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1/2021 Werte als innerer Kompass

  • Passt die neue Stelle zu mir? Soll ich das Projekt des neuen Kunden wirklich annehmen? Wie reagiere ich im Streit mit einer Kollegin?

    In unserem Leben werden wir immer wieder vor große und kleine Entscheidungen gestellt. Ob im Privatleben oder im Beruf: Die Art und Weise, wie wir in bestimmten Situationen reagieren, wie wir uns verhalten und wofür wir uns stark machen, wird von unseren Werten beeinflusst.

    Was Werte sind und wie sie entstehen
    Werte oder Wertvorstellungen beschreiben kurz formuliert „Vorstellungen von Wünschenswertem“ (in Anlehnung an Clyde Kluckhohn, 1951). Sie stehen damit für etwas, was ein Mensch individuell als erstrebenswert oder moralisch gut betrachtet. Werte entscheiden darüber, welche Ziele wir verfolgen, wie wir sie verfolgen und welche Mittel wir dafür einsetzen. Sie wirken damit wie ein Kompass und geben dem Leben eine bestimmte Richtung.

    Bestimmte Wertvorstellungen werden uns bereits als Kleinkind mitgegeben, etwa durch Familie oder andere Kontexte wie Schule, Freundeskreise, aber auch Religion. Im Laufe des Lebens können sich die eigenen Wertvorstellungen jedoch verändern. Übernehmen wir als Kind oft noch unbewusst Wertemuster der Eltern, sammeln wir im Laufe des Lebens eigene Erfahrungen, die uns prägen. Darüber hinaus bilden sich Wertesysteme immer auch durch die Kultur, in der wir leben.

    Werte geben Orientierung, sorgen gleichzeitig aber auch für Spannung
    Obwohl Werte das menschliche Handeln beeinflussen, bestimmen sie es nicht ausschließlich. Denn Werte beschreiben zunächst einmal das Wollen und Sollen des Menschen. Das tatsächliche Handeln eines Menschen wird von weiteren Faktoren mitbestimmt, wie zum Beispiel äußeren Umständen oder individuellen Fähigkeiten. Der Wert der Freiheit findet zum Beispiel dort seine Grenzen, wo andere durch die eigene Freiheit in Gefahr sind oder zu Schaden kommen könnten – das erleben wir in der aktuellen Coronazeit auf eine ganz neue Art.

    Wertesysteme sind zudem komplex. Wir haben viele unterschiedliche Werte, denen wir mehr oder weniger bewusst folgen. Dabei können auch die eigenen Werte miteinander konkurrieren und erscheinen manchmal als nicht miteinander vereinbar. Vielleicht möchten wir beruflich Karriere machen, aber gleichzeitig unsere pflegebedürftigen Eltern unterstützen. Beim genauen Hinsehen stellen wir dann fest, dass unsere Werte eine Rangfolge haben – manche sind wichtiger als andere.

    Warum es wichtig ist die eigenen Werte zu kennen
    Die bewusste und stetige Auseinandersetzung mit den eigenen, manchmal widersprüchlichen Werten macht uns urteilsfähig und ist die Voraussetzung für selbstbestimmte Entscheidungen. Anders ausgedrückt: Ohne Werte wäre das eigene Handeln beliebig und auf Dauer orientierungs-, halt- und richtungslos. Wie im oben genannten Beispiel kann das auch bedeuten, Ambivalenzen auszuhalten, Werte zu überprüfen und bewusst Prioritäten zu setzen. Im Einklang mit den eigenen Werten zu leben mag manchmal schwierig erscheinen, führt auf Dauer aber zu einem sinnerfüllteren Dasein.

    LITERATURTIPP
    Im Zuge ihrer Recherche ist die Autorin auf ein interessantes Buch gestoßen, welches das Thema Werte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: „Werte – und was sie uns wert sind“, herausgegeben von Randolf Rodenstock und Nese Sevsay-Tegethoff. Ob Historiker, Soziologe, Physiker oder Profifußballer – unterschiedliche Persönlichkeiten beschreiben aus verschiedenen Warten, was Werte für sie bedeuten. Die einzelnen Beiträge sind kostenfrei online abrufbar: https://www.romanherzoginstitut.de/publikationen/detail/werte-und-was-sie-unswert-sind.html

    ■ Verena Barkling


1/2021 Erhhöhung der Entfernungspauschale

  • Ein Arbeitnehmer erhält für die einfache Fahrt von seiner Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte eine sogenannte Entfernungspauschale. Hiermit werden die Aufwendungen für den Weg zur Arbeit abgegolten. Bei Berücksichtigung in der Steuererklärung führen sie zur Minderung des zu versteuernden Einkommens.

    Im Rahmen des „Gesetzes zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht“ ist zum 1. Januar 2021 eine befristete und schrittweise Erhöhung der Entfernungspauschale ab dem 21. Entfernungskilometer beschlossen worden. Für die ersten 20 Kilometer bleibt es bei 30 Cent pro Entfernungskilometer. Ab dem 21. Kilometer können 35 Cent als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Diese Erhöhung gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2023. Ab dem 1. Januar 2024 wird die Pauschale um weitere 0,03 Euro auf 38 Cent erhöht. Nach dem 31. Dezember 2026 gilt dann wieder wie bisher eine einheitliche Entfernungspauschale von 30 Cent pro Entfernungskilometer.

