.

    Statusfeststellung: Ist der beschäftigte Partner sozialversicherungspflichtig?
    Durch die Anstellung mit einem Arbeitsvertrag wird der Ehegatte in der Regel rentenversicherungspflichtig. Bei der Anmeldung zur Sozialversicherung müssen Arbeitgeber zusätzlich angeben, ob zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Beziehung als Ehegatte oder Lebenspartner besteht. Durch diese Angabe wird das obligatorische Statusfeststellungsverfahren ausgelöst. Die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin prüft dann die Versicherungspflicht mitarbeitender Partner. Es geht hierbei darum, zu klären, ob eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als abhängig Beschäftigter vorliegt oder als Mitunternehmer.

    Vorteile durch Pflichtmitgliedschaft
    Durch die Pflichtmitgliedschaft des Ehepartners in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung besteht unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Alters- und Erwerbsminderungsrente. Weitere Vorteile sind ggf. Ansprüche auf Kuren über die Deutsche Rentenversicherung, Leistung bei Berufsunfällen, Arbeitslosigkeit und ein eigener Krankengeldanspruch.

    Sofern der selbstständige Unternehmer sich künftig privat krankenversichern möchte, ist dies auch einfacher möglich, weil der angestellte Ehe- oder Lebenspartner selbst gesetzlich krankenversichert ist.

    Besonders in Familien mit Kindern kann sich die Beschäftigung des Ehepartners auszahlen. Dazu ist ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zwischen dem Arbeitgeber und dem mitarbeitenden Ehepartner nötig. Sofern alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, hat der mitarbeitende Ehepartner unter Umständen nun die Möglichkeit, die Kinder im Rahmen der Familienversicherung beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenversicherung mitzuversichern. Ob diese Möglichkeit gegeben ist, muss natürlich im Einzelfall immer geprüft werden.

    Um alle Chancen, die sich durch Beschäftigung des Ehe- oder Lebenspartners im eigenen Betrieb ergeben optimal zu nutzen, ist es ratsam, im Vorfeld mit einem kompetenten Steuerberater zu sprechen.

    FÜR DETAILLIERTE FRAGEN ZUM PRÜFUNGSVERFAHREN DER DEUTSCHEN RENTENVERSICHERUNG gibt es ein KOSTENLOSES SERVICETELEFON 0800 1000 480 70

    ■ Veronika Behrendt


2/2019 Wenn die Kauleiste zur Baustelle wird

  • Sorgfältiges Zähneputzen hin oder her – die eine oder andere Baustelle im Mund lässt sich einfach nicht vermeiden. Wohl aber böse finanzielle Überraschungen, die damit zusammen hängen.

    Was ist Zahnersatz überhaupt?
    Um Zahnersatz handelt es sich, wenn zwei Kriterien erfüllt sind: Zahnersatz ist alles, was über eine einfache Zahnfüllung hinausgeht und vom Zahntechniker hergestellt wird. Und Zahnersatz kann einen, mehrere oder alle eigenen Zähne ersetzen – entweder ganz oder zum Teil. Ist Zahnersatz nötig, liegt dies meist an Karies, einem Unfall, einer Krankheit oder altersbedingtem Verschleiß: Sie beschädigen die Zahnsubstanz oder lassen sie sogar verlorengehen.

    Welche Versorgungsmöglichkeiten gibt es?
    Die moderne Zahnmedizin bietet zahlreiche Therapien. Ob fest im Kiefer sitzend, wie zum Beispiel Kronen, Teilkronen, Brücken oder Implantate, oder herausnehmbar in Form einer Prothese – für jeden Patienten gibt es eine passende Zahnersatz-Lösung, um die Zahnreihen wieder zu schließen. Der Zahnarzt erhebt den Befund und erstellt einen Heil- und Kostenplan. Dabei berät er den Patienten zur sogenannten Regelversorgung – der Standardlösung der Krankenkassen – und den in Frage kommenden Alternativen.

    Beteiligt sich die GKV an den Kosten?
    Viele der Leistungen werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht oder nur zu einem Teil übernommen. Beispiel Zahnersatz: Die Kasse übernimmt häufig nur die Hälfte der Kosten für die Regelversorgung – also für eine Behandlung, die in erster Linie einfach und zweckmäßig ist. Ein fehlender Zahn wird durch eine Brücke oder Metallkrone ersetzt. Der Eigenanteil des Patienten ist hier noch relativ niedrig. Entscheidet er sich aber statt für eine Brücke für ein Implantat und statt für eine simple Krone aus Metall für eine aus unauffälliger Keramik, geht der Eigenanteil schnell ins Vierstellige. Zahnbehandlungen und Zahnersatz können somit zu einem teuren Vergnügen werden.

    Wie kann ich das Risiko absichern?
    Der tiefe Griff ins Portemonnaie muss nicht sein. Denn gesetzlich Krankenversicherte können eine sogenannte Zahnzusatzversicherung abschließen. Welche Leistungen die übernimmt, ist von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich.

    Worauf sollte man bei der Tarifwahl achten?
    Ganz klar: Der Tarif muss den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Zum einen kann sich der Versicherte überlegen, in welcher Höhe sich die Versicherung an den Kosten beteiligen soll: Möchte er eine Art Vollkaskoschutz und überhaupt keine Eigenbeteiligung? Oder reicht ein Tarif, der dafür sorgt, dass beispielsweise nur noch 20 Prozent der Kosten übrigbleiben – und bei dem der Monatsbeitrag dafür etwas preiswerter ist? Zum anderen geht es um die Frage, welche Leistungen mitversichert sind. Ein große Rolle spielt dabei das Thema Zahnersatz. Manche Tarife greifen aber auch bei Zahnbehandlungen, prophylaktische Leistungen, Schmerzausschaltung oder Kieferorthopädie – nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

    Die LVM-Krankenversicherung bietet bedarfsgerechte Tarife an. Welches Produkt sich am besten eignet, kommt letztlich auf die eigenen Wünsche an. Eine individuelle Beratung lohnt sich.

    ■ Andrea Weidemann


2/2019 Die Haftpflichtversicherung leistet mehr als Sie denken!

  • Grundsätzlich gilt: Wer anderen durch Unvorsichtigkeit oder Leichtsinn einen Schaden zufügt, muss dafür in voller Höhe aufkommen – und zwar mit seinem gesamten Vermögen.

    Das Verursachen eines Flecks auf dem Sofa eines Bekannten treibt die meisten Leute nicht gleich in den Ruin. Besitzen Sie eine private Haftpflichtversicherung, reichen Sie dort den Schaden ein, alles Weitere wird geregelt. Das Missgeschick ist für die Beteiligten schnell vergessen.

    Anders sieht es bei Schäden aus, die Personen betreffen. Verursachen Sie z. B. als Fußgänger oder Radfahrer einen Verkehrsunfall, kommt viel auf Sie zu – die Folgen können unter Umständen sogar den finanziellen Ruin bedeuten. Eine Haftpflichtversicherung für den Privatbereich bzw. eine Betriebshaftpflicht für Ihr Unternehmen ist daher ein Muss.

    Was leistet der Versicherer?
    Kommt es zu Schadenersatzansprüchen, prüft und zahlt der Versicherer den Schaden. Darüber hinaus schützt er Sie aber auch vor „unberechtigten Forderungen“. Sollte es hierbei zu einem Rechtsstreit kommen, führt der Versicherer den Prozess und trägt dafür die Kosten.

    Darüber hinaus steht Ihnen die Versicherung bei schwierigen Schadensfällen sogar jahrelang zur Seite.
    Insbesondere bei Personenschäden geht es um weit mehr als die Zahlung von Schmerzensgeld. Die Versicherung regelt Angelegenheiten wie z. B. Reha Maßnahmen, Sonderbetreuung oder lebenslange Rentenzahlungen.