    Arbeitnehmer, die keine Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer zahlen, da sie mit ihrem zu versteuernden Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags liegen, haben ab 2021 die Möglichkeit, eine „Mobilitätsprämie“ zu beantragen. Diese gilt ab dem 21. Entfernungskilometer und ist ebenfalls bis Ende des Jahres 2026 befristet. Die Mobilitätsprämie beträgt 14 Prozent der erhöhten Entfernungspauschale, wobei dieser Prozentsatz dem Eingangssatz im Einkommensteuertarif entspricht. Im Jahr 2021 ergibt sich damit eine Prämie in Höhe von 4,9 Cent pro Entfernungskilometer.

    Annika Hohoff


1/2021 Fristverlängerungen bei Steuererklärungen

  • Auch im Jahr 2021 stellt die COVID-19-Pandemie die deutsche Wirtschaft vor große finanzielle Herausforderungen. Das Bundesfinanzministerium (BMF) ermöglicht vor diesem Hintergrund mit seinem Schreiben vom 22. Dezember 2020 steuerliche Erleichterungen.

    Beispielsweise mussten Steuererklärungen für das Jahr 2019, die von Steuerberatern erstellt werden, nicht wie ursprünglich vorgesehen bis zum 28. Februar 2021 abgegeben werden. Stattdessen ist es möglich, sie noch bis zum 31. August einzureichen.

    Darüber hinaus hat das BMF die Stundungsfristen für Unternehmen verlängert, die wirtschaftlich von der Corona-Krise betroffen sind.

    Der Antrag auf eine Stundung fälliger Steuerzahlungen, die höchstens bis zum 30. Juni 2021 laufen soll, konnte noch bis zum 31. März 2021 beim Finanzamt beantragt werden. Außerdem haben wirtschaftlich betroffene Steuerpflichtige noch bis zum 31. Dezember 2021 die Möglichkeit, unter Darlegung ihrer Verhältnisse ihre Anträge auf Anpassung der Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer 2021 zu stellen. Bei der Nachprüfung der Voraussetzungen sollen laut BMF keine strengen Anforderungen gelten.

    ■ Annika Hohoff


1/2021 Private Mietkautionsversicherung - auch für Sie als Unternehmer interessant

  • Immer mehr selbstständige Unternehmer investieren ihr Geld in Immobilien. Insbesondere die Vermietung von Wohnungen ist eine lukrative Angelegenheit und zudem eine gute Absicherung für das Alter. Natürlich wollen Sie den Wert Ihrer Immobilie schützen – wie die Private Mietkautionsversicherung dabei unterstützen kann, lesen Sie hier:

    Aus alter Tradition …
    Viele Mieter erbringen ihre Kaution immer noch in Form einer klassischen Barkaution oder einer Bankbürgschaft. Dies bedeutet für Sie viel Verwaltungsaufwand und dementsprechend viel Zeit und nicht nur das … Sollten Sie bei Auszug des Mieters Schäden an der Wohnung entdecken, wird es kompliziert. Eine clevere Lösung ist hier eine Private Mietkautionsversicherung: Sie bietet die gleiche Rechtssicherheit wie zum Beispiel eine Barkaution oder Bankbürgschaft, jedoch mit deutlich weniger Verwaltungsaufwand. Im Falle eines Schadens hält Ihnen die Versicherung den Rücken frei und Sie sind auf der sicheren Seite.

    Wie das geht …
    Statt einer Bankbürgschaft oder Hinterlegung eines Sparbuchs schließt der Mieter eine Mietkautionsversicherung ab und die Versicherung übernimmt die Bürgschaft. Sie als Vermieter erhalten vom Mieter die Bürgschaftsurkunde. Ist der Mieter bei Auszug seinen Verpflichtungen aus dem Mietvertrag nicht nachgekommen, können Sie sich mit den Forderungen direkt an den Versicherer wenden. Dieser prüft für Sie den Sachverhalt und zahlt die entsprechende Entschädigung direkt aus. Achtung: Die Voraussetzung bei vielen Versicherern ist, dass der zu vermietende Wohnraum privat genutzt wird und in Deutschland liegt.

    Qualifizierte Mieter finden …
    Eine positive Bonität ist das A und O bei der Auswahl der Mieter. Bei Beantragung der Mietkautionsversicherung wird automatisch die Bonität des Mieters durch den Versicherer geprüft. Nur bei positiver Prüfung qualifiziert sich der Mieter für eine Bürgschaft. Dieser Vorteil kann Ihnen viel Ärger und Nerven sparen.

    Wussten Sie schon …
    Auch bei einer bereits hinterlegten Barkaution kann der Mieter mit Ihrer Zustimmung jederzeit eine Mietkautionsversicherung abschließen. Sie erhalten die Bürgschaftsurkunde als Sicherheit und können Ihrem Mieter die bereits hinterlegte Barkaution auszahlen.

    Die Vorteile für Sie als Vermieter auf einen Blick

    ◗◗ Solvente Mieter durch automatische Bonitätsprüfung.
    ◗◗ Kein Verwaltungsaufwand, wie zum Beispiel durch das Eröffnen eines Kontos und durch eine jährliche Abrechnung der Zinserträge.
    ◗◗ Einfache Freigabe, da am Ende der Mietdauer Ihre Unterschrift reicht, um die Mietkautionsbürgschaft freizugeben.
    ◗◗ Keine Gebühren für die Ausstellung der Bürgschaft/Bürgschaftsurkunde.
    ◗◗ Schnelle Neuvermietung, da die finanzielle Hürde für einen Mieter durch die Forderung einer Barkaution entfällt.

    Die Vorteile für Ihren Mieter auf einen Blick

    ◗◗ Finanzielle Flexibilität, da die Mietkaution nicht in bar gestellt oder durch einen Kredit finanziert werden muss.
    ◗◗  Keine Doppelbelastung, falls der Mieter die Barkaution für die alte Wohnung noch nicht zurückerhalten hat, aber schon eine Kaution für die neue Wohnung stellen muss.
    ◗◗ Keine Bindung an lange Vertragslaufzeiten, da der Vertrag mit Rückgabe einer vom Vermieter unterschriebenen Enthaftungserklärung endet.

    Ihr Interesse ist geweckt? Dann wenden Sie sich an eine Versicherungsagentur in Ihrer Nähe und lassen sich unverbindlich beraten.

    ■ Jutta Hülsmeyer


1/2021 Wie wiegt man Schaden in Geld auf?

  • Wie viel ist ein Finger wert, ein Bein, ein Leben? Derlei Verluste lassen sich nicht in Geld aufwiegen. Anders als über finanzielle Mittel kann ein Ausgleich jedoch nicht gelingen.
    Deswegen wird in Deutschland regelmäßig Schmerzensgeld gezahlt – nach Unfällen, ärztlichen Behandlungsfehlern und Körperverletzungen, aber auch in Folge von Beleidigungen und verleumderischer Berichterstattung. Einer Querschnittslähmung, einer Amputation oder einer Depression ein Preisschild anzuhaften, gestaltet sich allerdings äußerst schwierig.

    Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion
    In Deutschland wird versucht, objektiven Kriterien den Vorrang bei der Festsetzung der Schmerzensgeldsumme zu geben. Im Sinne einer Ausgleichsfunktion soll das Schmerzensgeld die Kosten für Behandlung und Pflege decken. Seine Höhe ist dabei abhängig von der Art der Verletzung, dem Umfang sowie der Intensität und Dauer der Schmerzeinwirkung. Zu berücksichtigen sind aber auch Faktoren wie eine Arbeitsunfähigkeit, die Dauer einer stationären und/oder ambulanten Behandlung, die voraussichtliche Leidenszeit und Langzeitfolgen.

    Andererseits erfüllt das Schmerzensgeld auch eine Genugtuungsfunktion, da das Opfer Unrecht an der eigenen körperlichen und seelischen Unversehrtheit erfahren hat. Hier spielen beispielsweise das Ausmaß des Verschuldens, die Vermögensverhältnisse des Geschädigten und des Schädigers sowie Aspekte wie eine Regulierungsverzögerung bei der Schadenabwicklung eine Rolle.

    Keine verbindliche Schmerzensgeldtabelle
    Laut Gesetz hat Schmerzensgeld also eine Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion und stellt eine „billige Entschädigung“ dar. Der Begriff „billig“ steht dabei nicht für besonders günstig – gemeint ist vielmehr, dass die Entschädigung dem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden entspricht. Das leistet sie, indem sie die individuellen Umstände berücksichtigt. Um dennoch eine gewisse Vergleichbarkeit gewährleisten zu können, ist es möglich, bei der Bemessung des Schmerzensgelds Entscheidungen zu anderen, ähnlich gearteten Fällen heranzuziehen.

    Zu diesem Zweck haben verschiedene Anbieter und Institutionen – etwa der ADAC, der Verlag C.H.BECK, das OLG Celle und das Deutsche Anwaltsregister – Schmerzensgeldtabellen entwickelt, bei denen es sich im Grunde jeweilig um eine Sammlung verschiedener Gerichtsurteile zu Schmerzensgeldstreitigkeiten handelt. Es gibt also nicht die eine verbindliche Schmerzensgeldtabelle, wie viele meinen. Die verschiedenen Tabellen enthalten aber weitgehend dieselben
    veröffentlichten Gerichtsurteile. Letztlich entlasten sie die Gerichte, indem sie eine Orientierungshilfe bieten. Trotzdem müssen die Gerichte die Höhe des Schmerzensgeldes in jedem einzelnen Fall individuell bestimmen.

    Exkurs:
    Schadensersatz/Schmerzensgeld in den USA
    Aus den USA werden immer wieder Urteile bekannt, in denen Unsummen an Schmerzensgeld fließen. Das ist auf eine besondere Schadensersatzart, den Strafschadensersatz, zurückzuführen: Diesen sogenannten punitive damage oder exemplary damage kennt man im anglo-amerikanischen, nicht aber im deutschen Recht. Zweck ist, den Beklagten für rechtswidriges Verhalten zu bestrafen und ihn und andere davon abzuhalten, es zu wiederholen. Daher wird der Strafschadensersatz auch nur bei vorsätzlichem oder außergewöhnlich grob schuldhaftem Verhalten zuerkannt, nicht dagegen bei bloßer Fahrlässigkeit.