    Zwei Fälle aus der Praxis sollen dies verdeutlichen:

    Fall 1: Ein 6-jähriges Kind spielte im Außenlager einer Schreinerei. Es löste sich ein Stück aus dem dort aufgestellten Holzstapel, der Stapel stürzte um und begrub das Kind unter sich. Das Kind zog sich schwerste Kopfverletzungen zu. Der Betriebsinhaber hatte das Kind zwar vorher gesehen, wollte jedoch den Spielspaß nicht unterbrechen. Die Folgen waren schwer: Das Kind lag mehrere Wochen im Koma. Klar war, dass die schweren Kopfverletzungen zu Entwicklungsverzögerungen und zu lebenslänglichen Beeinträchtigungen führen würden.

    Die Versicherung zahlte in diesem Fall nicht nur das hohe Schmerzensgeld und die hohen Behandlungskosten, sondern kümmerte sich um alles Weitere. Es wurde ein Reha-Manager eingeschaltet, um das Kind in der Entwicklung zu unterstützen sowie ein psychologischer Dienst, der die Familie betreute. Ein normaler Schulbesuch war für das Kind nicht mehr möglich – die Kosten für einen Fahrdienst zur Sonderschule wird die Versicherung ebenfalls für Jahre übernehmen.

    Fall 2: Der Bauunternehmer dichtete ein Leerrohr in der Bodenplatte eines Hauses nicht richtig ab und Wasser drang von außen in das Gebäude ein. Dies wurde jedoch erst zwei Jahre später bemerkt, als sich im Haus – welches in Holzständerweise gebaut war – Schimmel an den Wänden gebildet hatte.

    Die Versicherung des Bauunternehmers beauftragte einen Sachverständigen, der die Ursache des Schimmels feststellte. Um den Schaden zu beheben, musste das Haus komplett abgerissen und neu gebaut werden. Die Kosten wurden von der Versicherung übernommen. Ebenso die Kosten für den Aus- und Einzug und den Ersatz des beschädigten Hausrates sowie die Kosten für eine Ersatzunterkunft. Weiterhin beauftragte die Versicherung neben dem Sachverständigen auch einen Architekten, der den Abriss sowie den Neubau des Hauses komplett koordinierte.

    Wie aus den zwei Beispielen hervorgeht, leistet eine Privat- oder Betriebshaftpflichtversicherung weit mehr, als man als Laie vermutet. Sie begleitet unter Umständen geschädigte Personen jahrzehntelang – sie kümmert sich und unterstützt in Notfällen, und dies nicht nur finanziell.

    ■ Jutta Hülsmeyer


2/2019 E-Scooter - Beginn einer neuen Massenmobilität?

  • Anfang April hat der Bundestag den Weg frei gemacht für eine neue Klasse von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen, den sogenannten Elektrokleinstfahrzeugen. Das sind vereinfacht gesagt Tretroller mit Elektroantrieb, die unter der Bezeichnung E-Scooter bekannt sind. Diese durften bisher nur auf privatem Gelände genutzt werden. Bei Redaktionsschluss für diese IGU-Ausgabe war geplant, dass der Bundesrat der entsprechenden Elektrokleinstfahrzeuge Verordnung am 17. Mai zustimmt, die dann zeitnah mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft treten kann.

    E-Scooter werden also schon bald den Verkehr in deutschen Städten verändern. Ihre Anzahl wird schnell zunehmen. Denn sie sind für alle Altersgruppen gleichermaßen attraktiv und dürfen ohne Führerschein und Helm gefahren werden. Im europäischen Ausland sind sie zum Teil schon unterwegs, so zum Beispiel bei unseren direkten Nachbarn Belgien, Dänemark, Frankreich, Österreich und Schweiz.

    Es ist ein noch größerer Boom zu erwarten als bei Pedelecs, die binnen weniger Jahre zu einer festen Größe im Straßenverkehr geworden sind. Anders als Pedelecs sind E-Scooter echte Kraftfahrzeuge, die bestimmte gesetzliche Vorgaben hinsichtlich Lenkstange, Bremsen und Beleuchtung erfüllen müssen und die – das ist ganz wichtig – über eine Betriebserlaubnis (allgemeine Betriebserlaubnis oder Einzelbetriebserlaubnis) für den Straßenverkehr verfügen müssen. E-Scooter ohne Betriebserlaubnis dürfen wie bisher nur außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs genutzt werden.

    Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von E-Scootern beträgt maximal 20 km/h. Sie dürfen nicht auf Fußwegen oder in Fußgängerzonen fahren, sondern müssen Radwege und Radfahrstreifen nutzen. Dort wo diese nicht vorhanden sind, müssen sie auf der Straße fahren. Das Mindestalter für den Fahrer beträgt 14 Jahre.

    Der Halter eines solchen E-Scooters ist verpflichtet, eine Kfz Haftpflichtversicherung abzuschließen. Dafür gelten ähnliche Vorschriften wie für Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen: Die Versicherung kann für maximal ein Jahr geschlossen werden. Das Versicherungsjahr beginnt wie bei Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen am 1. März eines Jahres und endet im Februar des Folgejahres.

    Der Nachweis des Versicherungsschutzes erfolgt jedoch nicht durch ein Versicherungskennzeichen aus Blech, sondern durch eine am Fahrzeug anzubringende Versicherungsplakette aus einer Klebefolie. Die Versicherungsplakette ist ungefähr halb so groß wie ein Versicherungskennzeichen und je nach Verkehrsjahr in den Farben schwarz, blau oder grün bedruckt. Versicherungsplaketten können bei den Kfz-Versicherern erworben werden. Die LVM Versicherung als einer der günstigsten Anbieter für Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen bietet sie zum Beispiel zu deutlich günstigeren Beiträgen an als für Mofas und Roller.

    E-Scooter kommen also bald auf deutsche Straßen. Sie kommen aber nicht geräuschlos. Denn es wurde bis zuletzt hitzig diskutiert, wo sie im Verkehrsraum fahren sollen und wo nicht.

    Wenn ich die Diskussionen in den Medien verfolge, habe ich den Eindruck, als sehe man aktuell mehr Risiken als Chancen. Das ist allerdings meine ganz persönliche Wahrnehmung. Ich bin sicher, dass sich die Diskussion in eine andere Richtung bewegen wird. Denn die Chancen dieser neuen Fahrzeugart sind offensichtlich, zum Beispiel die Handlichkeit, die Möglichkeit kleinere Strecken zurückzulegen, ohne Auto oder Bus nutzen zu müssen, geringe Unterhaltskosten, kein Erfordernis für einen Führerschein und wer mag, darf auch auf einen Helm verzichten. Zu diesen rationalen Gründen gesellt sich noch etwas ganz Entscheidendes: der Fahrspaß. Wer einmal mit einem E-Scooter gefahren ist, der ist infiziert.

    ■ Rainer Rathmer


1/2019 Früher war alles besser?

  • Ja, wer sich so durch die täglichen Nachrichten liest und hört, könnte diesen Eindruck bekommen – doch es gibt auch erfrischend andere Sichtweisen, wie der folgende Lesetipp zeigt:

    Mit seiner beliebten Kolumne „Früher war alles schlechter“ beweist Guido Mingels den SPIEGEL-Lesern jede Woche aufs Neue, dass es der Welt trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht. Anhand einprägsamer Grafiken zeigt er zum Beispiel, dass die Verbreitung von Krankheiten wie Malaria stark zurückgeht; dass Fahrraddiebstähle oder Teenagerschwangerschaften immer seltener werden; oder dass rund um den Globus immer mehr Menschen Zugang zu Toiletten haben. Sein zweiter Kolumnenband versammelt nicht nur eine Fülle neuer überraschender Weltverbesserungsfakten, sondern bekräftigt auch die frohe Botschaft, dass es keinen Grund gibt, überall Zeichen für den Weltuntergang zu sehen:

    Hier ein kleiner Auszug:
    Zufriedenheit – Bitte ankreuzen:
    Sind Sie insgesamt gesehen, mit dem Leben, das Sie führen,

    sehr zufrieden

    ziemlich zufrieden

    nicht sehr zufrieden

    überhaupt nicht zufrieden

    Dies ist eine der Fragen, die das sogenannte Eurobarometer seit 1973 den Bürgern von EU-Ländern stellt. In Deutschland werden dafür zweimal jährlich jeweils 1500 Personen in Face-to-Face-Gesprächen und zu Hause interviewt. Betrachtet man die Ergebnisse im langen Rückblick, so zeigen sich drei nachvollziehbare deutsche Stimmungstiefs: I981 und 2003, als die Wirtschaft schwächelte und die Arbeitslosigkeit stieg, sowie in den ruppigen ]ahren nach der Wiedervereinigung, bis 1997.