    Der bekannteste Fall hierzulande ist wahrscheinlich der Fall „Liebeck vs. McDonald’s“, bei dem eine Kundin von McDonald’  2,7 Mio. Dollar Strafschadensersatz zugesprochen bekam, nachdem sie sich mit einem McDonald’s-Kaffee verbrüht hatte. Dieser Prozess wurde in der Öffentlichkeit aber sehr stark verkürzt und etwa in Deutschland durch die Presse teils so fehlerhaft dargestellt, dass der Eindruck von gieriger Geldschneiderei sowie lächerlicher Unverhältnismäßigkeit der Rechtsprechung in den USA entstand. Unerwähnt blieb zum Beispiel häufig, dass sich das Opfer nicht unerhebliche Verbrühungen dritten Grades zugezogen hatte und acht Tage im Krankenhaus verbrachte, wo eine Hauttransplantation durchgeführt wurde. McDonald’s verkaufte damals den Kaffee mit einer Temperatur von 85° C erheblich heißer als andere Fast-Food Ketten, so dass es im Laufe der vorangegangenen Jahre zu über 700 Fällen in diesem Zusammenhang gekommen war. Gleichwohl hatte das Unternehmen nicht die Absicht erkennen lassen, die Temperatur des Kaffees zu senken. Bei der Summe von 2,7 Mio. Dollar handelte es sich übrigens um den damaligen Zweitagesgewinn des Unternehmens. In zweiter Instanz wurde der Strafschadensersatz dann auf 480.000 Dollar reduziert. Danach einigten sich die Parteien auf einen Vergleich, über dessen Höhe nichts bekannt ist. Zu berücksichtigen gilt es im Übrigen, dass in den USA insbesondere bei Prozessen durch mehrere Instanzen horrende Verfahrenskosten anfallen, die der Sieger selbst tragen muss. Eine Kostenerstattung durch den Verlierer – wie bei uns in Deutschland vorgesehen – gibt es nicht. Und: Die Anwaltshonorare werden nicht nach Streitwert, sondern nach Zeitaufwand abgerechnet und sind damit um einiges höher. Dadurch reduziert sich der tatsächlich erzielte Schadensersatz oft dramatisch. In Deutschland würde das Schmerzensgeld in einem solchen Fall etwa bei 5.000 bis 20.000 Euro liegen – abhängig von weiteren Umständen, wie etwa Vernarbungen oder Folgeschäden.

    Beispiele für Schmerzensgeldurteile
    Gehirn (Geistige und körperliche Behinderung – 100 % – eines Neugeborenen nach zu spät eingeleiteter Geburt, OLG Frankfurt 2014) 700.000 €

    Finger (Verlust des oberen Gliedes des linken Mittelfingers, LG Paderborn 2009) 6.000 €

    Beinamputation (beider Unterschenkel bei 5-Jährigem nach Krankenhausverschulden, OLG Oldenburg 2020) 800.000 €

    Leben (Ehemann, tödlicher Sturz vom Balkon während Urlaub, OLG Köln 2006) 6.500 €

    Leben (Ehefrau, Tod wegen nicht erkannter Krebserkrankung, OLG Hamm 2015) 100.000 €

    Hundebiss (in rechte Hand durch Irish-Bullterrier, AG Frankfurt a. M. 2017) 2.500 €

    Haft (Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 4 Monaten aufgrund falschen Gutachtens, OLG Frankfurt a. M. 2007) 150.000 €

    Wiederholte Beleidigung (einer Nachbarin teilweise vor Dritten mit Begriffen wie „blöde Kuh“, „asoziales Pack“, „Hexe“, OLG Frankfurt a. M. 2009) 700 €

    Querschnittslähmung (eines 12-Jährigen nach misslungener HWS-OP, LG Regensburg 2015) 400.000 €

    Vergewaltigung (eines Jungen durch den Stiefvater, LG Stuttgart 2003) 50.000 €

    „Kachelmann-Prozess“ (zahlreiche schwerwiegende Persönlichkeitsverletzungen durch mehrfache Berichterstattung des Springer Verlages über angebliche Vergewaltigung) 395.000 € (rechtskräftiges Berufungsurteil aus 2016, erstinstanzliches Urteil hatte noch auf 635.000 € gelautet)

    HINWEIS
    Ein teures Vergnügen:
    Schmerzensgeldprozesse gestalten sich auch in Deutschland sehr kostenintensiv, da die Gerichte zumeist teure Sachverständigengutachten einholen. Darüber hinaus sind die Rechtsanwalts- und Gerichtskosten Anfang 2021 noch einmal erheblich gestiegen. Gut beraten ist, wer dafür eine Rechtsschutzversicherung

    ■ Anne Hilchenbach


1/2021 Auf Worte müssen Taten folgen - Warum es mit der Formulierung von Unternehmenswerten nicht getan ist

  • Vom kleinen oder mittelständischen Betrieb bis hin zum Weltkonzern: Inzwischen haben die meisten Unternehmen sogenannte Unternehmenswerte für sich festgelegt, die sie nach innen wie auch nach außen leben und vertreten möchten. Diese Werte bilden die Grundlage für Unternehmensentscheidungen, setzen Leitplanken fürs Miteinander, sollen das Handeln jedes einzelnen Mitarbeiters prägen – in allen Hierarchieebenen.

    Allerdings: Werte aufzuschreiben heißt noch lange nicht, sie auch tatsächlich zu leben. Häufig haken Unternehmen das Thema direkt wieder ab, sobald die Unternehmenswerte definiert und einmal schriftlich festgehalten sind. Entsprechend geraten die Werte schnell in Vergessenheit, werden weder vor- noch gelebt.

    Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg
    Unternehmenswerte gehören also nicht nur formuliert, sondern auch kommuniziert. Denn nur, wenn sich die Mitarbeitenden laufend mit den Werten auseinandersetzen und das eigene Handeln mit ihnen abgleichen, werden die Werte auch das Verhalten des Einzelnen beeinflussen. Und nur wenn das Gros der Mitarbeiter sein Verhalten entsprechend den Unternehmenswerten ausrichtet, prägen die Werte das Bild, das ein Unternehmen nach außen hin abgibt. So lässt sich im Übrigen auch vermeiden, dass sich ein Kunde verwundert die Augen reibt, wenn er zunächst auf der Homepage des Unternehmens den Wert „Zuverlässigkeit“ ins Schaufenster gestellt sieht, dann aber auf seine E-Mail ans Unternehmen hin zuerst gar nichts mehr hört – um schließlich ein unverbindliches „Wir schau’n mal und melden uns“ als Antwort zu erhalten …

    Glaubwürdigkeit, Überprüfbarkeit, Verbindlichkeit ...
    Wie also kann eine gute Wertekommunikation gelingen? Konkrete Tipps für den Griff in den (Kommunikations) Instrumentenkoffer gestalten sich schwierig: Die Rahmenbedingungen in den einzelnen Unternehmen sind schlicht zu unterschiedlich. Wohl aber lassen sich übergreifende Charakteristika ausmachen, die erfolgreiche Unternehmenswertekommunikation ausmachen. Katharina Janke, Autorin des Buches „Kommunikation von Unternehmenswerten“ (erschienen 2015 bei Springer) nennt als Kriterien für eine gelingende Wertekommunikation unter anderem, dass diese …

    ◗◗ als glaubwürdig erscheint – also nicht ganz offensichtlich im Kontrast zur gelebten Praxis innerhalb des Unternehmens steht
    ◗◗ entsprechend auch überprüfbar ist – sprich einer Probe aufs Exempel standhält
    ◗◗ sympathische Züge hat – indem sie mit einer Offenheit einhergeht, die nicht zwangsläufig typisch sein muss für das Unternehmen
    ◗◗ verpflichtet – denn sind die Werte erst einmal kommuniziert, sollten sie auch verlässlich und verbindlich eingefordert werden
    ◗◗ mobilisiert – indem sie Reaktionen hervorruft, sei es Zustimmung oder auch Ablehnung
    ◗◗ allgemeine Akzeptanz für die Werte schafft – als oberstes Ziel

    Hilfreich ist es hierfür, wenn die Unternehmenswerte einprägsam sind, in klare Handlungsanweisungen übersetzt und – je nach Kommunikationsform und -anlass – zum Beispiel auch um kurze Geschichten angereichert werden, die die Werte greifbar machen.

    Und als oberste Maxime gilt: Wertekommunikation ist keine einmalige Kampagne, sondern gehört dauerhaft in den Unternehmensalltag integriert.

    ■ Katharina Fiegl


1/2021 Auf Knopfdruck zur Arztsprechstunde

  • Der Wert der eigenen Gesundheit wird häufig erst dann geschätzt, wenn eine Krankheit eingetreten ist. Aber: In Deutschland gibt es immer weniger Hausarztpraxen, an die sich Erkrankte wenden können. Viele Ärzte gehen laut einer Umfrage der Bundesärztekammer zeitnah in den Ruhestand, gleichzeitig sind immer weniger Nachwuchs-Mediziner auf eine eigene Praxis aus. Insbesondere in ländlichen Regionen fehlen Nachfolger, denn niederlassen möchten sich Ärzte wenn, dann hauptsächlich in den Städten. Zu den Warte- kommen so immer häufiger auch noch ordentliche Wegezeiten für die Patienten.

    Dem gegenüber steht die immer älter werdende Bevölkerung. Der Bedarf an Betreuung und Pflege nimmt zu. Insbesondere für die Bewohner von medizinisch nicht gut angebundenen Bereichen bringt diese Entwicklung viele Nachteile mit sich. Die teils langen Strecken zum Hausarzt sind für die Generation 50+ oder Menschen mit Behinderung aufgrund fehlender oder eingeschränkter Mobilität oftmals nur schwer zu bewältigen.

    Die Folge: Auch wenn es geboten erscheint, wird der Arzt nicht aufgesucht. Die medizinische Versorgung leidet darunter: Erkrankungen können verschleppt oder zu spät erkannt werden. Dadurch entstehen gesundheitliche Risiken.

    Videosprechstunden ergänzen herkömmliche Beratungsformate
    Wir möchten mit unserer Familie und unseren Freunden in Kontakt bleiben, wenn diese entfernt leben oder besondere Zeiten einen persönlichen Besuch nicht möglich machen. Videodienste bieten hierfür eine ideale Lösung − Programmen wie Skype oder Facetime sei Dank. Auch zur Verbesserung der medizinischen Versorgung kann diese Technologie eingesetzt werden: für medizinische Videoberatung. Warteoder Wegezeiten gibt es hier nicht, mangelnde Mobilität ist schlicht irrelevant.

    Zugleich lässt sich durch die Bildübertragung eine Nähe zum Arzt herstellen, die bei vielen Patienten einen hohen Stellenwert hat. Damit ist nicht nur gemeint, dass das Gesicht des Arztes während eines Gespräches zu sehen ist – er kann während einer Videoberatung zudem erklärende Texte oder Grafiken einblenden oder mit seinem Gegenüber einen gemeinsamen Blick auf dessen Laborergebnisse oder Röntgenbilder werfen. Auch Handgriffe wie das richtige Anlegen eines Blutdruckmessgeräts lassen sich per Videoberatung gut erklären und dann sogar vorführen.

    Darüber hinaus können beispielsweise ein weiterer Arzt oder der Pflegedienst in die Beratung eingebunden werden. Eine solche Vernetzung ermöglicht eine intensive Betreuung und bietet älteren Menschen die Chance, nicht früher als unbedingt notwendig aus den eigenen vier Wänden in eine Pflegeeinrichtung umziehen zu müssen.

    Nur Diagnosen, die lassen sich noch nicht per Videoberatung stellen. Das liegt in der Natur der Sache – schließlich findet online keine medizinische Untersuchung statt.

    Videodienstanbieter gewährleisten sicheren Ablauf
    Häufig besteht seitens der Patienten noch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einem digitalen Austausch mit einem Arzt. Grund hierfür sind an erster Stelle Sicherheitsbedenken, gefolgt von der allgemeinen Skepsis gegenüber potenziell fehleranfälliger IT. Allerdings müssen Ärzte oder Psychotherapeuten − unter Einhaltung der berufsrechtlichen Rahmenbedingungen − für ihre Onlineberatung einen zertifizierten Videodienstanbieter auswählen. Und dieser sorgt für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Sprechstunde.

    Bietet der eigene Haus- oder Facharzt noch keine Videosprechstunde an, können sich Interessenten über Portale wie Jameda oder Doctolib auch an einen anderen Behandler wenden. Oder aber sie erkundigen sich bei ihrem Versicherer, ob der medizinische Videoberatung als Serviceleistung anbietet. Die LVM Versicherung beispielsweise kooperiert neuerdings – genauso wie einige andere Krankenversicherer und -kassen − mit dem Dienstleister MD Medicus Assistance Service: Krankenvoll- oder Beihilfeberechtigte können dem Dienstleister online angeben, wann und zu welchem Thema sie sich mit einem Experten online austauschen möchten, und erhalten dann einen Termin mit einem Allgemeinmediziner oder Facharzt.

    Fazit
    Die Arzt-Patienten-Kommunikation wird vielfältiger. Eine Videosprechstunde bietet individuelle Unterstützung bei medizinischen und gesundheitsbezogenen Fragestellungen. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Beratungsformaten verlangt sie den Patienten weder Wartezeiten noch Wegstrecken ab. Damit ergänzt sie auf komfortable Art und Weise die Sprechstunden in Präsenz.

    ■ Andrea Weidemann


1/2021 Die Grundrente - ein Plus für über eine Million Rentner

  • Nach langem Hin und Her ist das Grundrentengesetz zum 1. Januar 2021 in Kraft getreten. Circa 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner werden von der Gesetzesänderung profitieren und erhalten Grundrentenzuschläge von bis zu 404,86 Euro monatlich. Durchschnittlich beträgt der Zuschlag allerdings nur etwa 75 Euro. Die ersten Rentner profitieren ab Mitte 2021 von der höheren Rentenzahlung. Finanziert werden die Grundrentenzuschläge durch die Erhöhung des Bundeszuschusses zur allgemeinen Rentenversicherung, sprich aus Steuergeldern, und nicht – wie lange geplant – durch die Finanztransaktionssteuer. Eine Beitragserhöhung in der gesetzlichen Rentenversicherung wird es zur Finanzierung der Zuschläge somit nicht geben.

    Das Ziel
    Die Grundrentenzuschläge sollen langjährig Erwerbstätige vor der Sozialhilfe bewahren, denn hier wird jeder Hinzuverdienst zur Minderung der Sozialleistung angerechnet. Bedürftigen ist es somit kaum möglich ihre finanzielle Situation durch geringe Nebeneinkünfte zu verbessern. Bei den Grundrentenzuschlägen erfolgt bei einem Einkommen von unter 1250 Euro (Ledige) beziehungsweise 1950 Euro (Verheiratete) keine Anrechnung. Zum Einkommen zählen jedoch neben Arbeitseinkünften beispielsweise auch Erträge aus privater oder betrieblicher Altersvorsorge.

    Die Zielgruppe
    Doch wer erhält einen Grundrentenzuschlag? Es gibt zwei wesentliche Kriterien: Zum einen müssen Versicherte mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten nachweisen können. Hierzu zählen neben Zeiten der Pflichtversicherung aufgrund von Erwerbstätigkeit beispielsweise auch Zeiten nicht erwerbsmäßiger Pflege oder Kindererziehungszeiten, nicht aber Zeiten der Arbeitslosigkeit. Zum anderen müssen sie ein Einkommen von durchschnittlich zwischen 0,3 Entgeltpunkten und 0,8 Entgeltpunkten pro Jahr erzielt haben. Dies entspricht bei einem vorläufigen Durchschnittsentgelt von 41 541 Euro im Jahr 2021 einem jährlichen Einkommen zwischen circa 12 500 Euro und 33 200 Euro. Langjährig geringfügig Beschäftigte oder Angestellte, die in ihrem Erwerbsleben durchschnittlich verdient haben, erhalten in der Regel keinen Grundrentenzuschlag zu ihrer Altersrente.