    Warum aber sind die Deutschen in den vergangenen drei Jahren offenbar so glücklich wie noch nie seit 1973? 2014, 2015, 2016: Das ist die Blütezeit der Pegida-Märsche, der „Flüchtlingskrise“ und der Suche nach einer „Alternative für Deutschland“, das sind die Boomjahre der neurechten Populisten und der von Angst begleiteten Rückkehr terroristischer Anschläge in Westeuropa – und ausgerechnet in diesen drei Jahren sagen mehr als 90 Prozent der Deutschen, dass sie entweder sehr oder ziemlich zufrieden sind mit ihrem Leben? Das kann nur heißen: Es gibt auch ein Leben abseits der Schlagzeilen, und das ist gar nicht so schlecht. Die derzeit Zufriedensten sind übrigens die Dänen (97 Prozent), die Unzufriedensten die Griechen (38 Prozent).

    Mord und Totschlag – Je weniger Morde, desto mehr Krimis
    In einer berühmt gewordenen Studie hat der Gewalthistoriker Manuel Eisner die Mordraten verschiedener europäischer Länder seit dem I4. ]ahrhundert rekonstruiert. Seine Erkenntnisse zeigen, dass die Mordbelastung in Europa über die Jahrhunderte radikal gesunken ist.

    In den untersuchten Ländern, darunter auch Deutschland, lag die Rate in früheren Jahrhunderten in einem Korridor von rund 10 bis 100 Fällen pro 100 000 Einwohner, damit bis zu 100-mal höher als heute. Deutschland verzeichnete 2016 862 Opfer von Mord und Totschlag, das entspricht einer Tötung pro 100 000 Menschen oder etwa zwei Opfern pro Tag. Anders ausgedrückt: Angenommen, Deutschland würde noch heute eine Mordrate aufweisen, wie Eisner sie für das Mittelalter errechnet hat, so kämen hierzulande pro Jahr bis zu 80 000 Menschen gewaltsam zu Tode, mehr als 200 pro Tag. Mord war gestern.

    Denkt man nun aber daran, wie allgegenwärtig, wie unausweichlich, wie unsagbar überrepräsentiert Morde im Fernsehen, im Kino, in der Presse, in der Literatur und im Gesellschaftsgespräch sind – dann drängt sich der Verdacht auf, dass ein umgekehrt proportionales Verhältnis vorliegt: je weniger echte Morde, desto mehr fiktive. Jamaika etwa, das mit 43 Törungsdelikten pro 100 000 Einwohner (2015) eine der höchsten Mordraten der Welt aufweist, ist nicht für eine florierende Krimiproduktion bekannt.

    Skandinavische Länder hingegen, wo die Mordraten gegen Null tendieren, sind berühmt für ihre besonders blutrünstigen Crime-Autoren.

    Natürlich haben wir auch heute keine „heile Welt“, doch gibt es ebenso wenig das gern zitierte „Früher war alles besser“. Sehr interessant & lesenswert!

    *Quelle: DVA/Random House, 144 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abb., ISBN: 978-3-421-04834-9

    Karsten van Husen


1/2019 Auf dem Weg zur Online-Zulassung von Kfz

  • Es ist Sommer 1979. Ich habe mein erstes Auto gekauft. Ein alter VW Polo, orangefarben, mit nur 40 PS für heutige Verhältnisse schwach motorisiert. Der Rost – damals noch ein echtes Problem bei Autos – nagt schon leicht an der Karosserie. Egal, der Preis war gut. Jetzt nur noch auf meinen Namen ummelden.

    Ich fahre zum Straßenverkehrsamt, ziehe eine Wartenummer und warte. Ich warte ewig. Und das ist nicht nur ein subjektiver Eindruck. Es dauert wirklich ewig.

    Inzwischen sind fast 40 Jahre vergangen. Der Kunde zieht immer noch eine Nummer. Die Wartezeit ist kürzer. Wenn man vorab einen Termin vereinbart hat – das geht bequem online – geht’s besonders schnell. Binnen 15 Minuten ist man wieder draußen.

    Eine deutliche Verbesserung zu früher. Aber in der Regel ist immer noch der Weg zum Straßenverkehrsamt erforderlich. Die Straßenverkehrsbehörden arbeiten daran, die Prozesse noch weiter zu verbessern. Dazu hat man vor einiger Zeit damit begonnen, Zulassungsdokumente und Stempelplaketten für die Kennzeichenschilder mit verdeckten Sicherheitscodes zu versehen.

    Seit 2015 können so Fahrzeuge außer Betrieb gesetzt werden. Dazu rubbelt man die Sicherheitscodes frei. Ab diesem Zeitpunkt darf das Fahrzeug nicht mehr gefahren werden. Die frei gerubbelten Codes übermittelt man dann online über das Portal des zuständigen Straßenverkehrsamtes. Dafür ist ein neuer Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion erforderlich. Zusätzlich wird ein Kartenlesegerät benötigt, alternativ geht auch der Weg über ein Android Smartphone mit kostenloser „AusweisApp2“ (www.ausweisapp.bund.de).

    Ähnlich funktioniert die Wiederzulassung. Man übermittelt der Straßenverkehrsbehörde die freigerubbelten Codes, die elektronische Versicherungsbestätigung des Versicherers (eVB) und einige Daten zum Fahrzeug. Die Zulassungsunterlagen sowie die Stempelplaketten zum Aufkleben auf das Kennzeichen erhält man dann per Post von der Zulassungsstelle.

    Für 2019 plant der Gesetzgeber den nächsten Schritt. Die Online-Zulassung soll auf weitere Geschäftsvorgänge (jetzt auch Neuzulassung, Umschreibung und weitere Varianten der Wiederzulassung) ausgeweitet werden. Antragsbearbeitung und -entscheidung sollen für einige Zulassungsprozesse (Außerbetriebsetzung, Halterwechsel unter Kennzeichenbeibehaltung, Adressänderung) vollständig automatisiert werden. Bei der Umschreibung besteht dann für den neuen Halter die Möglichkeit, das Fahrzeug direkt nach Abschluss des internetbasierten Verfahrens in Betrieb zu nehmen.

    Der Bundesrat hat den dazu erforderlichen Änderungen der Fahrzeug- Zulassungsverordnung Mitte Februar zugestimmt. Die Änderungen treten somit voraussichtlich noch im Sommer 2019 in Kraft. Die Sache hat aber noch einen Haken: Zunächst werden nur die Zulassungsvorgänge für Privatpersonen geregelt. Erst in einem späteren Schritt ist die Ausweitung auf juristische Personen vorgesehen.

    Rainer Rathmer


1/2019 Über die aktuellen Herausforderungen IT-Fachkräfte zu finden

  • Wer gerade IT-Personal sucht, wird es merken – der Fachkräftemangel erschwert die Suche wie nie zuvor. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom gab es im Jahr 2018 herausfordernde 82.000 offene IT-Stellen, ganze 49 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch vor allem in Zeiten der Digitalisierung ist die Besetzung der Stellen wichtig.

    Man stelle sich vor: Der digitale Wandel schreitet voran, die Konkurrenz ist schon längst modern im Internet für Kunden zu finden und auf der eigenen To-do-Liste stapeln sich zahlreiche technische Neuerungswünsche. Aber wer soll sie verwirklichen? Die benötigte IT-Stelle ist schon längst ausgeschrieben, doch bei den Bewerbungen sieht es oft nicht rosig aus: Laut Bitkom-Studie dauert die Besetzung einer offenen IT-Stelle im Durchschnitt fünf Monate. 

    Kleine und mittelständische Unternehmen stehen bei der Bewerbersuche in Konkurrenz mit größeren Arbeitgebern. Internationale Karrieren und wechselnde Herausforderungen sind hier kaum möglich. Dafür finden Bewerber bei kleineren Unternehmen meist einen familiären Zusammenhalt. Letztendlich liegt es am Interessenten selbst, welcher Arbeitgeber attraktiver erscheint.

    Die Plattformen zur Suche nach Experten werden immer digitaler. Wo vor einiger Zeit noch die gute alte Zeitungsanzeige erfolgreich war, ist längst das Inserieren auf Online-Stellenportalen nicht mehr wegzudenken. Sogar das Platzieren in diversen Social-Media-Kanälen kann sehr hilfreich sein. Ähnlich des analogen Weitersagens funktioniert es hier: Durch Teilen-Funktionen verbreiten sich die Suchen von ganz allein.

    Viele Alternativen zur Personalsuche bleiben leider nicht. Selber auszubilden ist den meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht möglich. Externe Unterstützung, wie Beratungen oder Arbeitnehmerüberlassungen, können für IT Projekte eine gute Hilfe sein. Wer trotzdem nicht auf eigenes IT-Personal verzichten möchte, der sollte sich durch weitere Angebote als Arbeitgeber attraktiver machen: Ob mit sozialen Leistungen oder Vergünstigungen, oder mit dem Einsatz moderner Techniken für den Arbeitsalltag. Das Umfeld macht viel aus. Fragen Sie sich: Was macht Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber aus?

    Ein Ende des IT-Fachkräftemangel scheint nicht in Sicht. Experten vermuten eher eine Verschlechterung in den nächsten Jahren. Bis sich die Lage wieder entspannt, heißt es weitersuchen oder doch Alternativen nutzen.

    Anna Juliana Bohr

    Die IT-Branche in Zahlen:


1/2019 „Das war schon immer so..."

  • Kennen Sie das? Sie kommen morgens in Ihre Firma und die Anforderungen des Tages prasseln auf sie ein. Mitarbeitende möchten Entscheidungen von Ihnen, Kunden warten auf Rückruf und die neueste Gesetzesänderung, die ihre Branche betrifft, möchte auch bearbeitet werden. Die Auftragsbücher sind (hoffentlich) voll und das Leben nimmt seinen gewohnten Gang. Das ist ja nichts Neues, werden sie sicherlich denken. Das war ja schon immer so.

    Doch bleibt es auch so? Wir bewegen uns in einem Zeitalter, wo dieses „das war schon immer so“ gehörig auf den Prüfstand gestellt wird. Tagungsprogramme und Fachzeitschriften sind voll von Themen, die sich mit den Veränderungen durch die Digitalisierung ergeben. Welche davon tatsächlich eintreten werden, werden wir erst in Zukunft wissen. Eines kann man aber mit ziemlicher Sicherheit schon jetzt sagen: Mit dem Zeitalter der Digitalisierung ergeben sich für Firmeninhaber oder Führungskräfte immer neue Anforderungen in der Führung der Mitarbeitenden, die mit Methoden von klassischen Führungsmodellen nicht mehr oder nur eingeschränkt bewältigt werden können.
    Da es sich oft um ambivalente Spannungsfelder handelt, die mit großen Unsicherheiten und wenig Planbarkeit einhergehen, kann der Umgang mit diesen Spannungsfeldern eine echte Herausforderung sein.

    Spannungsfelder wie zum Beispiel:
    ◗◗ Wettbewerbsfähigkeit vs. Kostendruck
    ◗◗ Kurzfristiger Profit vs. langfristigem Erfolg
    ◗◗ Dynamik/Innovation vs. Sicherheit

    machen deutlich, dass es für Unternehmenslenker schwierig ist, ein Patenrezept zur Lösung in einem Marktumfeld zu finden, in dem Fünf-Jahres-Pläne schon morgen durch disruptive Innovationen überholt sein könnten.
    Nicht jeder der Mitarbeitenden und Führungskräfte kommt mit der Schnelligkeit der Veränderungen mit. Es gibt häufig eine große Bandbreite hinsichtlich der digitalen Kompetenzen oder auch hinsichtlich der Veränderungsbereitschaft der
    Einzelnen.
    Insbesondere den sog. Generationen Y und Z (geboren ab den späten 80er Jahren), die mit offener Kommunikation, mit Share-Economy und der Möglichkeit der jederzeitigen Beschaffung von Informationen aufgewachsen sind, wird nachgesagt, dass sie sich nicht damit abspeisen lassen, dass ihnen getroffene Entscheidungen nur mitgeteilt werden und sie diese auszuführen haben.

    Diese Generationen möchten das „Warum“ wissen, möchten wissen, wie es zu diesen Entscheidungen gekommen ist und möglichst vorab in die Entscheidungen eingebunden sein. Diese Form der Mitbestimmung kann man gut bei vielen Start-up-Unternehmen beobachten.
    Die Führungskraft von heute muss den Weg in die digitale Welt als Vorbild vorleben und ist damit oft selbst überfordert. Althergebrachte Führungsrollen als „Macher“ und „Bestimmer“ gelten in vielen Bereichen als überholt. Führungsrollen werden definiert mit Attributen wie Begleitende, Innovationstreiber und Ermöglicher.
    Doch was bedeutet dies konkret? Im Idealfall nehmen Sie die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden wahr und versuchen sie bestmöglich einzusetzen und zu entwickeln. Sie verstehen sich als Netzwerker und Visionär.
    Gleichzeitig müssen Sie sich immer wieder auf neue Gegebenheiten und Änderungen im Marktumfeld einstellen und müssen natürlich auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte gut im Blick behalten. Dies alles in einem Umfeld von hervorragend informierten Kunden, Wettbewerbern und auch Kritikern.
    Die Anspruchsgruppen erstarken und wer jemals einem Shitstorm ausgesetzt war, wird dem uneingeschränkt zustimmen. Die Digitalisierung bringt auch neue Formen der Teamarbeit mit sich. Die Arbeit in virtuellen Teams oder der häufige Wechsel von Präsenz und mobilem Arbeiten, wie z. B. im Homeoffice, erfordern neue Wege der Kommunikation.
    Auch das erfordert ein anderes Führungsverhalten, als wir es bei den klassischen Arbeitsmodellen mit einer physischen Anwesenheit von ca. 8 Stunden gewohnt sind.
    Angesichts dieser vielen Neuerungen ist es nicht verwunderlich, dass viele Unternehmenslenker und Führungskräfte das Gefühl haben, dass sie vor einem unüberwindbaren Berg von Herausforderungen stehen. Wird doch das Gewohnte und oft jahrzehntelang Praktizierte auf einmal über den Haufen geworfen. In einigen Branchen geschieht dies mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, während andere Branchen scheinbar kaum betroffen sind. Dies allerdings nur solange, bis die bereits erwähnte disruptive Innovation kommt.
    Doch aus diesen auf den ersten Blick verwirrenden und scheinbar manchmal unlösbaren Umständen ergeben sich auch große Chancen.
    Vertrauen Sie auf die Expertise Ihrer Mitarbeitenden und nutzen Sie deren Erfahrung. Das erfordert Vertrauen, schafft Ihnen aber auch Freiräume, Chancen und Möglichkeiten. Überlegen Sie, welche Aufgabe dafür geeignet ist, agile Methoden zu testen. Und dann trauen Sie sich auszuprobieren und zu lernen. Ihre Mitarbeitenden werden in die Entscheidungsfindung mit einbezogen und Sie erleben den „Kontrollverlust“ im Idealfall als Gewinn und profitieren von motivierten Mitarbeitenden. Legen Sie Regeln für die Zusammenarbeit in virtuellen Teams fest, z. B. wie Entscheidungen getroffen werden, wenn ein Teammitglied gerade offline ist; wie der zeitnahe Informationsaustausch erfolgen soll oder welches Verhältnis von Präsenz und virtueller Anwesenheit das Ideale für Sie und Ihre Mitarbeitenden ist. Gelingt dies, schafft es Freiräume und Flexibilität, die wieder auf die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden einzahlen.
    Es gibt sicherlich kein Patentrezept, wie die ideale Führung für Ihr Unternehmen aussehen soll, dennoch gibt es einige Kernkompetenzen, die Sie als Führungskraft im digitalen Zeitalter mitbringen sollten, und das sind: Die Fähigkeit zum Netzwerken, eine gute Kommunikationsfähigkeit, eine hohe Eigenverantwortlichkeit und ein agiles Mindset.
    Mit diesen Fähigkeiten ausgerüstet, kann der Weg in eine völlig neue Art der Führung und Zusammenarbeit hervorragend gelingen und für alle gewinnbringend sein.