    Die Fallstricke
    Irgendwo muss der Gesetzgeber Grenzen ziehen. Aber sind die hier gewählten gerecht? Ein Versicherter, der bis zum Rentenalter beispielsweise 20 Entgeltpunkte erworben und dafür 35 Jahre lang gearbeitet hat, kann einen Grundrentenzuschlag erhalten. Jemand, der für die 20 Entgeltpunkte lediglich 30 Jahre Erwerbstätigkeit benötigt hat und die entsprechenden Grundrentenzeiten nicht vorweisen kann, wird keinen Zuschlag erhalten. Kritiker sehen hier das Äquivalenzprinzip – kurz: mehr Beitrag, mehr Rente – in Gefahr. Nach der Kritik von sowohl hochrangigen Rentenexperten als auch Verfassungsrechtlern scheinen auch Verfassungsklagen bereits auf dem Weg zu sein. Vermutlich wird sich daher wohl letztlich das Bundesverfassungsgericht mit der Frage beschäftigen müssen, ob die Gesetzesänderung mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

    Beispiel Verkäuferin West

    ◗◗ 40 Jahre angestellt
    ◗◗ durchschnittlich 0,75 EP erworben
    ◗◗ das entspricht heute ca. 30 400 € Bruttogehalt
    ◗◗ Altersrentenanspruch bisher: ca. 1026 €
    (40 x 0,75 EP x 34,19 €)

    Berechnung des Grundrentenzuschlags:

    ◗◗ die erworbenen EP werden verdoppelt, bzw. auf max. 0,8 EP angehoben
    ◗◗ in diesem Fall somit um 0,05 EP
    ◗◗ der Zuschlag wird um 12,5 % gekürzt
    ◗◗ es verbleiben 0,0438 EP
    ◗◗ der Zuschlag wird für max. 35 Jahre berechnet

    Grundrentenzuschlag: ca. 52 €
    (35 x 0,0438 EP x 34,19 €)
    Gesamtrente neu: ca. 1078 €

    Quelle: Deutsche Rentenversicherung

    ■ Markus Öchsner


1/2021 Big brother is watching you? - Telematik in der Autoversicherung

  • Die wollen mich überwachen. Die erhobenen Daten werden zu Werbezwecken verkauft. Durch die Nutzung dieser Technik werde ich gläsern. Ähnliche Vorbehalte hört man nicht selten, wenn von Telematik-Produkten die Rede ist. Zu Recht?

    „Telematik (zusammengesetzt aus Telekommunikation und Informatik) ist eine Technik, welche die Bereiche Telekommunikation und Informatik verknüpft“, so kann man bei Wikipedia nachlesen. Einsatzbereiche sind zum Beispiel Verkehrssteuerung, Gebäudemanagement, E-Health oder E-Learning.

    Auch in Versicherungsprodukte werden zunehmend Telematik-Aspekte integriert, insbesondere in der Kfz-Versicherung. Die beiden Marktführer Allianz und HUKCoburg bieten seit einigen Jahren entsprechende Produkte an. Auch die LVM, einer der größten Autoversicherer Deutschlands, hat vor wenigen Wochen ein ähnliches Produkt für junge Kunden (18 bis 30 Jahre) auf den Markt gebracht.

    Ziel solcher Produkte ist es, die voraussichtliche Schadenentwicklung von Kunden über deren Fahrverhalten zu erkennen. Davon profitieren gute Fahrer durch einen geringeren Versicherungsbeitrag und der Versicherer durch geringere Schadenzahlungen.

    So funktioniert‘s
    Über eine App oder eventuell über einen im Fahrzeug angebrachten zusätzlichen Sensor erfasst und übermittelt der Kunde seine Fahrdaten an den vom Versicherer beauftragten Telematik-Dienstleister. Zu diesen Fahrdaten gehören zum Beispiel Anfang und Ende einer Fahrt, gefahrene Distanz, Straßenkategorie, starkes Bremsen, starkes Beschleunigen, Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit, aber auch, ob der Fahrer durch das Verwenden des Smartphones während der Fahrt abgelenkt ist, zum Beispiel durch Telefonieren oder Versenden von Textnachrichten. Konkrete Standortdaten werden nicht übermittelt. Der Kunde kann sein Fahrverhalten in der App einsehen und so Optimierungspotenziale für die eigene Fahrweise erkennen.

    Für die Teilnahme an der Telematik-Option bekommt der Kunde einen Rabatt auf den Beitrag seiner Autoversicherung. Bei guter Fahrweise erhält er weitere Vorteile, zum Beispiel Gutscheine für Waren oder Dienstleistungen.

    Das weiß der Telematik-Dienstleister
    Damit die Vorhersage des voraussichtlichen Schadenverlaufs gelingen kann, fließen viele Fahrdaten über die App an den vom Versicherer mit der Datenerhebung beauftragten Dienstleister. Um insoweit Datenschutz zu gewährleisten, hat sich eine klare, von den Datenschutzbehörden entwickelte Regel durchgesetzt: Die Kundendaten und die Fahrdaten werden organisatorisch in zwei unterschiedlichen Datenkreisen geführt. Vereinfacht gesagt heißt das: Der vom Versicherer mit der Erhebung der Fahrdaten beauftragte Dienstleister erhält keinerlei Daten zur Person eines Kunden wie zum Beispiel Name, Anschrift etc. Er kennt lediglich dessen E-Mail-Adresse zwecks Übermittlung von Registrierungsdaten.

    … und das der Versicherer
    Umgekehrt erhält der Versicherer vom Dienstleister keinerlei mit der Person des Kunden verknüpfte Aufzeichnungen zu Fahrten. Alle vom Kunden über die App übertragenen Daten übermittelt der Dienstleister an den Versicherer in verschlüsselter (pseudonymisierter) Form. In entschlüsselter Form sind die Daten dann ausschließlich einem kleinen, in Abstimmung mit dem Konzerndatenschutzbeauftragten des Versicherers festgelegten Personenkreis zugänglich (zum Beispiel dem Supportteam zur Beantwortung von Kunden- Anfragen).