    Silvia Wiefel


1/2019 Zusätzliche Vorsorge ist ein Muss - Wie Gesellschafter-Geschäftsführer über ihren Betrieb vorsorgen können

  • Im Unterschied zu Unternehmen einer Personengesellschaft sind Gesellschafter Geschäftsführer (GGF) im steuerrechtlichen Sinne Arbeitnehmer der GmbH. Somit können sie die steuerlichen Förderungen der betrieblichen Altersversorgung nutzen, die nur Arbeitnehmern offen stehen, und so ihre Versorgungslücken schließen. Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH haben in der Regel vergleichsweise hohe Bezüge und fast keine Versorgungsansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Deshalb ist eine zusätzliche Vorsorge ein Muss. Grundsätzlich stehen für die GGF-Versorgung alle Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung offen. Zu empfehlen sind die folgenden Komponenten:

    Erster Schritt: Aufbau der Grundversorgung über eine Direktversicherung
    Die Direktversicherung ist eine Rentenversicherung, die von der GmbH für den Gesellschafter-Geschäftsführer abgeschlossen wird. Sowohl das Risiko der Berufsunfähigkeit als auch eine Hinterbliebenenversorgung können eingeschlossen werden. Ein Vorteil der Direktversicherung ist die flexible Einzahlungsmöglichkeit der Beiträge z. B. bei gewinnabhängigen Bezügen. Die Kapitalanlage kann sicherheitsorientiert oder mit Aktienfonds gewählt werden.
    Jährlich dürfen Beiträge von bis zu 6.432 Euro steuerfrei eingezahlt werden. Diese Grenze sollten Gesellschafter-Geschäftsführer immer erst einmal voll ausschöpfen.

    Zweiter Schritt: Unterstützungskasse oder Pensionszusage mit Rückdeckungsversicherung
    Es reicht in der Regel nicht aus, sich allein auf die Direktversicherung zu konzentrieren. Um eine ausreichende Versorgung zur erreichen, bietet sich als zweiter Schritt ein unbegrenzt steuerfreier Durchführungsweg an. Dies ist bei der Unterstützungskasse und der Pensionszusage (Direktzusage) mit Rückdeckungsversicherung der Fall.

    Die Unterstützungskasse
    Die Unterstützungskasse ist ein zeitgemäßes Versorgungssystem, bei dem die Sicherheit im Vordergrund steht.

    Die GmbH gibt dem Gesellschafter Geschäftsführer eine Versorgungszusage auf der Grundlage von regelmäßigen Beiträgen für eine Rentenversicherung. Zur Absicherung der Zusage schließt die Unterstützungskasse zugunsten des Gesellschafter-Geschäftsführers eine Rückdeckungsversicherung ab und zahlt hierfür gleichbleibende oder steigende Beiträge. Dadurch ist die Zusage vollständig abgesichert und das Risiko einer möglichen Unterdeckung wird für das Unternehmen nahezu ausgeschlossen. Zur Versorgung des Partners bzw. der Familie kann zusätzlich eine Hinterbliebenenrente vereinbart werden. Auch eine Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist möglich.

    Die Bilanz des Unternehmens bleibt durch Versorgungszusagen über die Unterstützungskasse unberührt. Dies ist einer der bedeutendsten Vorteile gegenüber der Pensionszusage.

    Die Pensionszusage
    Pensionszusagen sind ein beliebtes Modell für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, um sich eine steuerlich geförderte Altersversorgung aufzubauen. Der Gesellschafter-Geschäftsführer erhält vom Unternehmen die schriftliche Zusage auf betriebliche Versorgungsleistungen in Form von Alters-, Invaliditäts- und/oder Hinterbliebenenleistungen. Zur Absicherung der Leistungen empfiehlt sich der Abschluss einer Rückdeckungsversicherung, die bei Eintritt des Versorgungsfalls ausreichend Kapital zur Verfügung stellt. Die Beiträge sind ebenso wie die Direktversicherungsbeiträge und Beiträge zur Unterstützungskassenversorgung Betriebsausgaben. Der Wert der Rückdeckungsversicherung wird als Betriebsvermögen in der Bilanz aktiviert. Für die erteilte Zusage werden in der Bilanz Pensionsrückstellungen gebildet, die sich gewinnmindernd und damit auch steuermindernd auswirken. Wichtig ist, Pensionszusagen richtig auszugestalten und regelmäßig zu überprüfen. Allerdings gibt es in der Praxis häufig Zusagen, die viele Jahre nicht mehr beleuchtet oder gar angepasst worden sind. Sie können zu einem Problem werden. Bei Fragen zu Pensionszusagen stehen Ihnen die Experten im Bereich der betrieblichen Altersversorgung bei der LVM-Lebensversicherung gerne zur Verfügung.

    Wesentliche Gestaltungskriterien für Gesellschafter-Geschäftsführer Versorgungen

    Finanzbehörden haben einen kritischen Blick auf die Gestaltung von GGF-Versorgungen, insbesondere wenn es sich um beherrschende GGF handelt. Damit die Pensionszusage oder Unterstützungskasse steuerlich anerkannt wird, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

    Angemessenheit: Die Höhe der künftigen Leistungen aus der Zusage darf zusammen mit Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung und aus bereits bestehenden anderen betrieblichen Altersversorgungsbausteinen 75 Prozent des letzten Bruttogehaltes nicht übersteigen.

    Ernsthaftigkeit: Eine Zusage darf nicht zum Schein erteilt werden. Sie muss klar, eindeutig und schriftlich vereinbart sein. Maßgebliches Pensionsalter sollte das 67. Lebensjahr sein.

    Erdienbarkeit: Die Zusage beim beherrschenden GGF wird anerkannt, wenn zwischen dem Zeitpunkt der Zusage-Erteilung und dem Eintritt in den Ruhestand mindestens zehn Jahre liegen. Außerdem muss die Pensionszusage vor dem 60. Lebensjahr erteilt worden sein.

    Finanzierbarkeit: Die Erfüllung der Zusage darf das Unternehmen nicht wirtschaftlich überfordern. Wenn eine ausreichende Rückdeckungsversicherung zur Finanzierung der Verpflichtung besteht, ist aber in der Regel die Erfüllbarkeit gegeben.

    Probezeit: Die Zusage darf erst erteilt werden, wenn die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens zuverlässig abzuschätzen ist. Bei neu gegründeten Unternehmen bedarf die unternehmensbezogene Probezeit in der Regel eines Zeitraums von fünf Jahren. Darüber hinaus gilt für den GGF in der Regel eine personenbezogene Probezeit von zwei bis drei Jahren.

    Gesellschafterbeschluss: Durch einen Gesellschafterbeschluss wird die zivil- und steuerrechtliche Wirksamkeit der Zusage erreicht.

    Tipp:
    ◗◗ Insolvenzschutz optimieren
    Für beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer besteht kein gesetzlicher Schutz der betrieblichen Altersversorgung bei Insolvenz des Unternehmens. Die Ansprüche können jedoch geschützt werden, indem bei der Direktversicherung ein unwiderrufliches Bezugsrecht vereinbart wird und bei der Unterstützungskasse oder Pensionszusage die Rückdeckungsversicherung an den Gesellschafter- Geschäftsführer verpfändet wird.

    ◗◗ Besteuerung erst nach Eintritt des Versorgungsfalls
    Die Leistungen aus der betrieblichen Altersversorgung unterliegen der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt, der für Rentner gültige, in der Regel niedrigere Steuersatz wird für die Versteuerung der Altersrente oder des Kapitals herangezogen.

    Veronika Behrendt


1/2019 Zehn Jahre Partnerschaft von LVM Versicherung und hkk Krankenkasse - "Das passt einfach!"

  • Dr. Achim Kramer, Abteilungsdirektor der LVM Krankenversicherungs-AG und Lutz Trey, Stellvertreter des Vorstands sowie Bereichsleiter Kunde, Markt und Kommunikation der hkk Krankenkasse resümieren gemeinsam im Gespräch mit Sabine Bialek, hkk Koordinatorin der Kooperation, über ihre10-jährige Partnerschaft und ob das Konzept aufgegangen ist.

    10 Jahre Partnerschaft von LVM Versicherung und hkk Krankenkasse: Seit 1. Juli 2009 besteht die Kooperation von LVM Versicherung und hkk Krankenkasse, die zu einer vertrauensvollen und erfolgreichen Partnerschaft herangewachsen ist. Die gemeinsamen Kunden profitieren neben einem bundesweiten Netzwerk von LVM-Agenturen darüber hinaus von einem exklusiv abgestimmten Produktportfolio. Eine Win-win-Situation, denn durch den günstigen Zusatzbeitrag der hkk Krankenkasse können die hkk-Kunden den Beitragsvorteil direkt wieder in einen weiterführenden Gesundheitsschutz durch private Zusatzangebote der LVM Versicherung investieren.

    Hand aufs Herz: Hätten Sie gedacht, dass die Kooperation so erfolgreich und langlebig sein würde?

    Lutz Trey: Ja, absolut. Wir haben seinerzeit bei der Suche nach einem Partner für private Zusatzversicherungen großen Wert darauf gelegt, ein Unternehmen zu finden, dessen Produkte und strategische Ausrichtung zu uns passen. Zehn Jahre später kann ich nur bestätigen: Das Konzept ist aufgegangen.

    Dr. Achim Kramer: Ich war sehr zuversichtlich, denn nach der Erfahrung zuvor haben wir unseren Kooperationspartner danach ausgesucht, ob mit ihm eine langfristige Partnerschaft möglich ist, die nachhaltigen Erfolg verspricht. Insofern sind wir glücklich, dass wir mit der hkk unseren Wunschpartner gewinnen konnten und es sich in den zehn Jahren so positiv entwickelt hat.

    Was sind die entscheidenden Vorteile der Partnerschaft von hkk und LVM?

    Dr. Achim Kramer: Aus meiner Sicht war und ist es entscheidend, dass alle Anspruchsgruppen der LVM Versicherung von der Kooperation profitieren. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Aus Unternehmenssicht ist es die strategische Perspektive mit einem erfolgreichen Partner, aus Sicht der Agenturen die Ergänzung des Portfolios mit einer exzellenten gesetzlichen Krankenversicherung und aus Kundensicht das Top-Preis-Leistungs-Verhältnis und das exklusive Angebot privater LVM-Zusatzversicherungen mit Sonderkonditionen.

    Lutz Trey: Die Kooperation sichert beide Unternehmen gegenüber möglichen Änderungen der politischen Rahmenbedingungen ab und macht diese dadurch unangreifbarer. Darüber hinaus profitieren die Kunden der hkk vom hervorragenden Agenturnetzwerk und den exzellenten Versicherungsprodukten der LVM. Beide Unternehmen nutzen ihre jeweiligen Stärken, weitere Wachstumspotenziale im Rahmen der Partnerschaft systematisch zu erschließen – eine echte Win-Win-Situation auf allen Ebenen.

    Was schätzen Sie besonders an der gemeinsamen Partnerschaft zwischen LVM und hkk?

    Lutz Trey: Die offene und vertrauensvolle Partnerschaft, zu der unsere Kooperation herangewachsen ist. Das ist ein stetiger Prozess, der gegenseitiges Verständnis und einen persönlichen Austausch auf allen Hierarchieebenen braucht. Besonders bereichernd sind für mich der intensive Austausch mit den Vertrauensleuten und LVM-Kolleginnen/-Kollegen bei unseren regelmäßigen Tagungsbesuchen. Dass LVM und hkk gut zusammenpassen, merken wir dabei immer wieder aufs Neue.

    Dr. Achim Kramer: Persönlich schätze ich neben dem Erfolg und der Nachhaltigkeit unserer Kooperation besonders die Finanzstärke, die Unternehmenskultur und die Bodenständigkeit der hkk. Und nicht zuletzt sind es die Menschen bei der hkk. Das passt einfach!

    Gibt es aus Ihrer Sicht Optimierungspotenzial in der gemeinsamen Zusammenarbeit?

    Lutz Trey: Ich bin sehr zufrieden – nicht ohne Grund beneidet uns so mancher Wettbewerber um unsere Kooperation. Und selbstverständlich haben wir noch Potenzial nach oben, daran arbeiten wir stetig und sind auf dem richtigen Weg.

    Dr. Achim Kramer: Das sehe ich ebenso, und ich bin zuversichtlich, dass wir auch viele weitere Jahre so erfolgreich kooperieren.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Info: Die hkk Krankenkasse (Handelskrankenkasse) zählt mit mehr als 630.000 Versicherten (davon mehr als 480.000 beitragszahlende Mitglieder), 23 Geschäftsstellen und 2.100 LVM-Servicepunkten zu den großen gesetzlichen Krankenkassen. 2018 betrug ihr Wachstum rund 39.000 Kunden. Mit ihrem Zusatzbeitrag von 0,39 Prozent (Gesamtbeitrag 14,99 Prozent) ist sie 2019 zum fünften Mal in Folge die günstigste deutschlandweit wählbare Krankenkasse. Weil Arbeitgeber oder Rentenversicherung ab 2019 die Hälfte des Zusatzbeitrags übernehmen, zahlen die meisten hkk-Mitglieder sogar nur noch 0,195 Prozent. Damit beläuft sich ihr Beitragsvorteil gegenüber Mitgliedern anderer Krankenkassen auf bis zu 302 Euro pro Jahr. Ihre Arbeitgeber sparen noch einmal dasselbe. Auch die Extraleistungen übertreffen den Branchendurchschnitt: Unter anderem erstattet die hkk zusätzliche Leistungen im Wert von über 1.000 Euro je Versicherten und Jahr in den Bereichen Naturmedizin, Vorsorge und bei Schwangerschaft. Ergänzend fördert das hkk-Bonusprogramm Gesundheitsaktivitäten mit bis zu 250 Euro jährlich. Die Verwaltungskosten der hkk liegen etwa 20 Prozent unter dem Branchendurchschnitt. Rund 1.000 Mitarbeiter(innen) betreuen ein Ausgabenvolumen von mehr als 2 Mrd. Euro, davon entfallen 1,6 Mrd. Euro auf die Krankenversicherung und 0,4 Mrd. Euro auf die Pflegeversicherung.

    Sabine Bialek


1/2019 Datenschutz heißt Daten schützen

  • Mit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung ist im vergangenen Jahr eine europaweit einheitliche Regelung zum Umgang mit personenbezogenen Daten geschaffen worden. Sie verpflichtet die Nutzer unter anderem zum Schutz der Daten vor Angriffen oder Missbrauch.

    Für die Öffentlichkeit ist dieses kaum wahrnehmbar, da nur die spektakulären Fälle Einzug in die Presse nehmen. Für jeden Betroffenen ist es aber eine Katastrophe!
    Haben Hacker Ihre Daten manipuliert, blockiert oder gelöscht, ist Ihr Betriebsablauf empfindlich gestört. Finden sich die persönlichen Daten Ihrer Kunden plötzlich öffentlich zugänglich im Internet wieder, müssen Sie die betroffenen Personen in der Regel umgehend informieren. Der finanzielle Schaden ist unter Umständen überschaubar. Ihr guter Ruf ist aber erst einmal dahin.

    Opfer einer Cyberattacke zu werden, ist schon längst keine Frage der Größe mehr.
    Vielmehr sind gerade die kleineren Unternehmen für die meisten Hacker viel interessanter. Die Digitalisierung und die damit verbundenen Risiken halten überall Einzug. Das Risikobewusstsein und somit der Cyberschutz ist aber bei kleineren Betrieben häufig viel geringer.