    Darüber hinaus gibt es – auf Grundlage der EU-Datenschutzgrundverordnung – eine Auftragsdatenvereinbarung zwischen dem Versicherer und seinem Dienstleister. Die sorgt dafür, dass der Dienstleister sich an die erforderlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Datenhaltung sowie an die vereinbarten Verarbeitungsbeschränkungen hält. Außerdem wichtig zu wissen: Es fließen keine Daten an Außenstehende, wie dies zum Beispiel heute beim Aufruf jeder beliebigen Internetseite geschieht, auf der der Nutzer – wie häufig üblich – „alles akzeptieren“ anklickt anstatt den mühsamen Weg zu gehen, den Verwendungszweck seiner Daten zu konfigurieren. Kunden  werden auch nicht gläsern durch Telematik, da der Kreis der zur Einsicht Berechtigten aus den oben genannten rechtlichen Gründen stark begrenzt werden muss.

    Big brother is watching you? Ja, bestimmt und auf vielen Wegen, aber nicht über Telematik in der Autoversicherung!

    ■ Rainer Rathmer


1/2021 „Der Schlüsselbegriff heisst Wertschätzung"

  • Das Thema WERTE begleitet uns durch diese Ausgabe bis zum Schluss und wird vom European Ethika Network wie folgt definiert:
    Werte sind tief-verwurzelte, bedeutsame und durchdringliche Überzeugungen, Haltungen (Einstellungen), Ideale und Bedürfnisse, welche gewöhnlich von den Mitgliedern einer Gesellschaft auf unbestimmte Zeit individuell geteilt werden und zumeist das Gute oder Schlechte betreffen. Sie tragen im Wesentlichen zum Charakter, der Identität und Kultur des Menschen bei. Wir verstehen die Welt um uns herum durch Werte und orientieren uns an ihnen. Auch in den unvermeidlichen Fragen und Herausforderungen, mit denen wir als Menschen in unserem Leben konfrontiert werden, wie: Was möchten wir für uns und was möchten wir für andere, was ist zu tun und wie sollten wir uns verhalten?

    Genau diese zuvor beschriebenen „unvermeidlichen Fragen“ konnten wir uns im vergangenen Jahr stellen, das wird rückblickend deutlich.

    Ein Mensch, der sich lange intensiv mit diesen Fragen beschäftigt hat, ist Götz W. Werner.
    Zur Person: Götz Wolfgang Werner (*5. Februar 1944 in Heidelberg) ist Gründer und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens dm-drogerie markt, als dessen Geschäftsführer er 35 Jahre lang fungiert hat. Von Oktober 2003 bis September 2010 leitete Werner das Interfakultative Institut für Entrepreneurship am Karlsruher Institut für Technologie. Werner ist Gründer der Initiative „Unternimm die Zukunft“ für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

    Anlässlich seines 70. Geburtstages legte Götz Werner seine Autobiographie „Womit ich nie gerechnet habe“ vor. Darin berichtet er, wie sich dm zu einem der beliebtesten Unternehmen Deutschlands entwickelt hat. Der gelernte Drogerist zeigt darüber hinaus eindrucksvoll auf, warum ihn die tiefe Überzeugung prägt, dass jede Arbeit und jeder Mensch wertvoll ist. „Der Schlüsselbegriff heißt Wertschätzung“, sagt er im Hinblick auf diese von ihm gelebte Praxis.

    Als „Zahnpasta-Verkäufer" bezeichnet Götz Werner sich selbst ganz gern. Dabei ist er viel mehr als das: Neben der Rolle des Gründers und Inhabers der Drogeriemarktkette dm bekleidet er auch die eines Vordenkers moderner Managementmethoden. Diesbezüglich stammt von ihm der Ausspruch: „Führungskräfte von heute und in der Zukunft sind die Menschen, welche die richtigen, die interessanten Fragen stellen, nicht die, welche die guten Antworten geben.“

    Seine Erfahrung lautet: „Der unternehmerisch veranlagte Mensch fängt immer neu an. Er handelt auf Grundlage von heute und dem, was er aus der Zukunft antizipiert – gestärkt mit den Fähigkeiten, die er in der Vergangenheit entwickelt hat.“

    Auch als Vorkämpfer für das bedingungslose Grundeinkommen ist Götz Werner bekannt geworden. Hierfür setzt er sich öffentlich seit 2005 ein – wobei die Anfänge seiner Ideen bis in das Jahr 1982 zurückreichen, als die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik Deutschland einen bis dahin einmaligen Höchststand erreicht hat.

    „Wer will, findet Wege; wer nicht will, findet Gründe“ ist mehr als nur ein markiger Ausspruch des Unternehmers – vielmehr wird in diesen Worten seine Haltung zu den Dingen deutlich.

    Selbstverständlich ist es mit dem Wollen allein aus Götz Werners Sicht nicht getan. „Es ist dies vielleicht die schwierigste Übung für uns Menschen, nicht in dieser Weise insgeheim arrogant zu sein und den Mitmenschen wirklich mit Respekt und Achtung zu begegnen“, sagt er – überzeugt davon, dass Integrität zum Erfolg führt. Genau deshalb steht bei dm das ganzheitliche unternehmerische und soziale Denken im Mittelpunkt. Der Erfolg gibt Götz Werner, der sich selbst auch als „Realträumer“ bezeichnet, recht.

    Fazit: Eine klare und wertvolle Leseempfehlung!

    ■ Karsten van Husen


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