    Dieses bestätigt auch eine Forsa-Befragung im Auftrag des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). (siehe Grafiken)

    Schützen Sie Ihre IT so gut wie möglich. Sie verschließen ja auch Ihre Geschäftsräume nach Betriebsschluss.
    Bereits mit einfachen Maßnahmen können Sie sich gegen Angriffe wehren.

    Checken Sie regelmäßig die folgenden Punkte:
    ◗◗ Halten Sie Ihre Hardware und Software auf dem aktuellsten Stand und installieren Sie angebotene Updates schnellstmöglich.

    ◗◗ Schützen Sie Ihre IT-Systeme gegen Schadsoftware (z. B. durch Virenscanner).

    ◗◗ Führen Sie regelmäßige (täglich oder wöchentlich) Datensicherungen durch und bewahren Sie diese an einem geschützten Ort auf. Nicht unbedingt in den Betriebsräumen.

    ◗◗ Verwenden Sie sichere Passwörter

    Wie gut die IT-Sicherheit Ihres Unternehmens jetzt schon ist, können Sie neuerdings innerhalb weniger Minuten selbst heraus finden.

    Hierfür hat der GDV den Cyber-Sicherheitscheck geschaffen. Dieser stellt Ihnen die wichtigsten Fragen rund um die IT-Sicherheit Ihres Unternehmens. Sie bekommen dann gesagt, wie sicher Ihre Systeme sind, wo Sie Schwachstellen haben und wie Sie diese schließen können.

    Den Cyber-Sicherheitscheck finden Sie im Internet unter:
    www.gdv.de/de/themen/news/cyber-sicherheitscheck-42974 oder über die zwei Suchbegriffe „GDV und Sicherheitscheck“

    Tipp: WIE SIEHT EIN SICHERES PASSWORD AUS?
    ◗◗ maximale Länge nutzen

    ◗◗ Buchstaben, Zahlen und zulässige Sonderzeichen nutzen

    ◗◗ Groß- und Kleinschreibung verwenden

    ◗◗ gutes Beispiel: Jkd#7r6z32%W

    ◗◗ schlechte Beispiele: 12345, abcde, wert, Geburtsdaten, Namen etc.

    Karsten Martini


1/2019 Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung - Sinvoller Schutz?

  • Der „Versicherungsdschungel“ ist nicht immer einfach und oft undurchsichtig. Welche Versicherung ist für Sie als Unternehmer und Selbstständiger wichtig, welche weniger wichtig: Viele Fragen tun sich auf, wenn es um das Thema Versicherungen geht. In diesem Artikel betrachten wir das Thema Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung näher und erläutern, für wen und warum dieser Schutz sinnvoll ist.

    Was ist überhaupt ein Vermögensschaden?
    Bei einem Vermögensschaden erleidet weder eine Person noch eine Sache einen unmittelbaren Schaden – sondern ein Dritter einen finanziellen Schaden. Über die Betriebshaftpflicht sind in der Regel solche Schäden nicht versichert. Hier ist eine spezielle Absicherung in Form einer separaten Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung erforderlich!

    Für welche Berufsgruppen ist eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung wichtig?
    Insbesondere für Personen und Firmen, die rechtsberatend tätig sind (z. B. Rechtsanwälte) oder Verbände und Vereine ist eine Vermögensschaden- Haftpflichtversicherung wichtig und teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben. Ein Versehen kann schnell große finanzielle Folgen nach sich ziehen. Sie als Unternehmer und Selbstständiger haften dafür mit Ihrem gesamten Vermögen. Aber auch für bestimmte Dienstleister wie z. B. Sachverständige/Gutachter, Betreuer, freiberufliche Buchhalter und Buchführungshelfer, Büro Serviceunternehmen, Immobilienmakler oder -verwalter ist die Vermögensschaden-Haftpflicht ein absolut sinnvoller Versicherungsschutz, denn ein Beratungs- oder Bewertungsfehler passiert oftmals schneller als man denkt.

    Kurz gesagt ist die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung eine Berufshaftpflichtversicherung für bestimmte Dienstleister oder Berufsgruppen, bei denen ein Berufsversehen in der Regel echte Vermögensschäden – nicht Personen- oder Sachschäden – zur Folge hat.

    Was sollte eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung abdecken?
    Eine allgemeine Antwort gibt es darauf nicht, denn jeder Beruf birgt seine eigenen Risiken – daher ist auch individueller Versicherungsschutz gefragt. Ein Buchhalter benötigt einen anderen Versicherungsschutz als ein Gutachter oder Verein. Bei der LVM beispielsweise gibt es für die einzelnen Berufsgruppen unterschiedliche Versicherungskonzepte, damit Sie passgenauen Versicherungsschutz erhalten. Es ist also sehr wichtig, sich von einem Versicherungsfachmann beraten zu lassen.

    Reicht eine normale Betriebshaftpflichtversicherung nicht aus?
    Nein, denn die Betriebshaftpflichtversicherung sichert Sie in der Regel nur gegen Personen- und Sachschäden ab. Mitversichert sind zwar auch Vermögensschäden, aber diese ersetzen in der Regel nicht den Versicherungsschutz einer Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung ( z. B. Beratungsfehler). Überwiegend handelt es sich bei der Mitversicherung um Vermögensfolgeschäden – also Vermögensschäden, die aus einem Personen- oder Sachschaden entstehen.

    Ein Beispiel
    Im Rahmen Ihrer betrieblichen Tätigkeit verursachen Sie einen Verkehrsunfall. Ein Familienvater wird schwer verletzt und ist danach arbeitsunfähig. Die Betriebshaftpflicht übernimmt den Personen- und Sachschaden. Die Kosten für die Reha-Maßnahmen sowie die lebenslange Rentenzahlung aufgrund der Arbeitsunfähigkeit werden auch übernommen. Hierbei handelt es sich um einen Vermögensschaden, der in Folge des Personenschadens entstanden ist – im Versicherungsjargon auch als „unechter Vermögensschaden“ bekannt. Dieser ist über die normale Betriebshaftpflicht mitversichert.

    Über die Betriebshaftpflicht nicht mitversichert sind jedoch die „reinen Vermögensschäden“. Dies sind Schäden, die sich z. B. aus den Tätigkeiten wie Beraten, Verwalten oder Vermitteln ergeben. Daher ist in diesen Fällen für bestimmte Berufsgruppen eine zusätzliche Vermögensschaden Haftpflichtversicherung wichtig und teilweise sogar gesetzlich vorgeschrieben.

    Sie sind Mitglied im Verein oder im Vereinsvorstand tätig. Benötigen auch Vereine eine Vermögensschaden-Haftpflicht oder reicht eine Vereinshaftpflicht aus?
    Jeder Verein sollte eine Vereinshaftpflicht abgeschlossen haben. Wie auch bei der Betriebshaftpflichtversicherung schützt diese in der Regel jedoch nur gegen Personen- und Sachschäden. Reine Vermögensschäden sind meist nicht mitversichert. Daher ist auch für Vereine eine Vermögensschaden- Haftpflichtversicherung sinnvoll, denn sie schützt das Vereinsvermögen. Hierbei sind in der Regel neben Vorstand und Geschäftsführer alle Vereinsmitglieder, die haupt- oder ehrenamtlich im Verein in satzungsgemäßem Auftrag tätig sind – auch Abteilungsleiter, Jugendwarte und Trainer, mitversichert. Die Versicherung tritt auch ein, wenn durch Versäumnisse oder Fehlentscheidungen des z. B. Vereinsvorstandes dem Verein ein unmittelbarer Vermögensschaden entsteht.

    Wie kann ein möglicher Schaden aussehen?

    Schäden bei Dritten
    ◗◗ Der Verein stellt eine falsche Steuerbescheinigung aus. Der Spender erhielt daraufhin keine steuerliche Begünstigung.

    Schäden am Vereinsvermögen (Eigenschäden)
    ◗◗ Der Vereinskassierer ließ den Einzug von Beiträgen verjähren und wurde vom Verein für den Ausfall in Anspruch genommen.

    ◗◗  Der Schatzmeister reichte Anträge auf öffentliche Förderung zu spät ein. Dadurch verfiel der Anspruch des Vereins auf Zuschüsse und der Schatzmeister sollte den Verlust begleichen.

    ◗◗ Gegen einen Handwerker bestanden berechtigte Gewährleistungsansprüche, die der Vorstand aber zu spät geltend machte. Der Vorstand wurde hierfür in Regress genommen.

    Öffentlich-rechtliche Ansprüche
    ◗◗ Spendengelder wurden fehlerhaft behandelt. Es kam zum rückwirkenden Verlust der Gemeinnützigkeit. Das Finanzamt nahm die Vorstandsmitglieder direkt in Anspruch.

    Tipp: Lassen Sie Ihren Versicherungsschutz regelmäßig überprüfen, damit Sie im Falle eines Schadens optimal geschützt sind. Gerade wenn es um das Thema Vermögensschäden geht, ist eine Beratung von einem Versicherungsfachmann unerlässlich.

    ■ Jutta Hülsmeyer


1/2019 Urlaubsabgeltung bei Tod des Arbeitnehmers im laufenden Arbeitsverhältnis

  • Endet das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Arbeitnehmers, haben dessen Erben nach § 1922 Abs. 1 BGB iVm. § 7 Abs. 4 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) Anspruch auf Abgeltung des von dem Erblasser nicht genommenen Urlaubs.

    Die Klägerin ist Alleinerbin ihres am 20. Dezember 2010 verstorbenen Ehemanns (Erblasser), dessen Arbeitsverhältnis mit der Beklagten durch seinen Tod endete. Nach § 26 des auf das Arbeitsverhältnis anwendbaren Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) standen dem Erblasser in jedem Kalenderjahr 30 Arbeitstage Urlaub zu. Der Erblasser wurde mit Wirkung vom 18. August 2010 als schwerbehinderter Mensch anerkannt. Er hatte danach gemäß § 125 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 SGB IX alte Fassung (a.F.) für das Jahr 2010 Anspruch auf anteiligen Zusatzurlaub von zwei Arbeitstagen. Die Klägerin verlangt die Abgeltung des Resturlaubs von insgesamt 25 Arbeitstagen, der ihrem verstorbenen Ehemann zum Zeitpunkt seines Todes für das Jahr 2010 noch zustand.

    Die Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben. Die Revision der Beklagten hatte vor dem Neunten Senat des Bundesarbeitsgerichts keinen Erfolg. Die Beklagte hat den nicht gewährten Urlaub des Erblassers mit einem Betrag in Höhe von 5.857,75 Euro brutto abzugelten.

    Urlaub, der wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht genommen werden kann, ist nach § 7 Abs. 4 BUrlG abzugelten. Die nach dem europäischen Unionsrecht gebotene Auslegung von §§ 1, 7 Abs. 4 BUrlG ergibt, dass der Resturlaub auch dann abzugelten ist, wenn das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Arbeitnehmers endet. Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat entschieden, dass der durch Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 2003/88/EG (Arbeitszeitrichtlinie) gewährleistete Anspruch auf bezahlten Mindestjahresurlaub nicht mit dem Tod des Arbeitnehmers im laufenden Arbeitsverhältnis untergehen darf, ohne dass ein Anspruch auf finanzielle Vergütung für diesen Urlaub besteht, der im Wege der Erbfolge auf den Rechtsnachfolger des Arbeitnehmers überzugehen hat (EuGH 6. November 2018 - C-569/16 und C-570/16 - [Bauer und Willmeroth]). Daraus folgt für die richtlinienkonforme Auslegung von §§ 1, 7 Abs. 4 BUrlG, dass die Vergütungskomponente des Anspruchs auf den vor dem Tod nicht mehr genommenen Jahresurlaub als Bestandteil des Vermögens Teil der Erbmasse wird. Der Abgeltungsanspruch der Erben umfasst dabei nicht nur den Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub nach §§ 1, 3 Abs. 1 BUrlG von 24 Werktagen, sondern auch den Anspruch auf Zusatzurlaub für schwerbehinderte Menschen nach § 125 Abs. 1 Satz 1 SGB IX a.F. sowie den Anspruch auf Urlaub nach § 26 TVöD, der den gesetzlichen Mindesturlaub übersteigt. Dem TVöD lässt sich nicht entnehmen, dass dem Erben das Verfallrisiko für den tariflichen Mehrurlaub bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Tod des Arbeitnehmers zugewiesen ist. 

    Quelle: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22. Januar 2019 - 9 AZR 45/16 - Vorinstanz: Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 15. Dezember 2015 - 3 Sa 21/15 -

    ■ Margarete Lindenblatt


1/2019 Steuerbefreite private Nutzung eines betrieblichen Fahrrads oder Elektrofahrrads

  • Zur Förderung der Elektromobilität und der umweltverträglichen Mobilität sieht das Einkommensteuergesetz bereits die Steuerfreiheit für bestimmte Arbeitgeberleistungen vor, so etwa für den vom Arbeitgeber gestellten Ladestrom und die betriebliche Ladevorrichtung für entsprechende Fahrzeuge.

    Künftig gilt dies auch für den geldwerten Vorteil aus der unentgeltlichen oder verbilligten Überlassung eines betrieblichen Fahrrads oder Elektrofahrrades vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer. Ist ein Elektrofahrrad verkehrsrechtlich als Kraftfahrzeug einzuordnen (Elektrofahrräder, deren Motor auch Geschwindigkeiten über 25 Kilometer pro Stunde unterstützt, gelten als Kraftfahrzeuge), sind für die Bewertung dieses geldwerten Vorteils die Regelungen der Dienstwagenbesteuerung anzuwenden. Nutzen Betriebsinhaber ein betriebliches Fahrrad, ist die private Nutzung nicht als Entnahme zu erfassen.

    Quelle: Bundesministerium für Finanzen (BMF) Änderung zum Jahresbeginn 2019

    ■ Margarete Lindenblatt


1/2019 Das dritte Geschlecht bei Stellenausschreibungen

  • Unternehmen müssen bei der Formulierung ihrer Stellenausschreibungen seit dem 1. Januar 2019 ein neues, drittes Geschlecht berücksichtigen.

    Dies ist die Folge eines Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017. Das Gericht entschied, dass Personen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, ein drittes Geschlecht („divers“) im Personenstandsregister ermöglicht werden muss. Unternehmen, die dies in ihren Stellenausschreibungen nicht berücksichtigen, verstoßen gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und riskieren damit eine Strafe wegen Diskriminierung.

    Der Rat für deutsche Rechtschreibung stellte im November 2018 fest, dass die gesellschaftliche Diskussion über die Frage, wie neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht oder weitere Geschlechter angemessen bezeichnet werden können, sehr kontrovers verläuft. Dennoch hätten die Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, das Recht auf eine angemessene sprachliche Bezeichnung in der geschriebenen Sprache.

    Die Beobachtung der geschriebenen Sprache zeigt dazu derzeit neben verschiedenen grammatischen (generisches Maskulinum, Passivkonstruktionen usw.) verschiedene orthografische Ausdrucksmittel wie

    ◗◗ Unterstrich (Gender-Gap), z. B. Mitarbeiter_innen,

    ◗◗ Genderstern (Asterisk), z. B. Mitarbeiter*innen oder

    ◗◗ den Zusatz männlich, weiblich, divers nach dem generischen Maskulinum, z. B. Mitarbeiter (m/w/d).

    Diese entsprechen in unterschiedlichem Umfang den Kriterien für geschlechtergerechte Schreibung.
    Der Rat weist auf die verschiedenen Schreibweisen hin, hat sich aber (bislang) gegen die Empfehlung einer einzelnen Schreibweise ausgesprochen.

    Quelle: Bundesministerium für Finanzen (BMF) Änderung zum Jahresbeginn 2019

    ■ Margarete Lindenblatt

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